Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Umleitungen sind nichts Neues

Der Marktplatz war schon im Mittelalter der bedeutendste Platz in Neustadt. Der dortige Brunnen, ein Vorläufer des heutigen von
Der Marktplatz war schon im Mittelalter der bedeutendste Platz in Neustadt. Der dortige Brunnen, ein Vorläufer des heutigen von 1870, wird 1497 als »konigsbrunnen uff dem marck« in den Stadtrechnungen erwähnt.

Geld und Leben (7): Stadtviertel, Gassen, Plätze, Brunnen und Bäche – die Stadtrechnungen verraten sehr viel darüber, wie es im mittelalterlichen Neustadt ausgesehen hat – und auch, wie die Menschen seinerzeit mit Bauarbeiten in der Stadt umgegangen sind. Manche Rituale wie etwa das Marktkreuz-Aufstellen wirken aber befremdlich.

Das spätmittelalterliche Neustadt umfasste sechs Stadtviertel, von denen aber seltsamerweise nur zwei in den im Stadtarchiv erhaltenen Stadtrechnungen erscheinen. Das Stadtgasserviertel („statgesservirtel“) in der Vorstadt wird genannt, das ebenfalls in der Vorstadt gelegene Kirschgartenviertel nur indirekt erwähnt, als seine Bewohner („kerßgerter“) an Pfingsten 1411 für ihre Arbeiten zum Wegebau belohnt wurden.

Die Klein-Ägypten genannte, südlich des Hambacher Tors gelegene Vorstadt hat dagegen öfter Eingang in die Rechnungen gefunden. 1497 war dort Meister Cristman, ein Pflasterer aus Speyer, zusammen mit den Wegemachern tätig. Cristman Weber aus Edenkoben besaß in dieser Vorstadt ein Haus, für das er ab 1516/17 einen Zins an die Stadt leistete.

Wallgasse kommt mehrmals vor

Die Stadtgasse, deren Verlauf dem der heutigen Rathausstraße entsprach, und die Wallgasse („walckgasse“) werden einige Male in den Stadtrechnungen genannt. Dagegen bleibt es für Badstubengasse, Holgasse, Kesselringgasse, Metzgergasse, Mittelgasse, Pfaffengasse und die alte Straße, wohinter sich die heutige Sauter- und Villenstraße verbirgt, bei ein- oder zweimaliger Erwähnung. An der alten Straße etwa befand sich eine vorgeschobene Wehranlage, eine so genannte Landwehr.

Die Kesselringgasse, die heutige Landschreibereistraße, wurde 1495 ausgebaut. Die Kosten für diese Maßnahme wurden zwar auf die Anwohner („nachbuwer“) umgelegt. Es blieb jedoch ganz ähnlich wie bis heute bei „Stadtsanierungen“ ein Restbetrag, den die Kommune aufbringen musste („hat man mussen nachreychen in der Kesselringgassen zu dem das uff die nachbuwer gelegt war“).

Frei für Fußgänger und Reiter

Auch Behinderungen durch öffentliche Bauarbeiten scheinen nichts grundsätzlich Neues: Im Jahr 1424 war die Straße beim Steinhaus über dem Kalkbrunnen wegen Bauarbeiten anscheinend vorübergehend nur für Fußgänger und Reiter zu passieren. Am Haßlocher Weg, wohl im Bereich der Straßenkreuzung beim heutigen Rosengarten, wurden Karren und Wagen deshalb in den Winzinger Weg umgeleitet. Diese Aufgabe war dem Sohn des Bürgers Weller übertragen worden („Wellers sone daz er I dag hute an dem Haselacher wege und die wagen und kerche weyse unden den Winczinger weg in“).

Von den Plätzen der Stadt war der Marktplatz der größte und bedeutendste. Hier direkt beim Markttor stand auch eine Laube, eine gedeckte Halle. Zu den beiden Jahrmärkten am Johannistag (24. Juni) und am Ägidientag (1. September) wurde auf dem Platz das Marktkreuz als Wahrzeichen für den Marktfrieden errichtet, durch den Handel und Wandel am Jahrmarkt geschützt wurden. An dem Kreuz war die Nachbildung eines Schwerts („daz krucz mit dem swert“) angebracht. Es war dies das Rechtssymbol zur Verkündigung des Marktfriedens. In den Stadtrechnungen sind immer wieder die Ausgaben der Stadt für die Aufstellung und den Abbau dieses Marktkreuzes verbucht. Im Jahr 1473 etwa waren die Stadtknechte mit dieser Arbeit betraut („den statknechten das sie das crucz off und abe habent gethan zu sant Johans und sant Gilgentag“).

Öffentliche Brunnen zur Wasserversorgung

Vorrangig zur Sicherung der Wasserversorgung in der Stadt dienten die öffentlichen Brunnen. In den Stadtrechnungen werden neben dem Marktbrunnen und dem Brunnen am Kohlplatz auch der Kalkbrunnen und der „gartborn“ genannt. Während die Lage des heute noch als Rittergartenbrunnen existierenden Kalkbrunnens bekannt ist, lässt sich nur vermuten, dass der Garteborn im Bereich der heutigen Gartenstraße zu verorten ist. Die ungefähre Lage des Pfennelbrunnens kann von seinem Namen her bestimmt werden. Er befand sich höchstwahrscheinlich im Bereich der Pfennelgasse, die vom Neuen Turm an der Nordostecke der Stadtmauer in Richtung Spitalbach führte.

Auch die Vorstadt Klein-Ägypten verfügte über einen Brunnen. Im Jahr 1518 haben ihn die Anwohner gereinigt („gefegt“). Möglicherweise ist er identisch mit dem Ziehbrunnen, der sich vor dem Hambacher Tor befand. Der Rathausbrunnen war auch solch ein Ziehbrunnen. Für ihn wurden in den Jahren 1502 und 1518 neue Ketten beschafft. Die Ausstattung mit Ketten deutete seine herausgehobene Bedeutung an. Üblicherweise kamen nämlich Seile zum Einsatz. Mit Ketten wurden nur wenige Brunnen in Neustadt ausgerüstet. Sie waren zwar haltbarer als die Seile, dafür aber auch wesentlich teurer. Neben der Sicherung einer ausreichenden Trinkwasserversorgung und der Bereitstellung von Löschwasser erlangten die Brunnen im Lauf der Zeit auch einige Bedeutung für das Bedürfnis nach städtischer Repräsentation. Das lässt sich beim Marktbrunnen („konigsbrunnen uff dem marck“) feststellen, um den herum im Jahr 1497 Plaster verlegt wurde.

Wasserläufe zum Abfallabtransport

Der durch Neustadt fließende Speyerbach wird in den Stadtrechnungen immer wieder als „die bach“ bezeichnet. Der Klosebach, dessen Eisdecke im Winter 1413/14 aufgebrochen werden musste, war sicher der Verlauf des Speyerbachs im Bereich des Klausentors. Kleinere Wasserläufe („bechel“) werden zum Beispiel genannt bei Remps Haus, beim Haus des Schlossers Buwer und beim Haus des Bäckers Knorig. An dem Bächlein in der Metzgergasse wurde im Jahr 1519 gearbeitet. Dabei wurden 25 Quadersteine, 45 Karren mit Steinen und neun Wagenladungen Steine verarbeitet. Drei Steinmetze waren dafür fünf Tage im Einsatz. Das Bächlein in der Lauergasse („lauwerbechel“) diente sicher dem Abtransport der Abfälle, die bei der Arbeit der Gerber anfielen. Der Verlauf des Lauerbächleins lässt sich heute aber leider nicht mehr feststellen.

x