Neustadt Teils freiwillig, teils gezwungen bewegt

Zwei Besonderheiten, die eine eigene Notarztversorgung für die Verbandsgemeinde Lambrecht erst möglich gemacht hatten, wurden 25 Jahre später zum Problem. Der Weidenthaler Arzt Manfred Reiber hat vor 26 Jahren gemeinsam mit Kollegen eine Notarzt-Versorgung für die Verbandsgemeinde organisiert. Dabei wurde zum einen eine Art „Joint Venture“ mit der Kassenärztlichen Vereinigung vereinbart. Das besagte, dass der Arzt, der am Wochenende in der Verbandsgemeinde für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst zuständig ist, gleichzeitig als Notarzt fungiert. Durch den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst war die Bezahlung des Arztes gesichert. Die zweite Besonderheit war, dass die in der Verbandsgemeinde tätigen Ärzte, die eine Notarztausbildung haben, während der Woche den Notarztdienst übernahmen. So haben bei der Notarztversorgung in der Verbandsgemeinde Manfred Reiber sowie seine Lambrechter Kollegen Hartmut Bauer und Michael Klein auch persönlich immer eine besondere Rolle gespielt. 2013 wurde der kassenärztliche Bereitschaftsdienst umorganisiert. Für die Verbandsgemeinde Lambrecht gibt es seit Juli 2013 keinen kassenärztlichen Bereitschaftsdienst vor Ort mehr. Wer an Wochenenden, Feiertagen, während der Woche zwischen 19 und 7 Uhr sowie mittwochs ab 13 Uhr und freitags ab 16 Uhr krank wird, einen Arzt braucht, aber kein Notfall ist, muss zur Bereitschaftsdienstzentrale, die an das Neustadter Krankenhaus Hetzelstift angegliedert ist. Somit war auch das „Joint Venture“ zwischen Bereitschafts- und Notarztdienst ab Juli 2013 beendet und die Verbandsgemeinde hatte keinen eigenen Notarzt mehr. Bereits ab 1. Februar 2013 war die Notarztversorgung während der Woche durch die niedergelassenen Ärzte beendet. Reiber hatte den Dienst seit vier Jahren alleine gemacht und war verständlicherweise nicht mehr in der Lage rund 90 Stunden pro Woche in Bereitschaft zu stehen. Bei den rund eineinhalb Jahre dauernden Gesprächen und Verhandlungen zur Notarztversorgung haben sich letztendlich alle Beteiligten, teils freiwillig, teils eher gezwungen, ein Stück bewegt und sind aufeinander zugegangen. Auch hier haben die Ärzte Manfred Reiber sowie seine Lambrechter Kollegen Hartmut Bauer und Michael Klein wieder eine besondere Rolle gehabt. Unter anderem durch den intensiven Einsatz des Bad Dürkheimer Landrats Hans-Ulrich Ihlenfeld bei Verhandlungen mit Vertretern der Krankenkassen erklärten sich die im Frühjahr bereit, 160.000 Euro pro Jahr für einen Notarzt für die Verbandsgemeinde zur Verfügung zu stellen. Das reichte aber nicht für die Bezahlung eines Notarztes rund um die Uhr. Bauer, Klein und Reiber sagten zu, insgesamt 52 Stunden pro Woche den Notarztdienst zu übernehmen. Geld bekommen sie nur für Einsätze, die in dieser Zeit anfallen. Vor allem Reiber machte dann noch einmal ein großes Zugeständnis, als es um den Transport des Notarztfahrzeuges ging (wir berichteten gestern). Ob die drei Ärzte, von denen zwei auf die sechzig zugehen, auf Dauer die zusätzliche Belastung durch den Notarztdienst stemmen können, ist eine Frage. Auch für ihre Praxen könnte sich ihr Engagement als Nachteil erweisen. Vielleicht geht mancher Patient doch lieber zu einem Arzt, bei dem er nicht damit rechnen muss, dass der Doktor plötzlich zu einem Notfall ausrücken muss. Noch gravierender könnte ein anderer Punkt werden, wie unter anderem der Lambrechter Verbandsbürgermeister Manfred Kirr weiß. „Die jetzige Regelung kann sich in einigen Jahren als Nachteil für die ärztliche Versorgung in der Verbandsgemeinde auswirken“, gibt es für Kirr bei aller Freude über den Neustart des Notarztdienstes doch einen Wermutstropfen. Wenn die Ärzte in den Ruhestand gehen wollen und einen Nachfolger für ihre Praxen suchen, wird dies ohnehin schwer. Bekanntlich sind immer weniger junge Ärzte bereit, eine Praxis auf dem Land zu übernehmen. In der Verbandsgemeinde Lambrecht wird dann ja sogar weiteres Engagement verlangt, wenn sie zusätzlich zur Arbeit in ihrer Praxis viele Stunden – weitgehend ohne Bezahlung – Notarztbereitschaft übernehmen sollen.