Neustadt Unterschiedlichste Klangfarben im Kirchenschiff

Deidesheim. Kompositionen für die Seele in unterschiedlichen Klangfarben erlebten am Sonntag die rund 250 Besucher des Konzertes „Laudate Dominum“ in der Pfarrkirche St. Ulrich in Deidesheim. Elke Voelcker, Organisatorin des „Deidesheimer Musikherbstes, begleitete selbst an der Orgel und am Piano, die Chorgruppen dirigierte Kantorin Marie-Luise Birkhofer.
Die vielfältigen Möglichkeiten, Kirche akustisch zu nutzen, zeigen sich schon nach dem triumphalen Orgelauftakt mit St. Vigor’s March“ von Christopher Tambling. Birkhofer dirigiert vom Chorraum aus ihre zwölfköpfige Frauenschola St. Ulrich, die auf der Empore „Jauchzet Gott“ von Walter Schmid interpretiert. Klangreinheit bis in die Höhen und fugenartige Einsätze mit Echoeffekten erfüllen das Kirchenschiff. Mendelssohns sehr berührend vorgetragener Romantik-Klassiker „Hebe deine Augen auf“ richtet die Köpfe hoch zur Empore, um den ausdrucksvollen Gesang mit allen Sinnen zu verfolgen. Nachdem die Sängerinnen in den Chorraum gekommen sind, entsteht dann bei zwei Werken des zeitgenössischen Komponisten John Rutter eine ganz andere Dynamik. In englischer Musiktradition wechseln einstimmig vorgetragene, schlichte Themen, begleitet mit Piano, und mehrstimmige, majestätische Passagen, Schlüsselwörter wie „Peace“ und „Amen“ hervorhebend. Auch beim „Cantate Domino“ von Nancy Hill Cobb beherrscht der Frauenchor den nuancenreichen Vortrag, meistert Tonart- und Taktwechsel mit Bravour. Einen schönen Kontrast bildet das Männerquartett „Cantus Palatinus“, das von der Orgelempore aus „Jauchzet dem Herrn“ von Friedrich Silcher und eine Motette von Hans Georg Nägli intoniert. Ihren ersten Vortragsblock schließen Thomas Jakobs, Ingo Wackenhut (Tenöre), Philip Niederberger und Emmerich Pilz (Bässe) mit dem mitreißenden Mendelssohn-Satz „Beati mortui“ ab. Auch sie steigen anschließend herab ins Schiff. Herzeweh und Weltschmerz liegt in „Amin“, einem altrussischen Kirchengesang, arrangiert von Quirin Rische. Beim Titel „You alone“ von Martin Nyström folgt auf schöne Solopassagen das volltönende Männerquartett. Auch der immer noch populäre Song „The Rose“ von Amanda McBroom berührt, ebenso stilkundig interpretiert. Das perfekt aufeinander abgestimmte Programm gibt Organistin Voelcker Raum, ihre Kunstfertigkeit zu zeigen. Sie spielt aus der „Suite Carmelite“ von Jean Françaix, als Filmmusik für „Dialogues des carmélites“ bekannt geworden. Und wer genau hinhört, erkennt die pfiffig wie humorig interpretierten Charaktere der „Sœurs“, manche von ihnen zart und bescheiden, andere scharfzüngig, und die Oberin Mère Marie de Saint-Augustin könnte den Klängen nach ein überaus dominanter „Dragoner“ gewesen sein. Die 60 Sängerinnen und Sänger der Chorgemeinschaft Deidesheim-Ruppertsberg, in allen Stimmgruppen ausgewogen besetzt, positionieren sich im Chorraum und steigen mit zwei imposanten Tambling-Werken ein. Sie überzeugen bei schwierigen Intervallen durch Treffsicherheit, reagieren ohne Schwächen auf die angezeigte Dynamik, bewältigen auch später Taktwechsel und synkopisierte Rhythmen souverän. Klangkontrast ist Programm, wie sich bei Mendelssohns „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ zeigt: Gemeinsam mit „Cantus Palatinus“ agieren die Solistinnen Josefa Kreimers, Silvia Archinger, Almut Fingerle und Christine Schneider in perfekter Harmonie. Auch bei Robert Jones’ „Gottes grenzenlose Liebe“ zeigen sie, wie gut sie sich ergänzen. Vor dem Schluss gibt es bei „Rejoice in the Lord alway“ von George Rathbone ein kurzweiliges Wechselspiel zwischen Chor, Chorgruppen und Solisten, wobei das einleitende „Rejoice“-Thema den Refrain bildet. Einen gelungen Abschluss bietet „Du lässt den Tag, o Gott, nun enden“ von Clement C. Scholefield. Lang anhaltender Beifall belohnt die Akteure.