Neustadt
Ultimativer Ostertipp: Dem Pfälzer Gefühl auf der Spur
Jener Tag im Mai 2013 ist für das damalige Team der RHEINPFALZ-Landesredaktion, auch Südwest-Ressort genannt, unvergesslich. Ressortleiter Rolf Schlicher telefonierte mit dem Kaiserslauterer Vogelexperten Wolfgang Helb. Eine gute halbe Stunde lang machte er dabei auch jene Vogelstimmen aus voller Kehle nach, die ihm Helb am anderen Ende der Leitung ins Ohr zwitscherte. Derweil versuchte sein Team in den Nachbarzimmern, die Contenance zu bewahren, was ein hartes Stück Arbeit war.
Am Ende indes stand „Der Pfälzer Vogelwecker“, eine Grafik, die aufzeigt, welche Vogelart ab dem Frühling um wie viel Uhr mit dem Gesang beginnt. Sie illustrierte den Text „Putzmuntere Piepmätze“, der auf viel Resonanz bei der Pfälzer Leserschaft stieß. Das Thema ist ein gutes Beispiel für das, was den Journalisten Schlicher auszeichnet: Ist er einem guten Thema auf der Spur, beißt er sich daran fest, recherchiert es bis aufs Letzte und bereitet alles so auf, dass der Leser es nicht nur versteht, sondern Spaß daran hat.
Lesebuch für alle
Seit einem Jahr im Ruhestand, hat der 67-Jährige auf diese bewährte Art ein neues Projekt umgesetzt, dessen Wurzeln bis weit in seine Zeit als Ressortleiter zurückreichen. „Potzblitz – Die Pfalz!“ heißt sein Buch, das seit 26. März zu haben ist. Eine Lesebuch, in dem auch die versiertesten Pfälzer noch etwas Neues entdecken können.
Wovon das Buch ebenso profitiert: Rolf Schlicher ist ein Universalpfälzer. In Kaiserslautern geboren und die ersten acht Jahre aufgewachsen, dann in Edenkoben zuhause und nun seit Jahrzehnten in Neustadt. Beruflich kennt er Pirmasens und Ludwigshafen sehr gut. Den Rest der Pfalz hat er sich im Lauf der Zeit erwandert und erradelt, privat, aber auch für sein Südwest-Ressort. Eine besondere Beziehung pflegt er zum Pfälzerwald und zum Pfälzerwald-Verein. Für dessen Hambacher Ortsgruppe hat er regelmäßig Hüttendienst auf der Hohen Loog, ist also auch dabei ein Mann der Praxis.
Was das Auge sieht
Dass ein Max-Slevogt-Zitat die erste Seite von „Potzblitz – Die Pfalz!“ ziert, ist angesichts all dieser Kriterien natürlich kein Zufall. „Das Auge sieht, was es sucht, und was es nicht versteht, sieht es nicht“, wird der berühmte Pfälzer Maler wiedergegeben. Die Augen von Rolf Schlicher waren und sind immer auf der Suche: Sei es nach den besten Echo-Möglichkeiten in der Pfalz, nach Hinkelstein-Zeugnissen oder der Geschichte des Auerhahns, die indes ein wirklich trauriges Ende nimmt. Damit auch Einheimische und Gäste das sehen können, was er sieht, erklärt er es in „Potzblitz – Die Pfalz“, garniert mit Häppchen, die ebenso staunen lassen.
Nicht umsonst wird das Buch also als „Pfälzer Überraschungsführer“ bezeichnet – ergänzt durch viele Fotos der Neustadterin Gabi Himmer. Es könnte auch Anlass für so manchen Vorderpfälzer sein, dann doch mal die Haardt zu überwinden und gen Westen zu ziehen, obwohl der 1. FC Kaiserslautern kein Heimspiel hat. Zum Beispiel auch, um dem Wochenend-Ansturm aus der Metropolregion zu entkommen. Für Schlicher ist die ganze Pfalz reizvoll – vorausgesetzt, das Auge kann richtig sehen.
Herzklopfen hoch drei
Seine Lust am Erzählen wird unter anderem bei jener Potzblitz-Geschichte deutlich, die die Herzen eines jeden Hambachers und vieler weiterer Neustadter höher schlagen lässt. Darin dreht sich alles um das älteste Karussell der Pfalz, das traditionell während der Hambacher Jakobuskerwe Ende Juli aufgeschlagen wird. Diese Reitschule ist bekannt, aber wer kennt schon die Geschichte, die dahinter steht?
Wie bei jeder der 15 Potzblitz-Geschichten wird das Hauptthema eingebettet: in einen Tourentipp, einen Gastrotipp und in eine Kolumne mit dem Titel „Sapperlot“. Logisch, dass diese drei Ergänzungen im Fall der Hambacher Reitschule irgendetwas mit dem Drehmoment zu tun haben müssen. Wobei es ebenso außer Frage steht, dass die Pfälzer immer den richtigen Dreh heraushaben. Ob rechts rum oder links rum, ist da schnurzpiepegal.
Info
Rolf Schlicher, „Potzblitz – Die Pfalz“, 208 Seiten, ISBN: 978-3-946777-22-9, Pilgerverlag, Speyer, 18,95 Euro
Tourtipp: Was „därmlich“ macht
Wie Bad Dürkheim, Forst und Pleisweiler die historische Hambacher Reitschule bestens ergänzen:
Wer über die Kar- und Ostertage vor der Haustür etwas unternehmen und dabei ähnlich wie auf einem Karussell so richtig in Schwung kommen will, ist auf dem Klosterrundwanderweg bei Bad Dürkheim-Seebach bestens aufgehoben.
Der Tourtipp von Rolf Schlicher startet am Zeppelinturm auf dem Ebersberg bei Bad Dürkheim. Hoch auf die Aussichtsplattform mit Pfälzerwald-Fernblick führt eine 80 Meter lange Spirale: „Drei schöne, selbst gedrehte Karussellrunden“, beschreibt es der Autor und erklärt so, warum der Ausguck im Volksmund „Schneckennudel“ heißt.
Besagte „Schneckennudel“ liegt auf dem etwa neun Kilometer langen Klosterrundwanderweg, der 2021 als Prädikatswanderweg zertifiziert wurde.
Weitere Höhepunkte entlang der Strecke sind die Klosterkirche Seebach und der Flaggenturm mit Weinbergterrassen-Panorama, der wiederum von den Einheimischen „Kaffeemühlchen“ genannt wird. Der Weg wird als leicht eingestuft, im Schnitt etwa zweieinhalb Stunden sollte man dafür veranschlagen. Mehr Infos gibt es im Internet unter www.bad-duerkheim.de und dort wiederum unter Wanderwege.
Essen im Schockelgaul
Wer sich außerdem kulinarisch etwas Gutes tun will, kann ebenso an die Geschichte über das berühmte Hambacher Karussell anknüpfen. Denn der passende Gastrotipp in „Potzblitz – Die Pfalz“ setzt auf den Namen „Schockelgaul“, und darunter firmieren gleich zwei Restaurants in der Pfalz, wenn auch in unterschiedlicher Schreibweise: das Restaurant „Schoggelgaul“ im südpfälzischen Pleisweiler, beheimatet in einem mehr als 200 Jahre alten Küferhaus, und das Lokal „Zum Schockelgaul“ im nahen Forst, das unter anderem für sein Cordon Bleu berühmt sein soll.