Neustadt „Un jetzt uff nooch Deißem“
40 Tage nach dem Eierpicken gibt es am Pfingstsonntag, 4. Juni, das nächste Lambrechter Brauchtum: Der 614. Tributbock steht bereits in den Startlöchern für seinen Auftritt beim Heimatabend in Lambrecht. An dem Abend werden zwei Akte aus dem historischen Geißbockfestspiel von Ernst Schäfer aufgeführt. Zudem wird der Bock dem jüngst vermählten Lambrechter Brautpaar übergeben.
Mit der Inszenierung und Regie der für die Tradition wichtigen Schlussbilder des Stücks gibt Schauspieler Gregor Michmé sein Debüt. Zudem ist es quasi die Generalprobe für seine „Rolle“ als Leiter des Festspiels 2018 zusammen mit einem Coregisseur. Er tritt damit in die Fußstapfen des langjährigen Regisseurs Günter Lauer. Mit der Geißbocktradition ist Michmé zwar nicht aufgewachsen, aber längst infiziert, seit ihn seine Frau Anja Schaeffer von Neustadt nach Lambrecht gelotst hat und Gäste vom Lokal „Lambrechter Gäsbock“ ihn in das Brauchtum eingeführt haben. Der Tributbock gilt als Ausgleich für Weiderechte im Deidesheimer Hinterwald. Die bereits im Jahr 1404 verbrieften Rechte werden von den Lambrechtern schon lange nicht mehr genutzt. Das Brauchtum hat sich dennoch erhalten. In unseren Tagen läuft es relativ konfliktfrei ab. In der Vergangenheit gab es deswegen zwischen Lambrecht und Deidesheim immer wieder Rechtsstreitigkeiten. Aufmerksam wurde Lambrecht auf Gregor Michmé als Eierpickkönig 1992 und ein Jahr später als Mitwirkender in der Theatergruppe des Lambrechter Verkehrsvereins. Gerald Lehmann engagierte ihn für die Aufführung des „Felsenkönig“. Michmé steht damit seit einem Vierteljahrhundert in seiner Freizeit auf der Bühne neben seinem eigentlichen Beruf als Optiker bei „Auge und Optik“ in Ludwigshafen. Sein schauspielerisches Talent entdeckte der Intendant vom Boulevardtheater Deidesheim, Hans-Dieter Willisch, auf Empfehlung des Theater-Werbemanns Ralf Mond. Willisch holte ihn 2005 in die Aufführung „Der eingebildete Kranke“. „Willisch war mein Mentor und Schauspielvater“, sagt der jetzt 51-jährige Michmé. Willisch hat Gregor Michmés Schauspielerei so geprägt, dass er noch heute den Satz als Advokat „Fünf Minuten vor der Zeit ist des guten Anwalts Pünktlichkeit“ aus dem Stegreif rezitiert. Übrigens: Aktuell spielt Michmé im Boulevard-Theater in „Ein Käfig voller Deppen“ und wieder in „Die Leich im Rhoi“. Aber auch bei den Geißbock-Festspielen 2002 im Beerental hat Michmé als „Hochzeiter Jakob“ und 2008 bei der Aufführung auf dem Parkplatz in der Wiesenstraße als Krieg mitgewirkt. Die Kostüme für die Aufführung am Heimatabend sind von Ute Hinrichs und ihrem Team angepasst worden. Die Proben sind in vollem Gange. Und dann bleibt nur noch die Wanderung durch den Wald nach Deidesheim, wie der Bürgermeister von Lambrecht (in der Rolle Werner Seinsoth) sagt: „Un jetzt uff nooch Deißem.“ Allerdings erst, wenn Lambrechts Bürgermeister Karl-Günter Müller den 614. Tributbock dem jüngst vermählten Brautpaar anvertraut hat für die Versteigerung in Deidesheim am Dienstag nach der Pfingsten.