Neustadt Tradition pflegen, ohne Neues auszusperren
Mit einem Festakt hat der Männergesangverein Geinsheim am Freitag seinen 150. Geburtstag gefeiert. Mit dabei Oberbürgermeister Marc Weigel, der in Geinsheim die Grundschule besucht hatte. Ansprachen, Glückwünsche und Geschenke bestärkten die Gemeinschaft, auch künftig die Tradition zu pflegen, ohne sich dem Neuen zu verschließen.
Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer beschrieb den Festgästen die Zustände im Gründungsjahr 1868. Damals hätte man hier bei Kerzenschein gesessen, Musik hätten die Menschen zur Entspannung und Aufmunterung ausschließlich selbst gemacht: vokal und instrumental. Kein Radio morgens im Bad, im Auto zur Arbeit oder auf dem Rad per MP3-Player. Einen rasanten Verlauf habe die Vereinsentwicklung seit dem 125. Jubiläum im Jahr 1993 genommen: 1995 habe der Männerchor die „S(w)inging Storks“, einen gemischten Chor, unter seine Fittiche genommen. Sie pflegen das Liedgut aus verschiedenen Kulturkreisen und Sprachen. Seit 2016 trete der MGV unter dem Namen „Querbeet“ auf, was nach den Worten des Kulturdezernenten ein Signal für die Erweiterung des Repertoires ist. Nicht mehr nur klassische Themen gehörten dazu, sondern auch moderne Titel wie jene von Udo Jürgens oder den Toten Hosen. Musikalisch glänzten die „S(w)inging Storks“ unter Leitung von Stephanie Niklas mit dem für vierstimmigen Chor bearbeiteten Prelude zum Te Deum von Charpentier – auch bekannt als „Europa-Melodie“ – und einem Arrangement des Liedes „I did it my way“. Dem setzte der Männerchor „Querbeet“ ein italienisches Berglied entgegen, dessen Text nach den Worten seines ersten Vorsitzenden Lothar Kost viel Ähnlichkeit mit der Geschichte des MGV habe. Es handelt von einem jungen Menschen, der sein Tal verlässt, nach vielen Jahren heimkehrt und es zwar verändert, aber noch ebenso schön vorfindet. Schirmherrin des Jubiläumsjahres ist Julia Klöckner, CDU-Landesvorsitzende und Bundeslandwirtschaftsministerin. Per Video hatte sie ein Grußwort ins Sängerheim geschickt. Sie wünschte der Chorgemeinschaft, dass diese weiter das sakrale und weltliche Liedgut pflegt und dabei „immer den richtigen Ton trifft“. Hartmut Doppler, Präsident des Chorverbands Pfalz, plädierte für das Singen und die Verantwortung der Sänger für die Gemeinschaft. Er überreichte eine Urkunde des Deutschen Chorverbands, unterzeichnet vom neuen Präsidenten Christian Wulff. Das Jubiläum „am Sonntag an die große Glocke zu hängen“, versprach Pfarrer Michael Paul tiefsinnig und humorvoll. Wenn morgens in der Kirche die Glocken läuteten, höre er bereits den MGV gegenüber im Vereinsheim „Bruder Jakob, …, schläfst du noch?“ anstimmen. Paul wünschte sich weiter die gedeihliche Nachbarschaft: „Wir hören uns!“ Die meisten der vielen Gratulanten überreichten dem Vorsitzenden einen Briefumschlag, in dem sich nicht nur eine Grußkarte befinden sollte. Mitglieder der „S(w)inging Storks“ dagegen trugen fünf Pakete herein und verrieten, dass sich darin die Teile eines neuen, portablen Digitalpianos befinden, das sich wie ein Klavier spielen lasse und sogar den Klang eines Konzertflügels nachbilden könne. Das alte ist eindeutig in die Jahre gekommen, wie sich zuvor bewiesen hatte, als Jochen Flohn den Titel „My way“ am Klavier begleitete.