Neustadt Um drei Uhr aus den Federn
«DEIDESHEIM.» Manchmal, wenn Gabi Burkhardt am frühen Morgen die Türen des Bistro-Cafés Dieden’s aufschließt, hat der letzte Gast erst zwei oder drei Stunden zuvor das Lokal verlassen. Damit sich die nächsten Gäste wieder wohlfühlen, dafür beginnt Burkhardt schon um 5.15 Uhr mit der Reinigung der Räume.
Punkt drei Uhr beginnt für Gabi Burkhardt der Tag. Egal ob an Werktagen oder am Wochenende. Die 57-Jährige macht sich dann kurz vor 4.30 Uhr auf den Weg zum Hauptbahnhof in Neustadt, um mit dem ersten Zug um 4.55 Uhr nach Deidesheim zu fahren. Kaum hat sie im Bistro die Tür geöffnet, sorgt sie für frische Luft in den Räumen, die Fenster werden geöffnet. Kein Ton dringt herein, auf der Straße ist Totenstille. Es ist weit und breit niemand zu sehen. Drinnen ist Burkhard fleißig. Nach der Devise „von unten nach oben putzen“ reinigt sie erst mal die Toiletten im Untergeschoss. Danach ist die Spülmaschine dran: einräumen, wenige Minuten später wieder ausräumen. Das geht noch ein paar Mal so, denn das Geschirr vom Vorabend muss gespült und wieder eingeräumt werden. Gegen 6 Uhr stehen ihr die ersten Schweißperlen auf der Stirn. Zeit für eine kleine Pause im Außenbereich. Der erste Radfahrer rauscht an ihr in Richtung Bäcker am Stadtplatz vorbei. Ansonsten ist es immer noch still. Gabi Burkhardt geht zurück in die Küche. Die Böden werden nass gewischt. Davor hat sie alle Aschenbecher geleert und gereinigt sowie die Mülleimer ausgekippt. Auch das komplette Leergut aus dem Schankraum hat sie in das Getränkelager zurückgebracht. Burkhardt hat ein Faible für Ordnung, das ihr bei ihrer Tätigkeit gerade recht kommt. „Wer arbeiten will, der weiß, was zu tun ist“, sagt die gelernte Fleischereifachverkäuferin. „Für mich wäre das Schlimmste, wenn ich vom Staat abhängig wäre. Ich will mein Geld selbst verdienen“, so Burkhardt. In ihren gelernten Beruf will sie nicht mehr zurück. „Das geht mir zu sehr auf die Gesundheit, auf meine Wirbelsäule“, sagt sie. Sie wischt die Böden in der Küche, auch jede Ecke im Gastraum, und stellt nach wenigen Minuten wieder die Stühle zu den Tischen. Es ist 6.45 Uhr. Weitere Radfahrer passieren die Bahnhofstraße und rufen ihr „Guten Morgen“ zu. Burkhardt nimmt die Worte kaum wahr, ist ständig in Bewegung. Nachdem die Kaffeemaschine überprüft ist, gönnt sie sich mal ein Glas Mineralwasser. Dass sie so früh am Morgen als Reinigungskraft tätig ist, stört Burkhardt wenig. „Ich habe mir diese Arbeit selbst gesucht, denn ich bin es gewohnt zu arbeiten, wenn andere noch schlafen“, erzählt die Ostdeutsche, die mit ihrem damaligen Mann und ihren beiden Kindern 1994 zunächst nach Mannheim kam und nach der Trennung nach Neustadt zog. Dabei nimmt sie sogar eine Doppelbelastung auf sich. Nach ihrer Reinigung im Dieden’s beginnt für sie die zweite Halbzeit ihres Arbeitstages. Punkt 7.33 Uhr schließt sie die Türen. Davor wechselt sie noch die Bluse und macht sich auf dem Weg in das Gästehaus „Ritter von Böhl“, um dort die Gästezimmer zu reinigen. Da hat sie bis 14 Uhr zu tun. „Wenn ich im Dieden’s nicht fertig werde, dann gehe ich danach nochmals auf dem Weg zum Bahnhof vorbei“, sagt Burkhardt. Man spürt: Die 57-Jährige liebt die Arbeit. „Solange meine Gesundheit es zulässt, denke ich auch nicht an das Aufhören.“ Spätestens um 16.30 Uhr will sie zu Hause sein. Um 21 Uhr beginnt für sie die Nachtruhe. Und die endet wieder um drei Uhr. Dann, wenn andere noch im Bett liegen ...