Neustadt Unter Beobachtung der Bundestrainer

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Kirrweiler. Handball-Nachwuchstalent Yessine Meddeb (TV Kirrweiler) wurde bei der Sichtung des Deutschen Handball-Bundes (DHB) als bester Rechtsaußen von den Bundestrainern ins All-Star-Team der Südverbände berufen. Jetzt darf der 15 Jahre alte Linkshänder sogar auf seinen ersten Einsatz in der Jugendnationalmannschaft hoffen. Am 1. Mai hat Meddeb seinen Heimatverein verlassen und wechselt demnächst ins Internat der Rhein-Neckar Löwen nach Kronau.

Das erste und das letzte Wort hat seine Mutter Tanja. Da muss Yessine Meddeb ein wenig grinsen. „Er hat noch nichts erreicht“, sagt sie. Dennoch ist ihr jüngster Sohn auf der Karriereleiter schon ein ganz Stück höher als seine bisherigen Teamkameraden beim TV Kirrweiler geklettert. Der 15 Jahre alte Linkshänder nahm im März mit der Rheinland-Pfalz-Auswahl an der Sichtung des Deutschen Handball-Bundes (DHB) im württembergischen Ruit teil und überzeugte bei der dreitägigen Maßnahme derart, dass er ins All-Star-Team seines Jahrgangs 2000 berufen wurde. Eine Auszeichnung, mit der der Schüler der zehnten Klasse am Gymnasium in Edenkoben nicht gerechnet hatte. „Ich wusste zwar, dass ich vom Landestrainer für die besten Fünf des Teams nominiert wurde. Aber dass ich am Ende zu den besten Sieben aller anwesenden Landesverbände gehöre, das ist schon eine besondere Ehre“, sagt Meddeb. Das hatte für ihn weitere angenehme Folgen. Er wurde zum ersten Lehrgang des Deutschen Handball-Bundes (DHB) für den jüngsten Jugend-Jahrgang nach Naumburg in Sachsen-Anhalt eingeladen. Damit zählte der Sohn eines tunesischen Vaters und einer deutschen Mutter zum 18-köpfigen Aufgebot der beiden DHB-Trainer Jaron Siewert (Berlin) und Carsten Klavehn (Schriesheim). Ziel der beiden DHB-Trainer ist es, eine Jugendnationalmannschaft für die beiden Länderspiele im Juli gegen Frankreich zu bilden. Ob Yessine Meddeb zum endgültigen DHB-Aufgebot zählen wird, ist noch ungewiss. Ein weiterer Lehrgang im Juni soll Aufschluss darüber bringen, ob der in Edenkoben lebende Nachwuchshandballer dabei sein wird. „Ich werde alles dafür geben. Aber das letzte Wort haben die Trainer“, sagt Meddeb. Man spürt bei ihm eine gewisse Freude. Auch deswegen, weil er sich künftig ganz auf den Leistungssport konzentrieren wird. Nach dem letzten Spiel am 30. April mit der A-Jugend des TV Kirrweiler hat er sich als Pfalzmeister nach sechs Jahren in der Südpfalz von seinem Heimatverein verabschiedet und trägt seitdem das gelbe Trikot der B-Jugend der SG Kronau-Östringen. „Ich habe mir diese Entscheidung lange überlegt, aber dies ist der einzige Schritt, um mich weiter zu entwickeln“, sagt Meddeb. Einen vorzeitigen Wechsel hatte er stets abgelehnt. „Ich weiß, was ich von meinem Verein habe“, sagt Meddeb. Deswegen sei es ihm wichtig gewesen, in Kirrweiler die Saison zu Ende zu spielen. Dort wurde er dringend benötigt. Der Linkshänder ist sowohl in der B-Jugend bei Trainer Frank Gerbershagen als auch in der A-Jugend bei Wolfgang Zöller am Ball gewesen. Die Doppelbelastung hat er gerne auf sich genommen. „Da werde ich noch mehr gefordert“, bringt er es auf den Punkt. Er gilt ohnehin in beiden Mannschaften als der Torjäger im rechten Rückraum. Und sein Talent hat sich herumgesprochen, so dass gleich mehrere Vereine Interesse an ihm bekundet hatten. Sein zukünftiger Weg ist klar: Vor seinem offiziellen Wechsel trainierte er bereits jeweils dienstags bei den vom ehemaligen pfälzischen Verbandstrainer Daniel Mayer (Kandel) betreuten Junglöwen in Kronau mit. Sein Vereinswechsel bringt nun für ihn eine Reihe von Veränderungen: In den Sommerferien folgt der Umzug ins Internat, dazu wird er die zehnte Klasse in Baden-Württemberg nochmals absolvieren. „Ich bin froh, dass Kirrweiler mir da keinen Stein in den Weg gelegt hat“, erzählt Meddeb, der von den dortigen Bedingungen geradezu ins Schwärmen gerät. Seine Aufgabe wird aber nicht einfacher. Auch wenn er ein gutes Auge, ein exzellentes Wurfrepertoire besitzt und im Spiel eins gegen eins vor keinem Gegner zurückstecken muss, kennt er seine Schwächen. „Manchmal habe ich eine falsche Einstellung, was sicherlich auch an meiner Faulheit liegt. Das werde ich wohl im Leistungshandball ablegen müssen“, meint er augenzwinkernd. Dass er das Talent besitzt, weiß er selbst. Bei athletischen Tests, aber auch bei den technisch-taktischen Grundspielen sowie im Mannschaftsspiel fiel er in der DHB-Sichtung dem Bundestrainer-Team positiv auf, weshalb er mit drei weiteren Akteuren im rechten Rückraum um die beiden Plätze für für die Frankreich-Länderspiele im Sommer kämpfen wird. Und dann hat wieder seine Mutter das letzte Wort: „Jetzt reicht es. Du musst dich fertig machen für das Training.“ Schon greift er nach seiner Sporttasche, um nicht die Abfahrt nach Kronau an diesem Abend zu verpassen ... (wij)

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