Neustadt Technik und Industrie im Fokus

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Neustadt. Denkmale zur Technik- und Industriegeschichte stehen am kommenden Sonntag beim bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ im Fokus. Insgesamt 14 Gebäude in Neustadt, Haßloch sowie den Verbandsgemeinden Lambrecht und Deidesheim beteiligen sich offiziell an der Aktion. Die Verbandsgemeinde Maikammer ist nicht vertreten. Nicht bei allen Gebäuden besteht allerdings ein direkter Bezug zum Motto.

Natürlich lassen sich an fast jedem historischen Gebäude Beispiele traditioneller Handwerkskunst finden, sagt der Neustadter Denkmalpfleger Stefan Ulrich. Damit passe das Motto des „Denkmaltags“ praktisch auf fast jeden in die Denkmalliste eingetragenen Bau. Das 2015er-Motto richtet den Blick nun aber ganz speziell auf Zeugnisse der Industrialisierung und technische Einrichtungen aus früherer, noch vorindustrieller Zeit. Diese Bauten haben einen eigenen, oft etwas spröden Charme, der sich nicht jedem sofort erschließt. Auch in Neustadt und insbesondere im Lambrechter Tal gibt es einige markante Beispiele. Dazu zählt etwa die ehemalige Ibag-Halle in Branchweiler. Die 1911 errichtete Produktions- und Montagehalle der Firma Wayss & Freytag wurde mit dem damals neuen Baustoff Beton erbaut. „Es ist ein wirklich spannendes Gebäude und ein beeindruckendes Beispiel der Industriearchitektur“, so Ulrich. Der „Tag des offenen Denkmals“ wird wohl die letzte Gelegenheit sein, das beeindruckende Gebäude mit seiner Rippenkonstruktion in seiner noch weitgehend ursprünglichen Form zu sehen. Die Industriehalle wird seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt und zeigt Spuren des Verfalls. Doch gerade das ist es, was dem Gebäude eine besondere Ausstrahlung, einen Hauch des Morbiden gibt. Damit wird es aber bald vorbei sein, denn ein Investor wird dieses besondere Zeugnis der Industriearchitektur und -kultur in Wohnungen umbauen. Zwar gibt es Auflagen des Denkmalschutzes, so muss die Rippenkonstruktion erhalten bleiben, doch die Ausstrahlung der alten Industriehalle wird wohl verschwinden. Bei dem Motto Technik und Industrie darf der historische Lokschuppen am Neustadter Bahnhof, in dem das Eisenbahnmuseum ist, nicht fehlen. Das Gebäude selbst ist ein Denkmal, es wurde 1846/47 als Lokschuppen für die Pfälzische Ludwigsbahn errichtet und ist damit ein wirklich frühes Zeugnis der Eisenbahngeschichte. Zudem beherbergt der Schuppen weitere Technik-Denkmäler, wie die Dampflokomotive Pfalz von 1835 und einen Pfalzbahnwagen von 1872. Ein Technik-Denkmal ist natürlich auch die historische Wappenschmiede in Elmstein. Am Speyerbach war in früherer Zeit ein Mühlenensemble mit zwei Sägemühlen, einer Mahlmühle und einer Schmiede konzentriert, das die erforderliche Energie über mehrere Wasserkrafträder erzeugte. Die Schmiede wurde noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts geführt und ist noch so eingerichtet, wie sie der letzte Schmied nicht lange vor seinem Tod verlassen hat. Ein Förderverein hat in den vergangenen Jahren viel Zeit, Geld und Engagement in den Erhalt dieses Technikdenkmals investiert. Auch Fachwerkhäuser seien ein Zeugnis früherer Handwerkskunst, betont Ulrich. Beispiele, die am Tag des offenen Denkmals zu sehen sind, sind das 1685 erbaute Fachwerkhaus in der Theodor-Heuss-Straße 51 in Lachen-Speyerdorf, für dessen Erhalt sich ein Förderverein einsetzt, das Haus in der Metzgergasse 3 in Neustadt, das zu den ältesten seiner Art in der Pfalz gehört, aber auch das „Älteste Haus“ in Haßloch, das heute das Heimatmuseum beheimatet. Ein besonderes Zeugnis der Technikgeschichte sind darüber hinaus die Turmglocken unserer Kirchen. In der Neustadter Stiftskirche wird aus diesem Anlass am Sonntag erstmals eine neue, von Helga Gutermann und Axel Rehe verfasste Broschüre eigens zu diesem Thema vorgestellt. (ann) Noch Fragen? Beim „Tag des offenen Denkmals“ öffnen am Sonntag, 13. September, bundesweit rund 7700 Baudenkmäler ihre Türen. Die komplette Übersicht findet sich im Netz unter www.tag-des-offenen-denkmals.de/programm.

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