Deidesheim Stiftung Bürgerhospital: Seit 530 Jahren für die Menschen da

Die Stiftung Bürgerhospital in Deidesheim feiert 530-Jähriges und der MGV Niederkirchen gratuliert.
Die Stiftung Bürgerhospital in Deidesheim feiert 530-Jähriges und der MGV Niederkirchen gratuliert.

Es ist zwar kein runder Geburtstag – aber wer 530 Jahre alt wird, sollte das auf jeden Fall feiern: Seit 1494 besteht die Stiftung Bürgerhospital in Deidesheim und für die Verantwortlichen der Stiftung war das ein Grund, das Stiftungsfest in einem würdigen Rahmen zu begehen.

Am 25. April 1494 erschien im Rathaus von Deidesheim der „veste Nicolaus genand Übellhirn von Böhl“ und erklärte, er wolle zum Wohl der Bürger von Deidesheim, wozu auch das heutige Niederkirchen gehörte, eine Stiftung machen, die den Menschen, die unverschuldet in Not geraten seien, helfen solle. Außerdem „liegt Deidesheim an einer vielbegangenen Pilgerstraße, weswegen oft notdürftige Pilger und Fremde in die Stadt kämen, wo sie die Werke der Barmherzigkeit in Anspruch nehmen müssen“.

Ritter Nikolaus von Böhl war es wichtig, dass die Sieben Werke der Barmherzigkeit gewahrt werden: „Fremde beherbergen, Hungrige speisen, Durstige tränken, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten“ – das sind die Aufgaben des Spitals, die am Samstag auch im Mittelpunkt des ökumenischen Gottesdienstes in der Spitalkapelle standen, den Pfarrerin Luise Burmeister und Pfarrer Matthias Schmitt mit Begleitung des katholischen Kirchenchors aus Niederkirchen konzelebriert haben. Die Ideen aus dem Mittelalter sind den Anforderungen der modernen Gesellschaft angepasst – dazu gehören die Bewahrung der historischen Bausubstanz ebenso wie der Abbau von Barrieren oder die Hilfe für Menschen.

Manfred Dörr erinnert an die Geschichte

Beim Umtrunk im Hof der Stiftung erinnerte Stadtbürgermeister Manfred Dörr, der seit 20 Jahren auch Vorsitzender des Spitalrates ist, an die Bedeutung des Spitals für die Bevölkerung und an eine Drohung des Stifters: „Nikolaus von Böhl hat gedroht, sollten die Verwalter der Stiftung etwas zum Schaden der Stiftung tun, ,werde er Maria, die Mutter Gottes und Königin des Himmels, sowie die Heiligen Antonius und Valentin bitten, sich an den Tätern und ihren Helfershelfern mit denen höchsten bösen Strafen und Plagen zu rächen.’“

Dabei erinnerte Dörr auch an jene Zeit, in der die stiftungseigene Kurzzeitpflege nicht mehr fortgeführt werden konnte: „Es gab einen zu hohen Investitionsstau, auch kam eine Erweiterung des Pflegetrakts aus denkmalrechtlichen Belangen nicht in Frage, so dass die Heimaufsicht gar drohte, das Haus zu schließen.“ Ein Tauschgeschäft mit dem Caritasverband in Speyer war damals die Lösung: „Wir haben vorgeschlagen, dass die Stiftung Bürgerhospital, der auch das Gebäude des Kindergartens gehörte, dieses der Stadt überlässt. Im Gegenzug erhielt das Bürgerspital ein Grundstück neben dem Caritas-Altenzentrum. Das Spital überließ dieses Grundstück in Erbbaupacht dem Caritasverband, der darauf zusammen mit dem Siedlungswerk Speyer einen Anbau errichtete, in den später die Bewohnerinnen und Bewohner der Kurzzeitpflege einziehen konnten. Nur so konnten wir das alte Bürgerspital später in ein barrierefreies Hotel mit 44 Zimmern, dem Café und der Generationenhilfe umgestalten“, erinnerte Dörr. Der Umzug der Kurzzeitpflege ins Caritas-Heim erfolgte 2013. Es sei ein gemeinsamer Beirat geschaffen worden, in dem Vertreter der Stiftung Bürgerhospital und des Caritasverbands Mitglied sind und gemeinsam die weiteren Entwicklungen gestalten, so Dörr, der sich zugleich von seinem Amt als Spitalratsvorsitzender verabschiedete, da er im Juni nicht mehr zur Wahl des Stadtbürgermeisters antritt.

Er dankte zugleich Geschäftsführer Stefan Wemhoener, Silvia Robert (Geschäftsleiterin des Hotel-Cafés Ritter von Böhl) und Hans-Peter Gans, sowie allen Damen und Herren des Aufsichtsrats der Stiftung Bürgerhospital aus Deidesheim und Niederkirchen. „Sie haben alle einen großen Anteil an der Sicherung und Weiterentwicklung dieser einzigartigen Stiftung und sie haben den Beweis dafür geliefert, was man gemeinsam Gutes für die Menschen bewirken kann.“

Kleinod im Herzen von Deidesheim

Umrahmt wurde die Feierstunde, bei der Verbandsbürgermeister Dieter Dörr, Ortsbürgermeister Stefan Stähly aus Niederkirchen sowie die Altbürgermeister der Gemeinde, Helmut Kähs und Josef Seckinger, dabei waren, von den Kleinsten der städtischen Kindertagesstätte Vogelnest, der Sitztanzgruppe des Caritas-Altenzentrums und der Forster Erzählerin Sabine Heinrich, die auf die Historie des Kleinods im Herzen von Deidesheim einging. Mit dem Kirchenchor um deren Leiterin Juliane Schlich und dem Männergesangverein Niederkirchen, der mit den Secco Singers eine musikalische Reise durch den Frühling bot, war auch musikalisch beim Geburtstagsfest einiges geboten. Darüber hinaus konnten sich die Besucher auch an den Ständen über die Lebenshilfe und die Riding Santas informieren, die sich in beispielhafter Weise sozial engagieren. Für den musikalischen Abschluss sorgte die bekannte Puzzle-Band der Lebenshilfe.

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