Neustadt „Tafel und Wein“ für jeden Bedarf
Die ehemaligen „Königsbacher Winzerstuben“ erwachen aus ihrem Dornröschenschlaf. So zumindest beschreibt es die Neustadter Innenarchitektin und Gastronomin Julia Lee-Straub. Sie hat das denkmalgeschützte Anwesen von der Winzergenossenschaft gepachtet und feiert am Sonntag unter dem Namen „Tafel und Wein“ Neueröffnung.
Der erste Eindruck sei „überwältigend“ gewesen, sagt Lee-Straub über den Moment, als sie vor mehr als drei Monaten das rund 720 Quadratmeter große Winzergebäude betreten hatte. „Zu groß“, habe sie spontan gedacht, sich als hauptberufliche Innenarchitektin und Interieur-Designerin gleichzeitig aber direkt in die alt-ehrwürdige Immobilie verliebt. Einige konstruktive Gespräche mit Gerhard Brauer, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Königsbach-Neustadt, später, war der Pachtvertrag auch schon unterschrieben und der Neuausbau konnte beginnen. Ihr sei es wichtig gewesen, das Potenzial der Räume auszunutzen, so Lee-Straub: „Der großartige Blick über die Weinberge hinweg in die Rheinebene macht gerade den Außenbereich zu etwas Besonderem.“ Dementsprechend sollen bis zur Eröffnung auch die rund 70 Parkplätze vor dem Gebäude um einige Meter versetzt werden. Wohnmobile sollen dort künftig gar nicht mehr parken dürfen. Lee-Straub hat stattdessen eine rund 150 Quadratmeter umfassende, erhöhte Holz-Terrasse errichten lassen. Hier findet sich – anders als zu „Winzerstuben“-Zeiten – auch der Eingang zum Restaurant. „Ohne diese Option hätte ich das Projekt nicht angestoßen“, sagt Lee-Straub. Des Weiteren will sie im Außenbereich einen urbanen Garten anlegen – mit Obstbäumen, Gemüsepflanzen, Kräutern und Blumen. Sie stellt sich eine kleine Oase „ohne großes Schickimicki“ vor. Neben bis zu 80 Plätzen im Freien – darunter einige als einfache Sitzgelegenheiten auf den Terrassenstufen – sollen den Gästen außerdem eine Außenbar und eine Grillecke zur Verfügung stehen. Im großzügigen Innenbereich des neuen „Tafel und Wein“ sollen sogar bis zu 200 Besucher Platz finden. Dafür wurde das alte Mobiliar aus den 50er Jahren abgeschliffen und umlackiert. „Ich wollte den Charakter des Gebäudes unbedingt erhalten, ihn gleichzeitig aber aufwerten“, erläutert Lee-Straub. Blickfang und Herzstück des Lokals soll die lange Theke sein, die die Neustadter Künstlerin Noa Böse aufwendig verziert hat und an der künftig das Prinzip Selbstbedienung gilt. Qualitative Metzgerware soll es laut Straub geben, frisch vor den Augen der Gäste zubereitete Pizza, Pasta, Salate, Flammkuchen und ein großes Käse-Sortiment. Stolz ist die Restaurant-Chefin außerdem auf die selbstgebaute Kuchen-Vitrine. Ergänzt wird das Angebot freitags und samstags durch einen separaten „fine dining“-Bereich: Küchenchef Walter Tschanow, bekannt von Lee-Straubs erster Gaststätte „Brunos Burger“ in der Innenstadt, bietet dabei ein Menü à la carte an. Außerdem gibt es noch einen Feinkostladen, in dem beispielsweise Schokolade, Kaffee, Paté und Weine probiert und gekauft werden können. Der große Innenbereich kann für Veranstaltungen genutzt werden. Bei der Weinauswahl des „Tafel und Wein“ kooperiert Lee-Straub eng mit der benachbarten Winzergenossenschaft, will aber auch andere besondere Tropen anbieten. Ihr sei wichtig, dass für jedes Alter und jeden Geldbeutel etwas dabei sei, ein ehrliches und authentisches Angebot, so dass Königsbach stolz auf sein neues Lokal sein könne. „Wir wollen eine Bereicherung für Neustadt sein, ohne einen hippen Massentourismus wie etwa in Herxheim am Berg zu züchten“, so die Gastronomin. Insgesamt sechs festangestellte Mitarbeiter arbeiten im „Tafel und Wein“, dazu kommen etwa 15 Aushilfen, nach denen Lee-Straub nach eigenen Angaben nicht lange suchen musste. Die Öffnungszeiten wiederum wolle sie „für die Gäste genauso wie für meine Mitarbeiter so angenehm wie möglich gestalten“.