Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel Traum von der Ersten Liga für den SC Neustadt geplatzt

Egal wie erfolgreich der SC Neustadt (hier Konstantinos Sopiadis) spielt – nach der Ligenreform wird es nahezu unmöglich für ihn
Egal wie erfolgreich der SC Neustadt (hier Konstantinos Sopiadis) spielt – nach der Ligenreform wird es nahezu unmöglich für ihn sein, in die Erste Liga zu kommen.

Der Schwimmverband hat seine Ligen reformiert. Für den SC Neustadt bedeutet die Veränderung eine Verschlechterung. Eine andere Neuerung lässt die Neustadter kalt.

Der Traum des SC Neustadt, in der kommenden Saison in der „echten“ Ersten Bundesliga, B-Gruppe, zu spielen, ist geplatzt, bevor es jetzt überhaupt zur Meisterschaft in der Zweiten Wasserball-Liga Süd und danach zu einem Aufstiegsturnier kommen könnte. Nach neuen Richtlinien kann der SCN „nur“ in die neue Zweite Bundesliga aufsteigen.

Der Deutsche Schwimmverband (DSV) hat für die Sportart Wasserball auf seiner Ländertagung in Saarbrücken eine grundlegende Reform seiner Ligen beschlossen. So gibt es künftig eine einteilige 1. Liga mit acht Mannschaften sowie eine einteilige 2. Bundesliga mit acht Mannschaften. Bisher war die Bundesliga in A- und B- Gruppe nach Leistungsstärke unterteilt. Außerdem werden Rundenspiele ab der kommenden Saison in vier Dritten Ligen (Ost, West, Süd und Nord) ausgetragen. SCN-Manager Michael Heinz: „Einige Verbände waren gegen diese Reform, auch wir als Südwestdeutscher Schwimmverband, aber die einfache Mehrheit hat sich durchgesetzt.“

Angeblich wichtig für die Nachhaltigkeit

Der DSV begründet auf seiner Homepage die Neuerung mit der Hoffnung, professionellere Strukturen und Standards sowie eine gesteigerte mediale Verbreitung und Vermarktbarkeit der 1. Bundesliga zu ermöglichen. So wird auf der Homepage DSV-Chef Jan Pommer mit den Worten zitiert: „Mit der neuen Struktur schaffen wir eine Grundlage für die nachhaltige Weiterentwicklung des deutschen Wasserballs.“

Die zweite Änderung betrifft die Nationalität der eingesetzten Spieler. Auf dem jeweiligen Spielberichtsbogen müssen in der nächsten Saison mindestens sieben Spieler einen deutschen Pass besitzen, im Jahr danach acht Spieler, ein Jahr später sogar neun. Michael Heinz: „Wir sind davon nicht betroffen. Zurzeit haben bei uns nur zwei Spieler keinen deutschen Pass.“

Positivliste ohne Relevanz

Mit der Positivliste möchte der DSV dafür sorgen, dass junge deutsche Spieler stärker gefördert werden. Die Positivquote ist einstimmig befürwortet worden. Für Verstöße gibt es ab der übernächsten Saison eine Ordnungsgebühr von 2000 Euro pro Partie und pro nicht spielberechtigten Spieler. Das Geld wird für die Nachwuchsarbeit eingesetzt.

Für den SCN hat also die Positivquote keine Relevanz. Er rekrutiert die meisten Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Aber der SCN bleibt trotz seiner Aufstiegshoffnungen im Fahrstuhl stecken, falls er als Südmeister das anschließende „Aufstiegsturnier“ erfolgreich bestreitet. Er würde dann nur „2. Bundesligist“.

„Patient Wasserball bleibt dennoch krank“

Heinz ist spürbar sauer, er sagt: „Was ich von der Ligareform halte? Nichts!“ Er sieht den deutschen Wasserball durchaus als kranken Patienten. Heinz: „Die Maßnahmen greifen viel zu kurz. Damit genest der Patient nicht. Es gibt keine Spitze ohne entsprechende Breite, und diese stirbt seit Jahren immer weiter ab.“

Er sieht das Problem in den kleineren Jahrgängen, den vielen konkurrierenden Freizeitangeboten, fehlenden Schwimmbädern, ständig geänderten Regeln und in weniger Menschen, die sich dauerhaft gesellschaftlich engagieren. Diese Gründe seien bisher noch nicht angegangen worden.

Statt der Reform sei eine komplette Neuausrichtung mit Konzepten für Nachwuchs-, Breiten- und Leistungssport nötig, sagt Heinz. Er fordert eine Überarbeitung der Ausbildung von Trainern und Protokollführern sowie weiteren Verantwortlichen. Außerdem wünscht er sich einen stärkeren Austausch zwischen großen und kleinen Vereinen, damit die Nachwuchsspieler zusätzliche Erfahrungen sammeln können, ähnlich wie zum Beispiel beim Handball. Er sieht keine rosige Zukunft durch die Änderung der Ligen. „Die kleinen Vereine bekommen nun noch weniger Sponsorengelder, denn die Sponsoren sind eher bereit, sich für obere Ligen zu engagieren. Die Sportart ist in Deutschland am Tropf, und langsam geht die Flüssigkeit aus.“

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