Neustadt Tag des Triumvirats

Weist der Fördergemeinschaft den Weg, steht als Vorsitzender aber bald nicht mehr zur Verfügung: Gustav Adolf Bähr.
Weist der Fördergemeinschaft den Weg, steht als Vorsitzender aber bald nicht mehr zur Verfügung: Gustav Adolf Bähr.

«Neustadt-Mussbach». Es war fünf Minuten vor Mitternacht, als am Mittwoch ein kleines Häuflein der über 900 Mitglieder der Fördergemeinschaft Herrenhof nach über dreieinhalb Stunden teils erbitterter Diskussion eine stark veränderte Satzung beschloss. Wichtigste Veränderungen sind ein vergrößerter Vorstand, die Institutionalisierung der Arbeitskreise und eine Festlegung der Aufgaben der Mitgliederversammlung.

Weitere Punkte sollen in einer Geschäfts- und einer Beitragsordnung geregelt werden. Wer zukünftig die Fördergemeinschaft führen wird, war kein Thema der Diskussion. In einem kleinen Rückblick zu Beginn der vierstündigen Versammlung erinnerte Gustav-Adolf Bähr, Vorsitzender der Fördergemeinschaft, an die Gründung vor 35 Jahren und an die Menschen, die den Herrenhof mit Leben gefüllt haben. Bähr nannte Klaus Römer, von dem die Initiative zur Gründung ausgegangen war, und Eberhard Schwenck, der seit 35 Jahren Bauleiter im Herrenhof ist. Er erinnerte an den verstorbenen früheren Mußbacher Ortsvorsteher Friedrich Reinhardt, der sich um den Kontakt zu Stadt gekümmert hat, an Eugen Wiedemann, der der erste Kassenwart war. „Wir haben versucht aus dem, was uns die Geschichte gegeben hat, etwas zu machen“, erklärte Bähr. Er erinnerte auch an den „Ringkampf“ mit der Stadt, den er bis zum vergangenen Jahr wegen eines neuen Vertrags zwischen Stadt und Fördergemeinschaft zur Nutzung des Herrenhofs ausgefochten habe. Die Aktiven der Fördergemeinschaft seien seit 35 Jahren „fahrendes Volk und interessierte Kulturmenschen“, stellte Bähr fest. Die Mitglieder am Mittwochabend waren vor allem Paragrafenreiter, die ausgiebig über Formulierungen und Wörter in den 22 Paragrafen der Satzung, über Gesetzesparagrafen, mögliche Eventualitäten und Ähnliches diskutierten. „Das ist doch Pipifax, über das wir uns hier unterhalten, richtiger Pipifax“, stellte irgendwann Hermann Bleiholder, Kassenwart der Fördergemeinschaft, fest. Dieser „Pipifax“ führte immerhin dazu, dass einige Anwesende im Lauf des Abends die Contenance verloren, sich beispielsweise schreiend über das Verhalten der anderen beschwerten oder sich gegenseitig einen „oberlehrerhaften Ton“ vorwarfen. Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer, der ausdrücklich betonte, dass er nicht als Vertreter der Stadt, sondern als Privatperson anwesend sei, war es zu verdanken, dass kurz vor Mitternacht die veränderte Satzung mit großer Mehrheit beschlossen werden konnte. Knapp die Hälfte der ursprünglich etwa 75 anwesenden Mitglieder hatte so lange ausgeharrt. Röthlingshöfer machte immer wieder Formulierungsvorschläge, wies auf rechtliche Punkte hin und regte an, einige Aspekte in einer Geschäfts- und einer Beitragsordnung zu regeln. Einer der Punkte, bei dem es nicht um „Pipifax“ ging, war die Anzahl der Vorstandsmitglieder. Statt wie bisher einen Vorsitzenden und einen stellvertretenden Vorsitzenden solle es einen Ersten, Zweiten und Dritten Vorsitzenden geben, wurde in dem vom Vorstand vorgelegten Satzungsentwurf vorgeschlagen. Klaus Römer beantragte, es bei einem Ersten und Zweiten Vorsitzenden zu belassen. Schwenck sagte, ein Dritter Vorsitzender werde benötigt, um die Arbeit zu bewältigen. Wenn mehr Leute für die Arbeit gebraucht würden, solle stattdessen die Position von Beisitzern eingeführt werden, entgegnete Römer. Bedenken äußerte er auch darüber, dass Kassenwart und Schriftführer laut dem Satzungsentwurf nicht zum eigentlichen Vorstand gehören sollen. Nach einiger Diskussion zog Römer schließlich seinen Antrag zurück. Es wurde beschlossen, dass es einen geschäftsführenden Vorstand mit Erstem, Zweitem und Drittem Vorsitzenden, Kassenwart und Schriftführer sowie mit einem erweiterten Vorstand mit dem Kulturdezernenten der Stadt und den Sprechern der Arbeitskreise als Beisitzer geben soll. Damit ist der im Satzungsentwurf vorgesehene Beirat überflüssig. Dieser Paragraf wurde gestrichen. Die Einbeziehung der Arbeitskreise in den Vorstand sei eine Aufwertung der Arbeitskreise und eine Verteilung der Verantwortung betonte der Vorstand. „Sie gestalten das Programm, sie sind ein ganz wichtiges Instrument für die Arbeit in dieser Fördergemeinschaft“, sagte Bähr. Diskutiert wurde auch über die Verteilung der Aufgaben und Rechte zwischen den drei Vorsitzenden. Hier könne es Spannungen geben. „In einem anständigen Vorstand gibt es keine Spannungen, der Vorsitzende hat das Sagen“, erklärte Schwenck. Beschlossen wurde, dass jeder der drei Vorsitzenden alleinvertretungsberechtigt ist. Details sollen demnächst in einer Geschäftsordnung geregelt werden.

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