Neustadt Unerschöpflicher Formenreichtum

Neustadt. Die eine ist Stammkünstlerin der Galerie, die andere zum ersten Mal in Neustadt zu sehen: Doch nicht nur weil sowohl Alexandra Deutsch als auch Flora Hitzing in erster Linie plastisch tätig sind, passen beider Positionen ausgesprochen gut zueinander, wie aktuell eine Doppelausstellung in der Galerie Upart im Schöntal zeigt.
Auch der Ausgangspunkt ihres Schaffens, die Natur, ist für beide Künstlerinnen der Gleiche – nicht im Sinne von Nachahmung freilich, sondern als Neuschöpfung, Weiterentwicklung, als Spielmaterial, aus dem sich ein schier unerschöpfliches Formenrepertoire mit gleichwohl klar erkennbarer Handschrift entwickeln lässt. Alexandra Deutsch, 1968 in Karlsruhe geboren und bereits zum vierten Mal bei Upart in einer Ausstellung zu sehen, zeigt wieder ihre biomorphen, an Unterwasserwesen oder exotische Pflanzen erinnernden Wandobjekte aus bunt eingefärbtem, handgeschöpftem und versteiftem Papier, für die die in Wiesbaden lebende Südpfälzerin weithin bekannt ist. Die Arbeiten von Flora Hitzing, 1978 in Kiel geboren und später Meisterschülerin von Tony Cragg an der Düsseldorfer Akademie, kommen schon farblich viel nüchterner daher – es dominieren Schwarz, Weiß und Grau – und scheinen sich auch eher auf geologische oder meteorologische, denn auf biologische Prozesse zu beziehen. „Tot“ sind sie aber trotzdem nicht. „Vergewisserung“, ein großes Bodenobjekt aus kunstvoll mit dem Fön verschmorten, schwarzen Mülltüten, etwa erinnert an einen Strudel oder an erstarrte Lava. Man wird als Betrachter förmlich hineingezogen. Ein an einen Ammoniten erinnerndes, großformatiges Wandobjekt in der gleichen Technik empfängt den Besucher schon im Foyer. Wellen, Brandungswellen genauer, sind ein weiteres großes Thema, das Hitzing in der Upart-Ausstellung in verschiedenen Varianten vorstellt. Sie bestehen aus Gips oder Keramik, sind unbeschichtet und roh oder auch mit Platin überzogen und frieren meist genau jenen Moment ein, in dem sich der Wellenkranz am Ufer bricht. Mehrere dieser Objekte stehen, quasi „in Lebensgröße“, wie geologische Exponate eines naturkundlichen Museums auf Holzsockeln im Raum. Dynamischer, rauer und sehr schön durch das Moment der Wiederholung ist eine kleinformatigere, 14-teilige Serie von Tischobjekten. Das Motiv der Welle greift die Bildhauerin schließlich auch in einer Serie von Schwarz-Weiß-Aquarellen auf, bei denen einem unvermeidlich die japanischen Holzschnitte eines Hokusai in den Sinn kommen. In leuchtendem Rot präsentiert sich dagegen eine weitere Serie von Aquarellbildern der Düsseldorferin, die an CT-Aufnahmen eines Schädels erinnern. Hier drückt sich eine fast wissenschaftliche Herangehensweise aus, die auch eine verblüffende, in Aluminiumguss hergestellte Kugel von rund einem halben Meter Durchmesser kennzeichnet, die wie die Darstellung eines Virus aus einem medizinischen Lehrbuch anmutet, aber auch durch ihre perfekte Ästhetik für sich einnimmt. Auch von Deutsch sind in der Ausstellung etliche zweidimensionale Arbeiten zu sehen: Sie zeigt erstmals bei Upart ihre informellen Monotypien, großformatige Unikatdrucke, mit bunten, wenn auch ein wenig stumpfen Farbflächen. Für den kleineren Geldbeutel gibt es außerdem auch wieder eine Auswahl an „Organics“, Kleinobjekte mit der Anmutung von Insekten, Samenkapseln oder Medusen in weißen Kästen, die die bizarren Großobjekte für Wände und Decken ins kleine Format übersetzen. Die Ausstellung Die Ausstellung „Alexandra Deutsch/Flora Hitzing: Dem tiefen Raunen der Welten gelauscht“ läuft noch bis 13. Dezember in der Galerie Upart, Quellenstraße 32, in Neustadt. Öffnungszeiten: mittwochs und sonntags 12-18 Uhr oder nach Vereinbarung unter 0171-6702651.