Neustadt Testpuppe Doris erwischt es heftig

Für knapp hundert Schüler der bilingualen Grundschule Deidesheim wurde diese Woche ein Bus zum Klassenzimmer. Nacheinander haben die vier Klassen gelernt, wie man sich im Bus benehmen soll – „nicht, weil der Busfahrer euch ärgern will, sondern weil es eurer Sicherheit dient“, erklärte Jürgen Heil, Leiter der Busschule. Denn Sicherheit stehe an allererster Stelle.
Die Busschule ist ein gemeinschaftliches Projekt des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN) und der im VRN fahrenden Verkehrsunternehmen. Geordnet näherte sich die Klasse 1a unter Aufsicht von Babette Ruch dem Bus am Deidesheimer Bahnhof. Nach der Begrüßung forderte Heil die Kinder auf einzusteigen. Und schon ging ein lautstarkes Gedrängel und Geschubse los. Mit kräftiger Stimme rief Heil: „Alle wieder raus und noch einmal einsteigen, und zwar geordnet“. Jetzt ging es der Reihe nach und die Kinder waren sogar schneller als vorher im Bus. „Und was habt ihr vergessen? – Man zeigt seine Fahrkarte und sagt `Guten Morgen` oder `Hallo`.“ Was beim Ein- und Aussteigen zu beachten ist, wüssten die Kinder sehr gut. „Man muss sie nur manchmal wieder daran erinnern“, sagt Heil. Auch was im Bus verboten ist, haben die Schüler beschrieben: Rumtoben, den Busfahrer mit Grimassenschneiden erschrecken, an den Stangen turnen und mit dem Nothammer spielen. Essen und Trinken ist ebenfalls verboten. Getränke können auslaufen und kleben, Ketchup, Mayonnaise und Eis auf den Sitz tropfen und eine Brezel mit Salz kann krümeln. Schließlich kann man sich verschlucken und dann sogar erbrechen oder sich den „Strohhalm in den Hals rammen“, wenn der Bus mal scharf bremsen muss. Ein scharfes Bremsmanöver war besonders eindrucksvoll. Die Busfahrerin Maria Miksch hat laut „Jetzt“ gerufen, bevor sie in die Eisen gestiegen ist. Im normalen Linienverkehr ist das nicht möglich, vor allem weiß auch niemand, was dieses „Jetzt“ dann zu bedeuten hätte. Die Kinder konnten sich festhalten, nicht aber der Dummy „Doris“. Diese Testpuppe in Größe eines kleinen Kindes purzelte bei der Vollbremsung durch den Gang. Und dann erging es Doris richtig schlecht. Der Leiter der Busschule platzierte sie ganz dicht am Straßenrand, als der Bus sich der Haltestelle näherte. Und da passierte es: weil Doris nicht zurückgetreten war, wurde sie vom Bus gestreift und schleuderte über die Straße. Wenn man direkt am Bordstein steht und auch noch geschubst wird, kann es auch passieren, dass ein Reifen über einen Fuß fährt und „der ist dann platt und kann nicht herausgezogen werden“, sagt Heil. Dann hat Heil unterschiedliche Sicherheitssysteme erklärt, die alle auf dem neusten Stand sind: die Gummilippen an den Türen sind mit Sensoren versehen, so dass niemand oder auch kein Schulranzen eingeklemmt werden kann. Die Luke am Dach, aus der man rauskrabbeln kann, wenn der Bus umgestürzt sein sollte, und der Nothammer, der die 3000 Euro teure Scheibe so beschädigt, dass man sie herausdrücken, sich daran aber nicht verletzen kann. Die Schüler der 4. und 5. Klassen lernen in den auf sie zugeschnittenen Schulungen noch vieles mehr, so soziales Verhalten im Bus und den Fahrplan lesen. Denn wenn sie eine weiterführende Schule besuchen, müssen viele mit dem Bus fahren. Marcus Weigl, Geschäftsführer der Palatinabus-Gesellschaft, zeigte sich stolz „auf seine Mannschaft und seine Flotte“. Alle seien immer auf neuestem Stand was Technik, Schulungen, Gesetz und Vorschriften angehe. Ute Brunner, Nahverkehrsreferentin im Landkreis Bad Dürkheim, wäre glücklich, wenn alle Schulen ihren Klassen solch eine Vorführung ermöglichten. „Aber leider melden sich nicht alle Schulen bei uns“, sagt sie bedauernd. Ute Brunner hat festgestellt, dass nicht alle Eltern mit ihren Kindern den Schulweg und speziell das Busfahren vor dem ersten Schultag üben. Eigentlich sei das ihre Verantwortung. Stattdessen kämen in den ersten sechs Wochen nach Schulbeginn vermehrt Beschwerden bei Brunner an. Die Eltern behaupteten, dass sich die Busfahrer nicht um die Sicherheit der Kinder kümmerten, die anderen beschwerten sich, dass die Kinder angeschrien würden. Bei dem Lärm müsse man aber manchmal die Stimme erheben, weil die Kinder sonst gar nicht zuhören, meint Heil. Leider hätten viele vor den Busfahrern auch keinen Respekt. (stgi)