Neustadt
Turmfalken-Nest in Diedesfeld: Familie Hofmeister beobachtet Brut
„Ich zog mir einen Falken, länger als ein Jahr lang“: So begann der im 12. Jahrhundert lebende Minnesänger Der von Kürenberg sein „Falkenlied“ – Dorothea Hofmeister und Koos van de Linde haben es da einfacher: An ihrem Haus in Diedesfeld ziehen seit drei Jahren Turmfalken ihre Brut selber auf.
„Wir haben ein altes, dreistöckiges Haus mit kleinen Fenstern nach Süden. Das Giebelfenster haben wir für die Turmfalken reserviert“, erklärt Dorothea Hofmeister. Dafür wurde eigens eine Holzkiste, die in etwa das gleiche Format wie das Fenster hat und normalerweise für das Aufbewahren von Brennholz verwendet wird, in der Fensteröffnung installiert und zusätzlich noch ein Ast als Ansitzmöglichkeit für die Vögel mit eingebaut.
Alle Jungtiere sind flügge geworden
„Die Falken haben es sofort angenommen“, sagt Hofmeister. Mittels einer Kamera konnten im Jahr 2023 sechs Eier im Nest gezählt werden, aus denen fünf Junge schlüpften. 2024 waren es vier und 2025 fünf Eier. Aus ihnen seien alle Jungtiere flügge geworden, berichtet die Diedesfelderin erfreut. Auch nachdem die älteren Jungvögel das Stadium als Nestlinge verlassen hätten und als Ästlinge auf dem Ast vor dem Nest saßen, seien die jüngeren Nesthäkchen weiter gefüttert und damit ebenfalls groß geworden, konnte die Familie beobachten.
Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist die häufigste Falkenart hierzulande. Er gilt als Kulturfolger, der sich eng dem Menschen angeschlossen hat. Er nistet gerne in Kirchtürmen, an Kraftwerken, Strommasten, Hochhäusern und Fenstervorsprüngen. Falken, die hoch über Äckern, Feldern, Straßen und Wegen lange rüttelnd in der Luft stehen, sind immer Turmfalken. Daneben gibt es noch den weithin bekannten, aber weitaus selteneren Wanderfalken (Falco peregrinus) und den Baumfalken (Falco subbuteo), den viele nicht kennen.
Neueste wissenschaftliche Untersuchung mit Überraschung
Vom Nordosten Sibiriens über China, Korea, Indien, die Arabische Halbinsel, Russland, Europa bis hin zu den vor Afrika liegenden Kapverden und den Savannen südlich der Sahara: Der Turmfalke ist mit zwölf Unterarten in Europa, Asien und Afrika vertreten. Gerne wird die Familie der Falkenartigen zu den Greifvögeln gezählt. Wie jüngste wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, sind sie jedoch näher mit Papageien und Singvögeln verwandt als mit anderen Familien der Greifvögel.
Natürliche Nistplätze sind für den Turmfalken Felshöhlen und -nischen. In Städten und Gemeinden nimmt er sehr gerne künstlich geschaffene Nistplätze an. Der Fachhandel offeriert hierzu fertige Turmfalken-Nisthöhlen aus wetterfestem Holzbeton mit Ansitzkrücken aus Holz. Auf den Seiten der Naturschutzverbände sind im Internet aber auch Bauanleitungen für solche Nisthöhlen, die ab etwa fünf Meter Höhe angebracht werden können, zu finden.
„Wir haben unsere Holzkiste zum Schutz vor Verschmutzung innen mit einem Einkaufskarton, der etwa das gleiche Format hat, versehen“, berichtet Dorothea Hofmeister. Je nach Temperament der Altvögel wurde dieser entweder in Ruhe gelassen oder von ihnen zerrupft, um als Nestmaterial zu dienen. Empfehlenswert für eine schnellere Annahme von Nisthöhlen ist Experten zufolge eine Einstreu aus gewaschenem feuchtem Sand, groben Säge- und Holzspänen.
Fehlende Beute ist für den kleinen Mäusejäger nicht der limitierende Faktor, was die Größe der Population betrifft. Turmfalken leiden vor allem unter Wohnungsnot. Wie Untersuchungen ergaben, können zusätzlich aufgehängte Nistmöglichkeiten die Anzahl an Turmfalken innerhalb kürzester Zeit in die Höhe schnellen lassen.
Der Grad der Verschmutzung durch die Vögel hält sich bei der Diedesfelder Familie in Grenzen. Unten auf dem Boden findet sich Gewölle, das mit Federn, Knöchelchen oder Chitinpanzern von Insekten aus unverdaulichen Bestandteilen der Beutetiere besteht. Eine einzige Einschränkung hat Dorothea Hofmeister feststellen können: Durch die Anwesenheit der Turmfalken sind die Singvögel in nächster Nähe etwas scheuer geworden.