Handball
TSG Haßloch bleibt in Dritter Liga
Punkt 21:16 Uhr war es so weit. Da gab es kein Halten mehr. Der Abpfiff war bereits erfolgt, aber die beiden Unparteiischen hatten mit den beiden Zeitnehmern noch Gesprächsbedarf, da Tusem Essen II einen Treffer für sich beanspruchte, der wohl erst nach dem Schlussgong gefallen war. Als die Schiedsrichter etwas später signalisierten, dass das Tor nicht anerkannt wird, erreichte die Stimmung der über 500 Zuschauer auf den Rängen den Höhepunkt. Die Fans hatten zuvor lautstark wie lange nicht mehr die Mannschaft unterstützt. Die Sehnsucht auf den Verbleib in der Dritten Liga war spürbar. Mit dem Ausgleich, den Jan Triebskorn per Siebenmeter herstellte, erreichte die TSG Haßloch ihr Ziel.
Die Spieler lagen sich in den Armen oder hüpften im Kreis. Aber nicht alle. Kapitän Kevin Seelos als auch Jan Triebskorn waren am Ende ihrer Kräfte. Trainer Andreas Reckenthaler standen die Tränen in den Augen. Er umarmte Co-Trainer Philipp Rogawski. Der sportliche Leiter Thomas Müller, der am Samstagabend während der Partie vor der Tribüne entlanglief und sich über die eine oder andere Entscheidung der Schiedsrichter ärgerte, hielt es nicht mehr auf seinem Platz. Auch er stürmte nach dem Abpfiff auf das Spielfeld.
Seelos nicht zu bremsen
Dagegen lagen einige Akteure der Gäste aus Essen nach deren verpassten Klassenerhalt regungslos auf dem Hallenboden. Luis Buschhaus heulte mutterseelenallein hinter der Bande. Die Gäste waren niedergeschlagen. Bei den Bären machte bereits das erste Kaltgetränk die Runde. Die TSG hat diesmal ein Wunder vollbracht. Noch in der 38. Minute lagen die Gastgeber noch mit sechs Toren (16:22) in Rückstand, aber die Bären und deren Anhänger ließen diesmal keine Zweifel aufkommen. Sie rackerten und fighteten, dazu setzte Trainer Reckenthäler (40.) auf die doppelte Manndeckung von Florian Kern und Dennis Gregori gegen Nils Hohnscheid und Mathis Stumpf. Das brachte mit fortlaufender Spielzeit die Gäste aus dem Rhythmus, dazu entschärfte Marco Bitz zwischen dem Pfosten der TSG ein halbes Dutzend Bälle.
Auch war in der zweiten Spielhälfte Kevin Seelos nicht zu bremsen. Der Kapitän rackerte und fand die Lücken, um zum gegnerischen Tor vorzustoßen. „Für uns ging es um das Überleben, wir hatten nur heute die Chance, das zu schaffen“, sagte der Kapitän. Mit neun Toren bewies er seine Klasse und ging voran. Die TSG kam immer mehr heran. Nach dem Anschlusstreffer von Jan Triebskorn zum 26:28 (53.) schien sich das Blatt zu wenden. Reckenthäler setzte auf volles Risiko, brachte für Elvijs Borodovskis erneut Triebskorn, der bereits mit zwei Zeitstrafen belastet war. Ein Wechsel mit Folgen. Zunächst warf Florian Kern nach einem Gegenstoß den Ball über das Tor, dann scheiterte Dennis Gregori an dem starken Essener Keeper Arne Fuchs. Aber dann war Triebskorn da. Der Linkshänder sorgte für den 28:28-Ausgleich. Die Halle tobte, aber Essen ging jeweils mit zwei folgenden Siebenmetern erneut in Führung. Aber der letzte Wurf vom Strich, sechs Sekunden vor dem Ende, gehörte den Bären. Diesen Ball nahm sich erneut Triebskorn. Er warf den Ball durch die Beine von Arne Fuchs. Der erneute Ausgleich. Mit den letzten fünf Toren des Abends sicherte Triebskorn der TSG den Ligaverbleib. „Ich wusste, es geht um Klassenerhalt oder nichts, trotzdem war mir klar, ich werfe den Ball durch die Beine. „Ich mag solche Situationen“, sagte Triebskorn.
So spielten sie
TSG Haßloch: Bitz (1), Schlingmann, Modzinski - Seelos (9), Triebskorn (5), Borodovskis (6/2) - Kern (5), Gregori (1) - Messerschmidt (2) - Julius Herbert, Götz, Treiber, Hannes (1), Zech (n. E.), Surblys (n. E.).
Tusem Essen II: Fuchs, Solbach-Domingo - Buschhaus (4), Honscheid (13/8), Fabian Neher (2) - Frederic Neher, Reidegeld (7) - Schmidt (1) - Weisz (1), Telohe (1), Daamen, Engels (1), Sayin, Stumpf.
Spielfilm: 3:3 (6.), 4:8 (12.), 6:10 (14.), 9:11 (18.), 10:15 (23.), 13:17 (30. Halbzeit), 15:20 (35.), 16:22 (38.), 23:25 (47.), 26:28 (54.), 28:28 (58.) 30:30 (60, Ende). - Siebenmeter: 4/2 - 9/8 - Zeitstrafen: 8 - 12 Minuten - Beste Spieler: Triebskorn, Seelos - Buschhaus, Homscheid, Fuchs - Zuschauer: 500 - Schiedsrichter: Jaros/Thrun (Lauterstein/Walterstetten).
Zitate
„Trotz einer guten Trainingswoche haben wir in der ersten Hälfte nicht den Zugriff gefunden. Ich bin heute den Jungs dankbar, dass sie Philipp und mir in den letzten fünf Monaten das Vertrauen geschenkt haben.“ Trainer Andreas Reckenthäler
„Essen war heute jung und wild. Wir brauchen offensichtlich etwas länger, um solch ein Ergebnis zu erreichen. Man muss aber ehrlich sein, Essen hatte heute stark gespielt und hätte es auch verdient, in der Dritten Liga zu bleiben.“ TSG-Torhüter Marco Bitz
„Die Vier-Zwei-Deckung war heute unsere einzige Chance, um nach diesem hohen Rückstand noch den Klassenerhalt zu schaffen. Das war nicht anders als damals gegen Füchse Berlin II. Jetzt sind wir erstmals erleichtert, dass wir es geschafft haben.“ Thomas Müller, sportlicher Leiter
„Die Umstellung in der Deckung war der richtige Schritt, nachdem wir in der Abwehr nicht aggressiv genug standen und auch im Angriff viel zu schnell denn Abschluss gesucht hatten. Die letzten 10, 15 Minuten, das war einfach nur Wille, Wille. Es war kein gutes Spiel, umso glücklicher sind wir, dass wir es noch geschafft haben.“ TSG-Spieler Jan Triebskorn