Neustadt Toller Sound für einen guten Zweck

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«Deidesheim». Mit einer gelungenen Auswahl an internationalen Kompositionen und peppigem Sound präsentierte sich das Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz am Freitag bei seinem Benefizkonzert für die Ruppertsberger Bläserjugend in der Deidesheimer Stadthalle.

Stürmischer Applaus, Pfiffe. Das „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo ist ein eingängiger Klassiker mit spanischem Temperament, besonders im zweiten Satz, wo man die Kastagnetten klackern hören und vor dem geistigen Auge die Tänzer nach lasziven Drehungen stampfen sehen kann. Aranjuez, die altehrwürdige, Königsresidenz nahe Madrid, hatte Rodrigo zu seiner Komposition inspiriert, die traditionell eigentlich für Orchester und Gitarre vorgesehen ist und von Ausnahmegitarristen wie etwa Pepe Romero hingebungsvoll gezupft wurde. Wie passt da ein Blasorchester ins Bild? Gewagt und gewonnen hieß es da für das Landespolizeiorchester dank eines geschickten Arrangement des Trompeters Joachim Lösch, der mit seinen drei Kollegen Jörg Krisat, Markus Privat und Edwin Sagert auch als Solist den Beweis erbringt, dass auch Trompeter „Spanisch“ können. Sie bleiben nicht die einzigen, die sich solistisch präsentieren. So folgt das Klarinettenregister mit der „Optimistenpolka“ von Ernst Mosch. Und in „Bonaparte“ von Otto M. Schwarz reitet Napoleon, der gebürtige Korse, der sich 1804 zum Kaiser der Franzosen gekrönt und in seinen zahlreichen Feldzügen ganz Europa umgepflügt hat, durch den Saal. Die Trommeln begleiten das Schlachtgetümmel, dumpfes Grollen wird zum Kanonenschlag, zu siegreichen Schlachten übt das Orchester heroisch den Schulterschluss mit den Soldaten. Die Musiker spielen aber auch romantisch auf zur Hochzeit mit seiner großen Liebe Joséphine de Beauharnais, und Napoleons Verbannungen nach Elba und St. Helena entwickeln sie aufrührerisch bis melancholisch. Konzertmeister Norman Weidmann hat dazu alte Bilder zu einem Diavortrag zusammengestellt. Locker schläppelt hier danach Charlie Chaplin in die Runde. Das Arrangement von Marcel Peeters zeigt, dass der Komiker nicht nur Leinwandstar, sondern auch ein begabter Komponist war, ebenso wie der italienische Ausnahmemusiker Giuseppe Verdi, dem Musikexperten zunächst Talentlosigkeit attestierten, dessen Gran Finale aus „Aida“ die Gäste aber zu Bravorufen hinreißt. Auch Freunde volkstümlicher Weisen kommen nicht zu kurz. „Der Jäger aus Kurpfalz“ wird von Dutzenden Kehlen mitgesungen, Johann Strauß Sohn wogt im Walzertakt mit „Wein, Weib und Gesang“ durch die Saalreihen. Mit „Memories“ werden dann die Erinnerungen an den Bandleader und Klarinettisten Benny Goodman wach. Immer wieder treten Solisten wie Wolfgang Schulte am Euphonium, Florian Werther am Kontrabass in dem Big-Band-Klassiker „Cute“ von Count Basie und Olaf Bittner an der Klarinette vors Orchester und entfachen mit ihren Leistungen begeisterten Zwischenapplaus. So ist es schließlich kein dünnes Süppchen, sondern ein Gala-Dinner, das Dirigent Christian Küchenmeister mit frischer Moderation und seinem ambitionierten Orchester anrichtet. Sehr zur Freude der anwesenden Bläserjugend mit Jugendleiterin Christine Ocampo Alvarez und des ersten Vorsitzenden der „Ruppertsberger Blaskapelle“, Roland Isselhard, der nicht nur den Reinerlös der Veranstaltung „zur Anschaffung von Instrumenten, der Finanzierung von Freizeiten und unseren Jugendprojekten“, sondern auch schon die Zusage der Gäste zu einer weiteren Veranstaltung im nächsten Jahr entgegennehmen kann. Für diesmal verabschiedete sich das Landespolizeiorchester mit zwei heftig herbeigeklatschten Zugaben.

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