Neustadt Tschüss für 50 Tonnen Schienenschrott
„Ab kommenden Montagmorgen werden die Züge wieder wie gewohnt verkehren“, berichtet der Leitende Bauüberwacher Thomas Drotleff. Er räumt allerdings ein, dass die Loks noch mit etwas reduziertem Tempo verkehren müssen. Vier Tage fahren die Züge nur mit 90 Stundenkilometern, erst dann rollen sie wieder mit den vollen 120 Sachen. Der Grund: Statt Schotter haben die Arbeiter eine Planumsschutzschicht aufgebracht, die sich noch leicht setzen muss, um sicher zu sein. Die Schienen sind bereits verlegt. Eine Stopfmaschine hebt diese abschließend um maximal vier Zentimeter an, damit die Schutzschicht verdichtet und die Schienen in ihre endgültige Position gebracht werden können. Gerade am Gleis 2 musste viel gebaut werden. Dabei nahm die Suche nach eventuell noch im Boden lagernden Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg viel Zeit in Anspruch. Denn am 5. Januar 1945 traf eine Fliegerbombe einen Militärzug mit Munition und Treibstoff, der im Edenkobener Bahnhof stand. Deshalb gingen die Verantwortlichen davon aus, dass vielleicht noch Restbestände im Boden schlummern. 280 Verdachtspunkte ergaben sich mittels Geo-Radar – einer Untersuchung über elektromagnetische Wellen. „Natürlich sind dann keine 280 Bomben im Erdreich, aber wir müssen jedem Verdachtsmoment nachgehen“, erklärt Drotleff. Überwiegend handelte es sich um Metallteile, die einfach entsorgt werden konnten. Trotzdem war eine Kampfmittelräumfirma baubegleitend vor Ort, auch wenn keine Kampfmittel aufgespürt wurden. Die Arbeiter bauten die nicht mehr benötigten Gleise fünf und sechs zurück und verlegten neue Gleise auf einer Länge von 760 Metern. 50 Tonnen Schienenschrott fielen dabei an, über deren Erwerb sich Händler freuen konnten. Die bisherigen Schienen stammten noch aus der Mitte der 1950er-Jahre. Verlegt wurden jetzt 120 Meter lange Schienenstücke, die wegen ihres Gewichtes nur von Spezialmaschinen auf den Schwellen platziert werden konnten. Ein Gleisstück wiegt fast 6,5 Tonnen. Auf Teilen der Strecke waren noch Schwellen aus Holz verlegt, die nun durch Betonteile ersetzt wurden. Probleme bereiteten in Edenkoben die immer wieder durch eindringendes Wasser entstehenden Schlammstellen. Des Öfteren verdichteten Arbeiter bereits den Schotter. Mit einer neuen Tiefenentwässerung auf 720 Metern, bei der 15 Schächte eingebaut wurden und das Wasser mithilfe der kaum wasserdurchlässigen Planumschutzschicht nach unten abgeleitet wird, soll das Schlammproblem der Vergangenheit angehören. Für die Verlegung neuer Schwellen und Gleise, die Kompletterneuerung des Schotter- und Untergrundmaterials im Bereich Edenkoben, die Asphaltierung und Instandsetzung eines Bahnübergangs zwischen Knöringen und Edesheim und die Ausbringung von Schotter muss die Deutsche Bahn tief in die Tasche greifen. Die Baukosten belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro. Hinzukommen Schleifarbeiten an den Gleisen auf der kompletten Strecke zwischen Landau und Neustadt. Zwei Wochen waren bis zu 30 Arbeiter rund um die Uhr im Schichtbetrieb beschäftigt. Für die Gleisarbeiten zeichnete die österreichische Firma Strabag verantwortlich. Auch die Schleifarbeiten lagen bei der Firma Austria Rail in österreichischer Hand. Auch wenn Reisende ab Montag wieder fahren können, werden die Arbeiten an und abseits der Gleise in den kommenden Tagen fortgeführt. Um die Sicherheit der Arbeiter zu gewährleisten, werde mit einer „entsprechende Einsatzplanung“ gearbeitet, versichert Thomas Drotleff.