Neustadt / Hassloch
Tennis: Zweitspielrecht ab der nächsten Medenrunde
Die Reform klingt bahnbrechend. Ab der im Mai beginnenden Medenrunde darf ein Spieler für zwei verschiedene Tennisclubs spielen, sofern er im Verein A in einer anderen Altersklasse als in Verein B aktiv ist. Ein Beispiel: Der 42-jährige Max Mustermann kann nun diesen Sommer samstags für ein Neustadter Herren-40-Team und sonntags für einen Haßlocher Club in einer Herren-30-Klasse aufschlagen.
„Das ist eine weitere Erleichterung für Spieler, Mannschaften und Vereine“, sagt der Geschäftsführer des Tennisverbands Pfalz, Thomas Knieriemen, zur Reform in der im Mai beginnenden Medenrunde. Man müsse so nicht mehr eine Spielgemeinschaft gründen, um mit Spielern aus zwei Vereinen ein Team zu bilden. Knieriemen: „Diese Vereinfachung hat sich aber offenbar noch nicht überall herumgesprochen, denn die Anträge für Spielgemeinschaften sind trotzdem weiter gestiegen. Das wird wohl erst nächstes Jahr so richtig greifen.“
„Konfliktträchtig“
Bei den Vereinen der Region sind die Reaktionen auf die Neuregelung meist positiv, auch wenn sie nicht in allen Clubs zum Einsatz kommen wird. Bei Grün-Weiß Neustadt gibt es bei den Damen-60 schon lange eine fruchtbare Spielgemeinschaft mit Edenkoben. So ist beispielsweise dieses Team nicht auf das Zweitspielrecht angewiesen. Jan Baumheier, Trainer, Jugendwart und Mannschaftsführer bei den Herren des TC Grün-Weiß, sagt: „Bei der Jugend war das unter bestimmten Voraussetzungen schon länger möglich. Bei den Erwachsenen sehen wir die neue Regel eher als konfliktträchtig an. Wir werden es so halten, dass nur Mitglieder in unseren Teams spielen dürfen.“
Baumheier möchte, dass sich die Sportler auch in den Verein integrieren. Er befürchtet, dass es Spieler geben könnte, die sich jedes Jahr neue Teams suchten, je nachdem, wo sie höherklassig spielen könnten. Baumheier: „Das steht im Widerspruch zu den Idealen eines Vereins, der davon lebt, dass die Mitglieder auch etwas geben und nicht nur nehmen. Wenn die Verwurzelung wegfällt, wird es für den Club immer schwerer, Leute zu finden, die sich engagieren.“ Doch er gesteht auch, dass kleinere Vereine dadurch bessere Möglichkeiten haben zu spielen. Wie sich das langfristig entwickeln werde, zeige erst die Zukunft.
Rot-Weiß für Zweitspielrecht
Jürgen Gassert, Sportwart des TC Rot-Weiß Neustadt, hat als Präsidiumsmitglied des Tennisverbandes Pfalz für das Zweitspielrecht gestimmt. „So haben auch kleinere Vereine die Möglichkeit, ihre Mannschaften zu bestücken“, sagt er. Wie das bei Rot-Weiß gehandhabt werde, sei den Mannschaftsführern überlassen.
Charly Schroer, Tennis-Abteilungsleiter im Postsportverein Neustadt, begrüßt das neue Recht: „Alles, was dazu beiträgt, dass die Medenrunde mit Teams gefüllt werden kann, ist positiv. Das ist für kleine Vereine wie uns interessant.“ So haben bereits Spieler seines Clubs Interesse bekundet, bei den Herren-60 in Elmstein zu spielen. Das ist organisatorisch kein Problem, denn der reguläre Einsatz der Spieler bei den Herren-50 im Postsportverein ist an Samstagen. Schroer: „So kommt es zu keinen Überschneidungen.“
Interessenskonflikte möglich
Patrick Woidy, Sportwart im TC Kirrweiler, wird das Thema bei den Mannschaftsmeldungen im Club besprechen. Er sieht die neue Regel grundsätzlich positiv. „Dann kann ein Spieler zu Einsätzen kommen, wenn es in seinem Verein keine Mannschaft gibt“, betont er. Doch es könnte auch Terminprobleme geben und damit Interessenskonflikte, wenn die Spieltage am gleichen Tag lägen. Aber auch hier gebe es Lösungsmöglichkeiten. Meist seien mehr Spieler gemeldet, als dann tatsächlich antreten müssten. So bestehe kurzfristig noch die Möglichkeit, für den anderen Verein in einer anderen Altersklasse anzutreten. Woidy: „So wird beiden Seiten geholfen, den Spielern und den Clubs. Es könnte unseren Sport noch weiter nach vorne bringen.“
Auch Gunther Hess vom TSV Haßloch sieht in der Neuerung eine Verbesserung. Er weiß bereits, dass es Spieler in seinem Club gibt, die in der neuen Saison auch in einem zweiten Verein antreten werden. Er rechnet vor: „Man muss schon zwölf Spieler im Pott haben, um dann am Spieltag sechs Sportler aufzustellen. Diejenigen, die nicht zum Zuge kommen, können dann beim anderen Verein antreten.“ Doch kritisch sieht er die neue Möglichkeit in Sachen Teamgeist und ist damit auf der Linie von Jan Baumheier: „Da gibt es vielleicht eine Mannschaft, die sich aus Spielern von vier Vereinen zusammensetzt. Ob diese sich als echte Mannschaft sehen und wo der jeweilige Heimverein bleibt, das wird sich noch zeigen.“