Neustadt Theater und Folklore um den Tributbock
Wenn Pfingsten kommt, dann boomt es in den Geißbockstädten Lambrecht und Deidesheim. Vor allem wollen viele Touristen die historische Geißbockversteigerung am Dienstag nach Pfingsten in Deidesheim live erleben. Aber auch der Heimatabend in Lambrecht ist etwas Besonderes.
Die Auktion vor dem historischen Rathaus mit einem bunten Programm davor und danach ist das Finale des historischen Geißbockfestes. Das Geißbockbrauchtum geht auf bereits im Jahr 1404 dokumentierte Weiderechte der Lambrechter im Deidesheimer Wald zurück. Das Brauchtum, dass Lambrecht dafür einen Tributbock liefern muss, wird bis heute in beiden Städten gepflegt, auch wenn die Beweidung längst Geschichte ist. Zunächst brachte ein Lambrechter Hirtenjunge den Tributbock als „lebendige Pacht“ nach Deidesheim, dann ein Gemeindediener und der jüngste Bürger Lambrechts. Inzwischen ist es immer das jüngstvermählte Ehepaar. In diesem Jahr sind dies Inna Keksel und Patrick Faß. Die Kauffrau für Bürokommunikation und der Berater für E-Commerce-Lösungen haben den Auftrag, den 614. Tributbocks ab 5.30 Uhr vom Friedrich-Ebert-Platz in Lambrecht zur Versteigerung nach Deidesheim zu bringen (wir berichteten am 26. Mai). Der erste Akt des Geißbockszenarios beginnt beim Lambrechter Heimatabend auf dem Hof der Grundschule am Pfingstsonntag nach musikalischer Einstimmung um 17 Uhr durch den Königsbacher Musikverein. Um 18 Uhr führt die Lambrechter Theatergruppe das 7. und 8. Bild aus dem Geißbockspiel von Ernst Schäfer auf. Das Stück spielt im Jahr 1851, als der Bürgermeister dem jüngsten Lambrechter Bürger Jakob den Geißbock anvertraut, damit er ihn nach verbrieftem Recht zur Auktion bringt. Lisbeth, seine Braut, ist empört über den Auftrag in ihrer Hochzeitsnacht. Aber Jakob gehorcht der Pflicht. Lisbeth darf ihn schließlich begleiten. Doch sie kommen nicht rechtzeitig vor Sonnenaufgang an Deidesheims Stadtgrenze an. Deidesheims Bürgermeister spricht von Vertragsbruch. Ratsmitglied Steibock (in der Rolle: der echte Stadtbürgermeister von Lambrecht, Karl-Günter Müller, der`s wissen muss) sagt: „Ihr wissen doch, wie die Lambrechter sinn. Dänne kann mer alles zutraue.“ Der Rat der Stadt Deidesheim verweigert die Annahme auch: weil der Geißbock mit einem Leiterwagen gefahren wurde anstatt nach dem Reglement zu laufen. Wie`s ausgeht, zeigt der Schlussakt am Sonntag. Nach der Aufführung ist gegen 19 Uhr die Übergabe des 614. Tributbocks mit Geleitbrief an Patrick und Inna Faß. Den Bock, an dem die Deidesheimer nichts zu meckern haben werden, bringt Ehrenbüttel Karl-Philipp Sauer über einen extra angebauten Laufsteg auf die Bühne. In der Vergangenheit war mitunter ein Geißbock an der Treppe gestolpert. Deidesheim bietet an Pfingsten von Freitag, 2., bis Dienstag, 6. Juni, ein großes Programm mit Musik, Folklore, historischen Führungen mit Bockgeschichten, Weinpräsentationen, Wanderungen, Besichtigungen und Darbietungen. Höhepunkt ist der Tag der Versteigerung am Dienstag. Er beginnt mit der Ankunft des Tributbocks und der großen Wandergruppe aus Lambrecht in Deidesheim. Stadtsoldaten in historischen Uniformen, aber auch die Jungen und Mädchen aus den Kindergärten und der Schule begleiten sie von der Stadtgrenze zur Bühne vor dem historischen Rathaus, auf der ein kurzes historisches Spiel mit Übergabe des Bocks aufgeführt wird. Weiter geht es mit folkloristischen Darbietungen bis zur szenischen Gerichtsverhandlung, die über die Annahme des Tributbocks entscheidet. Spannend wird es um 17.45 Uhr: Dann beginnt die Versteigerung des Geißbocks am Rathaus. Sie endet mit dem Zuschlag an den Meistbietenden, sobald die Kirchturmuhr 18 Uhr schlägt, und dem Ausruf, wer ihn ersteigert hat. Im vergangene Jahr wurden 3000 Euro für das Tier gezahlt. Wer beim Geißbock-Schätzwettbewerb mitmachen will, kann Teilnahmekarten in der Tourist und im Geißbock-Shop im Rathaus kaufen. Die Gewinner werden nach der Versteigerung bekanntgegeben. Die Freie Wählergruppe Deidesheim bietet eine Busfahrt am Dienstag von Deidesheim ab Königsgarten um 4.50 Uhr zum Geißbockmarsch nach Lambrecht an. Die Mitfahrt kostet fünf Euro. Anmeldungen unter Telefonnummer 06326/342.