Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel U18-Titel: Haßlocher Lars Urich siegt im Stabhochsprung-Poker

Lars Urich Jubelt noch in der Luft, nachdem er mit dem ersten Versuch 4,85 Meter überquert hat.
Lars Urich Jubelt noch in der Luft, nachdem er mit dem ersten Versuch 4,85 Meter überquert hat.

Seit drei Jahren trainiert Lars Urich vom LC Stabhochsprung. Jetzt hat sich der 16-Jährige bei den deutschen Jugendmeisterschaften den U18-Titel gesichert. Dabei wollte er eigentlich an einem anderen Ort zum Stab greifen.

Acht Versuche haben bei Lars Urich ausgereicht, um mit einem Höhenflug in den Himmel zu fliegen. Der 16-jährige Stabhochspringer des LC Haßloch holte am Freitag bei den deutschen Jugendmeisterschaften der U20 und U18 in Rostock den Titel mit neuer Bestleistung von 4,85 Metern. Damit überbot er seine bisherige Bestmarke gleich um 15 Zentimeter. „Ich hatte einfach Bock auf den Wettkampf“, beschreibt er seine Gefühle vor dem Start. Er war bereits am Donnerstag mit seinen Eltern und seiner Schwester an die Hansestadt an der Ostsee gereist.

Dreizehn Teilnehmer waren am Start, wobei Urich seine Qualifikation für die nationalen Meisterschaften vor ein paar Wochen noch mit gemischten Gefühlen betrachtet hatte. Denn eigentlich hatte er einen internationalen Start in Maribor im Blick. Doch die Norm für das „European Youth Olympic Festival“ in Maribor hatte er knapp verfehlt.

Poker zum Start

In Rostock pokerte er. Er stieg erst bei 4,30 Meter ein, ließ 4,40 Meter aus, sprang dann erneut im ersten Versuch über 4,50 Meter. Denn bei Höhengleichheit am Ende des Wettbewerbs, wenn mehrere Athleten die gleiche Höhe bewältigten, entscheidet die Zahl der Versuche. Bei 4,60 Meter gab es bei Urich einen kleinen Rückschlag, er sprang nicht ab und lief einfach durch. Das wurde als sein erster Fehlversuch gewertet. Doch statt nochmals bei dieser Höhe anzutreten, ging er erst wieder bei 4,70 Meter an die Sprunganlage. „Ich wusste, die ersten Höhen waren flüssig, mein Absprung war schön, ich wusste, da gehen dann die 4,70 Meter.“

Bestärkt wurde er dabei von seinem Trainer Alexander Gakstätter aus der Zweibrücker Stabhochsprung-Kaderschmiede. Dort trainiert er zweimal in der Woche, den Rest der Woche arbeitet Urich die mitgegebenen Trainingspläne in Haßloch ab. Dabei wird er beim LCH unterstützt von Gerd und Astrid Berlin. Weil Stabhochspringer im Grunde beste turnerische Fähigkeiten besitzen müssen, steht in der heimischen Wohnung sogar ein Reck. Tatsächlich war Urich vor seiner Leichtathletik-Laufbahn sogar einige Jahre im Turntraining in Schifferstadt. „Aber nie auf dem Niveau, wie ich jetzt Stabhochsprung trainiere“, betont er. Bevor er sich auf den Stabhochsprung konzentrierte, war Urich sogar zweigleisig unterwegs und brachte als Dreispringer gute Weiten in die Sandgrube. Doch diese Disziplin sei zu belastend für seinen Rücken gewesen, erzählt er.

Seit Jahren mit Stab

Also konzentriert er sich seit drei Jahren auf den Stab. Stabhochspringen ist eine der anspruchsvollsten technischen Disziplinen der Leichtathletik. Zu Hause arbeitet er also am „Wolkenschieber“ oder trainiert die Bauchmuskeln am Reck, hinzu kommen Akrobatik, Sprinteinheiten auf der Bahn und Krafttraining. Beim „Wolkenschieber“ geht es akrobatisch um Körperspannung und Stabilisation, damit wird das Aufrollen am Stab simuliert. Mit gestreckten Armen hängt der Sportler an der Stange, die Beine sind gestreckt nach oben. Die Hüfte ist zunächst soweit unten, dass die Füße die Stange berühren. Dann muss der Athlet die Füße nach oben und die Hüfte zur Stange schieben.

Daneben gibt es Sprintübungen und Krafttraining. Nur so kommt ein Stabhochspringer zu einem druckvollen Anlauf, fast federleichten Absprung und laut Urich „kommt der Rest automatisch“. Damit meint er dann „das Turnen oben an der Latte mit dem Stab“. In Rostock wurde es schließlich spannend und er musste sich auf seine eigenen Fähigkeiten verlassen. „Ich bin auf mich fokussiert, nur das kann ich beeinflussen. Ich kann keinen Einfluss darauf nehmen, was die Gegner machen“, erklärt er.

Regen verhindert mehr

Nachdem Urich 4,80 Meter mit einem härteren Stab im zweiten Versuch bewältigt hatte, war noch ein Gegner im Wettkampf. Bei 4,85 Metern aber riss sein Konkurrent Luca Brill (Leverkusen) dreimal. Und für Urich war der Kopf frei für eine neue Bestleistung, 15 Zentimeter gegenüber seiner vorigen Besthöhe. Ist nur noch ein Springer im Wettbewerb, dann ist der Weg auch frei für ein „Wunschkonzert“. Der Springer darf sich die nächste Höhe selbst aussuchen. Urich ließ 4,96 Meter auflegen. Diese Höhe wäre dann Platz eins in der Jahresbestenliste der U18 geworden. Doch weil es zu sehr regnete, verzichtete Urich auf den Versuch. „Aber die 4,96 Meter und natürlich die fünf Meter sind jetzt mein nächstes Ziel“, betont er. Zwar gibt es in seiner Altersklasse in den nächsten Wochen in der aktuellen Freiluftsaison keine internationalen Wettkämpfe, aber er wird sich den Wettkampfkalender anschauen und vielleicht noch ein paar Veranstaltungen besuchen, um seine Traummarke zu knacken. Denn er weiß: „Ich kann noch einiges verbessern. Momentan mache ich nur zwölf Schritte Anlauf, 14 Schritte und ein schnellerer Anlauf bringen mehr Energie in den Absprung.“

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