Neustadt Und später mal in die Alten-WG
Wie sollen sich die Stadt und die Gesellschaft für Dienste im Alter (GDA) aufstellen, um vor allem künftige Senioren beim Leben und Wohnen in Neustadt unterstützen zu können? Um das beantworten zu können, haben sich Stadt und GDA zusammengetan und befragen 1500 Neustadter, die über 50 Jahre alt sind, zu ihren Wünschen.
Erarbeitet wurde der Fragebogen von dem Freiburger Institut für angewandte Sozialforschung AGP – im Auftrag der GDA und abgestimmt mit der Stadtverwaltung. Das Institut betreibt seit 25 Jahren Altersforschung. Wichtig im aktuellen Zusammenhang: Es geht nicht allein um Pflege, sondern auch darum, welche Wohnformen sich Neustadter vorstellen können. Denn oft sei es nicht Pflege, sondern Unterstützung im Alltag, die zunächst gebraucht werde, wie Bürgermeister und Sozialdezernent Ingo Röthlingshöfer bei der gestrigen Vorstellung des Projekts erläuterte. Eine Erfahrung, die GDA-Geschäftsführer Georg Nicolay und der Direktor des GDA-Wohnstifts Neustadt, Christoph Stöckmann, bestätigten. Stöckmann nannte ein Beispiel: Wenn sich 100 Neustadter vorstellen, später einmal in Zehner-Wohngemeinschaften zusammenzuleben, „sollten wir aktiv werden“, soll heißen entsprechende Wohnobjekte anbieten oder WG-Interessenten zusammenbringen. Das Stichwort lautet folglich struktureller Sozialplan, zu dem die Umfrage auch aus Sicht von Sandra Gröschel-Krämer, Leiterin der städtischen Abteilung Behinderte, Senioren und Betreuung, beitragen kann. Eine solche Befragung samt Kooperation mit einer Kommune ist für die GDA Neuland. Die GDA ist ein Tochterunternehmen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und an zehn Standorten in Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz vertreten. Gute Erfahrungen mit solchen Umfragen hätten Freiburg und Düsseldorf gemacht, berichtete Nicolay. Entscheidend sei ein hoher Rücklauf, um belastbare Informationen zu erhalten. Neben dem Pilotprojekt Neustadt ist die GDA ihrem Geschäftsführer zufolge noch mit weiteren Kommunen im Gespräch, vor allem im Rhein-Main-Gebiet. Die Stadt hätte eine solche Umfrage nicht allein umsetzen können, so Sozialdezernent Röthlingshöfer auf Nachfrage. Dafür stünden derzeit nicht die notwendigen Ressourcen zur Verfügung. Wichtig sei das Projekt auch deshalb, weil das Thema Wohnen und Leben im Alter „allein durch den Staat nicht zu lösen ist“. Um neben den notwendigen Pflegeeinrichtungen neue Wohnformen im Alter umsetzen zu können, sei ein Zusammenspiel zwischen privat und Staat wichtig. Viele Menschen, so Röthlingshöfer, würden schon früh darüber nachdenken, wie sie im Alter leben wollten. „Sie wollen selbst etwas tun, brauchen aber auch ein bisschen Anleitung.“ Genau diese wolle die Verwaltung möglichst passgenau geben können: „Was nehmen wir mit als Handlungsbogen“, formulierte er die Erwartungen an das Neustadter Umfrageergebnis. (ahb)