Stadtleben
Studierende und Uhrmacher vermarkten „Weinstraßen-Uhr“
Wer bei der Bahn arbeitet, sollte die Uhrzeit immer im Blick haben. Auch wenn Adrian Krieg und Simon Niewind bei ihrem dualen Studium bei der „DB Regio“ wenig mit der Fahrplangestaltung zu tun haben, haben sie sich für ein außergewöhnliches Marketingprojekt in ihrem Studiengang „Projekt-Ingenieur“ entschieden: eine Armbanduhr. Mit ihren Kommilitonen Eva Kramm und Daniel Lerch griffen sie den Vorschlag ihres Dozenten Helmut Geduldig auf, eine „Weinstraßen-Armbanduhr“ zu gestalten.
Das Quartett studiert an der Dualen Hochschule in Mannheim (DHBW) Projekt Engineering im vierten Semester. Dozent Geduldig lebt in Neustadt und überlegt sich Jahr für Jahr neue Vorschläge für seine Studenten, in denen sie die Anforderungen des Studiums auf eine praktische Aufgabe als Semesterarbeit transferieren sollen. Er fand in dem Neustadter Uhrmacher Werner Gleber den passenden Partner, um den Studierenden die Idee vorzustellen. Gleber erzählt: „Wir unterhielten uns ein paar Mal über seine Idee, eine Weinstraßen-Uhr herzustellen. Erst dann rückte er damit heraus, dass er daraus ein Projekt im Fach Marketing machen könnte.“
Zifferblätter aus Fassdaube
Die vier ließen sich schnell begeistern. „Es ist etwas Praktisches, wir können das Produkt danach in der Hand halten“, sagen sie. Dozent Geduldig betont, er wolle damit auch etwas für seine Heimat beitragen. Er habe oft verrückte Ideen. Die der Weinstraßen-Uhr habe der Uhrmacher genial umgesetzt.
Die angehenden Projekt-Ingenieure sind für das Marketing und damit auch die Vorstellung des Produkts verantwortlich. Sie trafen sich in vielen Videokonferenzen, um die Marketing-Theorie von 20 Stunden Vorlesung in die Praxis umzusetzen. Derweil kümmerte sich der Uhrmacher um das Handwerkliche. Aus einer Weinfassdaube sägte er die vier Millimeter dünnen Zifferblätter. „Jedes Zifferblatt ist also ein Unikat“, erklärt er. Als Motive laserte er jeweils ein Symbol der Weinstraße ein, wie etwa das Hambacher Schloss, die Limburg oder eine weinselige Elwedritsche. Für weitere Kundenwünsche ist er offen.
Name: Pälzer Urwerk
Die Armbanduhr wird mit einem mechanischen Uhrwerk versehen und erhält ein Lederarmband. Dozent Geduldig: „Das Produkt sollte schon eine gewisse Wertigkeit ausstrahlen.“ Um Proportionen, Technik und Design zu optimieren, investierte der Uhrmacher rund 50 Arbeitsstunden. Jetzt ist er sehr zufrieden und urteilt: „Das ist eine runde Sache“.
Für die Semesterarbeit entwarfen die Studierenden einen Flyer und für das Produkt einen „griffigen“ Begriff: „Pälzer Urwerk“. Die Uhr wird für 279 Euro angeboten, bei Gleber sowie bei Juwelier Joseph in Haßloch. Auch der Dozent ist zufrieden: Er belohnte die Studenten mit einer glatten „Eins“. Simon Niewind ergänzt: „Es hat uns richtig Spaß gemacht, das ist das Wichtigste.“