Neustadt
Streit um Fassade für neue Flüchtlingsunterkunft
„Wir sind Opfer unternehmerischer Entscheidungen, teilweise auch von Schlamperei“, hatte Oberbürgermeister Marc Weigel auf Anfrage des SPD-Fraktionsvorsitzenden Pascal Bender in der Stadtratssitzung am 2. Juni erklärt.
Als es 2016 zunehmend schwerer wurde, die Asylbewerber unterzubringen, beschloss die Stadt einen Neubau in der Böhlstraße. Das Gelände war im Flächennutzungsplan überhaupt nicht als Baufläche ausgewiesen. Um die damals große Anzahl an Zuwanderern unterbringen zu können, durften Kommunen aber davon abweichen.
Für kinderreiche Familien
Das Objekt mit 38 Wohnungen soll bis zu 200 Asylbewerber aufnehmen und ist von seinem Zuschnitt her speziell geplant für kinderreiche Familie. In der Regel leben diese in Wohnungen, die die Stadt auf dem freien Markt mietet.
Baubeginn für das Gebäude war im Oktober 2017. Ursprünglich sollte es spätestens Mitte 2019 bezugsfertig sein.
Mehrkosten ungewiss
Dass die Arbeiten ins Stocken geraten sind, hängt mit den Putz- und Stuckarbeiten für die Außenfassade zusammen. Die Experten der Bauabteilung monierten eine nicht fachgerechte Ausführung. „Der Firma wurden gemäß Vergabe- und Vertragsordnung Fristen zur Beseitigung der Mängel sowie zur Fertigstellung der Arbeiten gesetzt“, heißt es auf Anfrage bei der Pressestelle der Stadt. Weil die Fristsetzung dann ohne ein Ergebnis blieb, habe die Stadt den Vertrag gekündigt und die Restarbeiten neu ausschreiben müssen. Ein neues Unternehmen, das die Arbeiten ausführe, sei bereits gefunden. Das Rechtsamt prüfe derweil juristische Schritte gegen die in der Kritik stehende Firma.
Ursprünglich waren für das Gebäude 5,2 Millionen Euro eingeplant. Nach Angaben des Gebäudemanagements komme es nun zu Mehrkosten, deren Höhe derzeit noch ungewiss sei.
Einzug im September
„Einzug soll nun im September 2020 sein, auch wenn zu dem Zeitpunkt die Pflanz- und Rasenarbeiten noch nicht abgeschlossen sind“, erklärt Stadtsprecherin Aline-Kristin Großstück. Die Arbeiten für die Außenanlage sollen Ende Juni beginnen.
Derzeit sind 320 geflüchtete Menschen durch die Stadt in Wohnungen oder Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Mietverträge seien noch keine gekündigt, weshalb die Abteilung keine Eile oder Notlage sehe.