Neustadt Stiftungen hoffen auf Spenden

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Nicht nur Privatsparer und Banken leiden unter der Niedrigzinspolitik. Da angelegtes Geld keine großen Erträge mehr abwirft, betrifft dies auch Stiftungen.

Haben Stiftungsvorstände, die bei grob fahrlässigem Verschulden sogar haften, bisher den risikolosen Weg in Geldanlagen wie Festgelder oder festverzinsliche Anleihen gewählt, waren Spekulationsverluste ausgeschlossen. Doch viele hochverzinsliche Papiere laufen aus und können zu den bisherigen Konditionen nicht verlängert werden. Damit reduziert sich mit der Zeit das Stiftungskapital. Außerdem fehlen die Erträge, aus denen ein gemeinnütziger Stiftungszweck bedient werden kann. „Leider sind bedürftige Menschen betroffen“, bedauert Ulrike Schneider, Pressesprecherin der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD). Gleich drei gemeinnützige Stiftungen werden von der Behörde verwaltet. Ihr Vorsitzender ist kraft Amtes SGD-Präsident Hans-Jürgen Seimetz. Sie haben ihre Ursprünge im 19. Jahrhundert. Teilweise zusammengelegt und um Stiftungszwecke erweitert tragen sie heute die Namen „Stiftung zur Förderung begabter und bedürftiger Jugendlicher sowie junger Schriftsteller und Publizisten im Stefan-George-Haus in Bingen“, „Stiftung zur Hilfe in Notfällen oder in besonderen Lebenslagen“ und „Stiftung zur Unterstützung von Frauen, Alleinerziehenden und Hausgehilfen“. Das Stiftungskapital aller drei Stiftungen zusammen beträgt derzeit über 400.000 Euro und konnte bei noch guter Verzinsung allein im Jahr 2010 über 12.000 Euro an 85 Bedürftige ausschütten, teilt Andreas Schlifski vom Referat Öffentlichkeitsarbeit der SGD mit. Unverschuldet in Not geratene Menschen wurden von Beratungsstellen vermittelt oder ihre Bedürftigkeit durch die Stiftungsverwaltung geprüft. Stiftungszuwendungen können nur Personen erhalten, die ihren Wohnsitz im Zuständigkeitsbereich der SGD Süd haben. Mittlerweile habe man noch 200 bis 300 Euro Ertrag und überlege, wie man das Problem löse, erklärt Schneider. Zwar freue man sich über Spenden, aber die seien nicht planbar. Mit dem Bild „wie ein großer Tanker auf Grund, der auf die Flut wartet“, beschreibt Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer die Situation der Margret-Lichtenberger-Stiftung, deren Erträge die Arbeit der Ökumenischen Sozialstation unterstützen. Ihr Geschäftsführer, Luigi Hohenegger, bedauert den Verlust der Zuwendungen in Höhe von bis zu 4.000 Euro im Jahr, zumal der Bedarf zunehme. Die Gelder seien für die zusätzlichen Einsätze von Pflegekräften der Sozialstation in der letzten Lebensphase Schwerkranker eingesetzt worden, die sonst nicht bezahlt würden. „Wir werden aber trotzdem nicht davon rennen, wenn diese Menschen unsere Hilfe brauchen“, verspricht Hohenegger und hofft auf Spenden. Gegenmaßnahmen, um die Erträge verlässlich zu erhöhen, könne man derzeit nicht ergreifen, meint Stiftungsratsvorsitzender Röthlingshöfer. Da die Stiftung klein sei, gebe es kein Personal, das Zeit und Wissen einbringen könne, um Geldanlagen ertragreicher, damit aber auch risikoreicher und überwachungsintensiver umzustrukturieren oder zusätzliche Aktionen zur Mittelbeschaffung ins Leben zu rufen, bedauert er. Kein Problem hat derzeit Ulrike Dittrich von der Stiftung „Hambacher Schloss“ „Wir sind nicht abhängig von Zinserträgen, da unser Stiftungsvermögen in erster Linie das Schloss mit seinen Grundstücken und den Ausstellungsobjekten ist“, erklärt die Schlossmanagerin. (aew)

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