Am Rande der Bande RHEINPFALZ Plus Artikel Tim Hellwig, Team Rosberg: Sauberer Sport und schmutzige Overalls

Stand für die Nationale Anti-Doping-Agentur vor der Kamera: Triathlet Tim Hellwig aus Neustadt. Foto: Nada
Stand für die Nationale Anti-Doping-Agentur vor der Kamera: Triathlet Tim Hellwig aus Neustadt.

Tim Hellwig: Alles geben, nichts nehmen

Der Neustadter Triathlet Tim Hellwig ist in diesem Sommer ein Gesicht der aktuellen Kampagne der nationalen Anti-Doping Agentur (Nada). Die Verantwortlichen klopften bei Hellwig an, ob er sich für ein Foto zur Verfügung stellt. Aber der 20-Jährige musste erst dazu überredet werden, für das Fotoshooting nach Köln zu fahren. Sein Vater Thorsten Hellwig berichtet: „Aber dann zog das Argument, dass er damit auch seine Sportart entsprechend repräsentieren kann.“Sein Sohn muss Anfang des Jahres eine Übersicht mit seinen Trainingsstätten und seinen geplanten Einsätzen abgeben, damit transparent ist, wo man ihn zur Kontrolle antreffen kann. Tatsächlich haben die Dopingfahnder schon zweimal morgens um 6 Uhr bei Hellwig in Saarbrücken, seinem aktuellen Wohnort, vor der Tür gestanden und eine Blut- sowie Urinprobe mitgenommen. „Zudem wird er oft nach Wettkämpfen kontrolliert. Das geschieht normalerweise automatisch bei vorderen Platzierungen“, betont Thorsten Hellwig.

Wenn Tim Hellwig ärztlich behandelt wird, dann immer nur mit Blick auf die Medikamentenliste der erlaubten Mittel. Jetzt, da er wegen Rückenproblemen Cortison erhält, hat er sich diese Notwendigkeit per Attest bestätigen lassen. Thorsten Hellwig weiß: Sein Sohn kann das Motto auf dem Plakat neben seinem Konterfei voll unterschreiben: „Damit ehrliche Leistung belohnt wird. Alles geben, nichts nehmen.“ (kle)

Team Rosberg: Maximal 40 Grad, kein Weichspüler

In diesem Moment dachte Martin Elsner wahrlich nicht an einen perfekten Auftritt. Der Mechaniker des Neustadter Teams Rosberg war von Chef Arno Zensen auserkoren worden, den Pokal für das siegreiche DTM-Team auf dem Podium entgegenzunehmen. Da hat Elsner vergessen, dass sein Overall völlig verdreckt ist. „Ich hatte weiche Knie“, beschreibt er seine Gemütsverfassung, „diese Perspektive von da oben werde ich nie vergessen.“Auf dem verschmierten Overall waren noch die Spuren einer arbeitsreichen Nacht zu sehen. Sonntagsieger René Rast war am Samstag in Führung liegend wegen zwei defekter Drehzahlsensoren ausgefallen. Zur Sicherheit wurde danach der komplette Motor gewechselt. Von allen Rosberg-Mechanikern. „In so einer Situation halten wir als Truppe zusammen“, sagt Elsner. Bis morgens um drei Uhr haben sie gearbeitet. Um sieben Uhr war wieder Dienstbeginn.

„Wir sind eigentlich nicht richtig aus unseren Overalls rausgekommen“, erzählt Elsner. Da kam also auch nicht der Gedanke auf, sich einen neuen anzuziehen. Zumal alle Mechaniker nur zwei Stück haben. Im Normalfall einen Overall für den Freitag, einen für Samstag und Sonntag. Nur von der feuerfesten Unterwäsche hat jeder Mitarbeiter vier Garnituren, die täglich gewechselt werden, „weil die immer durchgeschwitzt sind“.

Eigentlich hätte Marin Elsner nach den Rosberg-Regeln die Siegerehrung gar nicht oben auf dem Podium erleben dürfen. Denn dieses Privileg gebührt den Crewmitarbeitern, die sich um das Siegerauto kümmern. Der 30-Jährige ist zweiter Mechaniker am Auto von Jamie Green. Weil aber René Rast von den vergangenen 20 Rennen elf gewonnen hat, war allen Rast-Helfern diese Ehre schon einmal zuteil geworden. Deshalb schickte Zensen den Green-Mechaniker. Der sagt: „Ein toller Lohn für die Nachtarbeit.“

Die nächste Arbeit wartete zu Hause auf Martin Elsner. Seine Arbeitskleidung musste gereinigt werden. Dieses Mal nicht nur wegen Öl und Staub, sondern auch wegen des Champagners. „René und Mike Rockenfeller sind gleich auf mich zugestürmt und haben mich angespritzt“, berichtet Elsner. „Es war ein geiles Gefühl, auch wenn die Augen gebrannt haben.“ Zu Hause hat die Nase rebelliert. „Ich habe gedacht, ich stehe neben einer Weinpresse“, berichtet er von dem Moment, als er die Plastiktüte mit dem Overall öffnete.

Beim Waschen des Arbeitsanzugs müssen die Mechaniker ebenso vorsichtig agieren wie bei der Arbeit an den Rennwagen. Nicht wärmer als 40 Grad, kein Weichspüler, nicht in den Trockner – so lautet die Vorgabe, damit das feuerfeste Gewebe keinen Schaden nimmt. Denn die Arbeitskleidung muss möglichst mehrere Saisons halten. Egal, bei wie vielen Siegerehrungen sie dabei war. (jok)

Rosberg-Mechaniker Martin Elsner (rechts) durfte nach dem Sieg von Rosberg-Pilot René Rast (mit Siegerkranz) mit aufs Podium. In
Rosberg-Mechaniker Martin Elsner (rechts) durfte nach dem Sieg von Rosberg-Pilot René Rast (mit Siegerkranz) mit aufs Podium. In seinem mit Öl verschmierten Overall.
x