Neustadt Streitkultur bei strittigen Themen

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Erst am Vormittag haben sich die Sieger und ihre jeweils zwei Mitdebattanten in Vorrunden für das Regionalfinale qualifiziert. Doch die gepflegte Streitkultur wird auch am frühen Nachmittag noch hochgehalten, die Lust am Argumentieren ist ungebrochen. Stefanie Pins, Lehrerin für Deutsch und Sozialkunde am Hannah-Arendt-Gymnasium, bestimmt die Jury und – ganz wichtig – die „Frau an der Klingel“. Sie ist dafür zuständig, dass die Debattierenden die Redezeit einhalten. „Soll in Rheinland-Pfalz die verbindliche Grundschulempfehlung für den Besuch weiterführender Schulen wieder eingeführt werden?“, wird an die Flipchart geschrieben. Wer auf der Pro-, wer auf der Contra-Seite debattiert, ist ausgelost worden. Nun stellen die Schüler der Sekundarstufe (Sek) I ihre ganz unterschiedlichen Positionen vor. Sie belegen mit Zahlenmaterial, dass ohne verbindliche Empfehlung die Zahl der Wiederholer in den weiterführenden Schulen gestiegen ist, machen Vorschläge, welches Gremium eine verbindliche Empfehlung aussprechen sollte, denn Eltern seien in diesem Punkt nicht objektiv. Die Gegner dieser Lösung halten dagegen, dass die Klassen 5 und 6 ja zur Orientierungsstufe gehörten, dass Kinder auch die Möglichkeit haben müssen, mitzuentscheiden und selbst zu erkennen, welche Schulform für sie nach der Grundschule die richtige ist. Die Debatte verläuft sachlich und auf hohem Niveau. Auch wenn es den Schülerinnen und Schülern nicht immer leicht fällt, den Mitdebattanten ausreichend zu Wort kommen zu lassen, ist diese Runde „ein sehr schönes Pro und Contra“, lobt die Jury. Eine „faire und ausgeglichene Debatte“, so die Worte der Jury, liefern sich auch die Schüler der Sek II zu dem „etwas unfreundlichen“ Thema „Soll unsere Gemeinde die nächtliche Beleuchtung von Straßen, Plätzen und öffentlichen Gebäuden beschränken?“ „Ja“, sagen die Befürworter einer Beschränkung; sie führen an, dass zwei Drittel des Lichts der Straßenbeleuchtung ungenutzt bleiben und sprechen von „Lichtverschmutzung“. Die wiederum koste nicht nur unnötig Geld, sie beeinflusse auch das Leben von Pflanzen und Tieren. Beim Menschen können sie sogar zu Krebs-Erkrankungen und Depressionen führen. Man könne Räume nachts abdunkeln oder eine Schlafmaske tragen, kontert die Gegenseite. Sie führt vor allem den Aspekt der nächtlichen Sicherheit auf beleuchteten Straßen und an öffentlichen Orten ins Feld und argumentiert auch damit, dass die Beleuchtung markanter Gebäude als Touristenattraktion auch einen Wirtschaftsfaktor bilden könne. Eine Annäherung der Positionen gibt auch in dieser Runde nicht. Immerhin sind sich Pro und Contra dahingehend einig, dass bei der Beleuchtung auf Umweltfreundlichkeit und Sparsamkeit zu achten ist. Die jungen Leute argumentieren mit viel Sachkenntnis, gehen offen auf die Argumente der Gegenseite ein. Doch einen Kritikpunkt muss die Jury noch loswerden: Sie hätten, statt allgemein zu debattieren, sich stärker an ihren Heimatgemeinden orientieren sollen, wie es im der Fragestellung durch „unsere Gemeinde“ vorgegeben war. Ergebnisse —Auf den ersten Platz setzte die Jury Julian Scammell (Sekundarstufe II, Hannah-Arendt-Gymnasium) und Simon Weis (Sek I, Leibniz-Gymnasium Neustadt). Sie werden gemeinsam mit den jeweils Zweitplatzierten Stefan Heene (Sek II, Gymnasium Edenkoben) und Anna Wittmann (Sek I, Leibniz-Gymnasium) am Landesfinale Rheinland-Pfalz in Mainz teilnehmen, das am 19. April stattfindet. Dort haben sie die Chance, sich beim Debattieren für den Bundeswettbewerb am 18. Juni in Berlin zu qualifizieren. — Auf den jeweiligen Plätzen 3 und 4 landeten in der Sekundarstufe I Laurenz Rieger (Leibniz-Gymnasium) und Christiane Schäfer (Gymnasium Edenkoben), in Sek II Mira Seidel (Gymnasium Edenkoben) und Eva-Maria Spengler (Trifels-Gymnasium Annweiler). (hjm)

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