Direktkandidaten für den Bundestag RHEINPFALZ Plus Artikel Thomas Stephan geht für die AfD ins Rennen

Thomas Stephan lebt seit 20 Jahren in Haßloch.
Thomas Stephan lebt seit 20 Jahren in Haßloch.

Thomas Stephan von der AfD erklärt das Soziale zu seinem Herzblutthema. Zugleich verliert er den Streitpunkt „Ausländer“ bei keinem Politikfeld aus dem Auge. Vom rechtsextremistischen Höcke-Flügel sieht sich Stephan sehr weit entfernt.

Im Gespräch mit jemandem von der AfD lässt sich bei der Frage „Wer sitzt mir da gegenüber?“ die Wahrheit relativ leicht ans Licht holen. Wie wird Thomas Stephan, Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Neustadt-Speyer, auf den Satz „In der AfD gibt es viele Neonazis“ reagieren? Er reagiert relativ moderat, schüttelt, leicht überrascht, den Kopf und sagt: „Ich bin sehr weit vom ,Flügel’ entfernt, und der AfD-Landesverband Rheinland-Pfalz ist absolut gemäßigt.“ Der „Flügel“, das ist der äußerste rechtsextremistische Rand der AfD unter Führung des Thüringer Landeschefs Höcke.

Thomas Stephan wurde vor 51 Jahren in Neustadt geboren, lebt seit 20 Jahren in Haßloch und leitet als Selbstständiger eine Versicherungsagentur. Anfang der 90er-Jahre sei er CDU-Mitglied gewesen, so Stephan, „aber das war mir zu viel Hinterzimmerpolitik“. Er ist gelernter Elektromechaniker, war vier Jahre Zeitsoldat und lehnte, so erzählt er, das Angebot ab, zwölf Jahre bei der Bundeswehr zu bleiben, weil er in ein Bataillon versetzt worden sei, „in dem die Dienstauffassung nicht stimmte.“ Nach dem Tod des Vaters habe er in Neustadt den elterlichen Tante-Emma-Laden übernommen, parallel dazu ein Sicherheitsunternehmen aufgebaut. Nach zwölf Jahren musste er beide Unternehmungen jedoch aufgeben.

„Andere, die zu uns ins Land kommen ...“

„Wie schnell man durchs soziale Netz fallen kann, darüber braucht mir keiner was zu erzählen, deshalb ist mein Herzblutthema die Sozialpolitik“, bekundet er. Sodann erläutert Stephan mit Verve: „Wenn ein altes Mütterchen Hartz IV beantragen will, muss es 30 Seiten ausfüllen.“ Eigentlich dürfe sich Deutschland als Industrienation nicht auf leere Kassen berufen, wenn es um Hilfe für sozial Schwache geht. „Ich bin auch dagegen, dass bei Hartz IV Sanktionen gegen Menschen verhängt werden, nur weil sie mal nicht die richtigen Papiere beibringen können.“ Es folgt der Satz: „Andere, die zu uns ins Land kommen, haben oft auch keine Papiere und bekommen trotzdem Hilfe.“

Da ist es also, das Ausländer-Thema, und es zieht sich auch bei Stephan quer durch alle Politik-Felder. Nicht zynisch, gehässig oder gar hasserfüllt wie bei vielen anderen AfDlern, aber doch deutlich akzentuiert. Beispiel Corona: „Die Regierung hat versäumt, frühzeitig die Grenzen zu schließen.“ Das Schlimmste an Corona sei, „dass alte Menschen alleine sterben mussten.“

Beispiel Afghanistan: „Jetzt gibt es schon wieder Diskussionen um Asylanten. Hätten wir den ungebremsten Zustrom 2015 nicht gehabt, wäre es jetzt einfacher.“ „M und M“, sagt er, seien die Hauptmotive für ihn gewesen, zur AfD zu gehen: Merkel und die Medien. Die AfD werde nicht zuletzt von den Medien „beschimpft und geächtet“. Merkels Flüchtlingspolitik kommentiert er so: „Es gab Budapest – ein Punkt, an dem man aus Humanität helfen musste. Aber danach haben wir...“ – er meint die Bundesregierung – „...mit der Grenzöffnung gegen europäisches Recht verstoßen.“

Das Hambacher Schloss und die Ehre

Überhaupt vollziehe sich in der Politik der „Altparteien“ sehr vieles „hysterisch“. Beispiel Energiewende: „Wir kaufen französischen Atomstrom und polnischen Strom aus Kohle.“ Beispiel Gendersprache: „Da wird pure Ideologie durchgepeitscht.“

Der Wähler wird entscheiden, was ihm die „einfachen“ Lösungen der AfD wert sind, das weiß Stephan gut. Er ist optimistisch, für sich und seine Partei: „Wir treten absolut für die Demokratie ein.“ Und weil das Hambacher Schloss die Wiege der Demokratie ist, sei es für ihn „eine Ehre, in diesem besonderen Wahlkreis für die AfD zu kandidieren“.

Die Serie

Zehn Kandidaten bewerben sich im Wahlkreis Neustadt-Speyer, der neben den beiden kreisfreien Städten den Kreis Bad Dürkheim und Teile des Rhein-Pfalz-Kreises umfasst, um das Direktmandat bei der Bundestagswahl am 26. September. Die RHEINPFALZ stellt sie vor.

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