Neustadt Stelldichein mit Hindernissen
Deidesheim. „Halli Galli: In geheimer Mission – der verliebte Botschafter“ lautete das Motto von Freitag bis Sonntag im Boulevardtheater Deidesheim. Mit drei ausverkauften Vorstellungen der neuen Komödie hat das Ensemble ein gelungenes Premierenwochenende feiern können. Die Besucher wiederum honorierten das rasante Stück, das mit Verwechslungssituationen und derbem Humor für viele Lacher sorgt, mit begeistertem Applaus und Standing Ovations.
Schon das Aufziehen des roten Vorhangs wird gelungen inszeniert: Zu Max Raabes Interpretation von „Sexbomb“ stolziert Tim Poschmann von einer Seite auf die andere, flirtet dabei mit den Besuchern der ersten Reihe und bewegt seine Lippen synchron zum Text. Dabei ist der junge Schauspieler kaum wiederzuerkennen: Mit grauer Perücke und Frack gibt er einen vortrefflichen Butler ab, dem das Leben nicht nur von seinem Chef schwer gemacht wird. Denn es stellt sich heraus, dass gleich mehrere Personen im Geheimen ein frivoles Wochenende im Feriendomizil in der Pfalz geplant haben. Botschafter Franjo Ivanovic (Boris Stijelja) möchte ungestörte Stunden mit Nachbarin Lulu Mops (sehr sexy und authentisch: Manuela Brk-Smolenga) verbringen, während er seine Frau Sandy (Sabine Helfrich) auf einer Schönheitsfarm vermutet. Seine Tochter Laura (Eva Berlejung) hat allerdings ihren heimlichen Freund Julian (Marc Zech) für ein romantisches Wochenende eingeladen. Das Chaos perfekt macht eine Bombendrohung in der Botschaft in Frankfurt, die den Sicherheitsbeauftragten Horst Ferzbeitel (Stefan Beyer) samt Sekretärin Biggi Blamage, die von Melanie Jablonski wunderbar naiv dargestellt wird, in die Pfalz bringt. Ferzbeitel soll den Botschafter beschützen und stellt sich dabei – sehr zur Freude der Zuschauer – nicht besonders geschickt an. Stets wittert er hinter einer der zahlreichen Türen genau dann einen Attentäter, wenn diese sich gerade öffnet. So geht die selbstbetitelte „Kampfsau“, die Butler James wegen der Leibesfülle als „Kungfu-Panda“ bezeichnet, mehr als einmal mittels eines Tür-Knockouts zu Boden. Stefan Beyer überzeugt dabei als lispelnder, trotteliger Sicherheitschef, dessen großer Auftritt am Ende kommt: Mit seiner Performance zu „Minnie the Moocher“ sorgt er für mächtig Stimmung im Saal. An dieser mangelt es während des zweistündigen Stücks sowieso nicht, denn die Story nimmt von Anfang an rasant Fahrt auf und lässt den Zuschauern keine Zeit zum Verschnaufen, denn zwischen all dem Tür-auf-Tür-zu passiert so einiges. Da wäre zum Beispiel der arme Julian, Freund der trinkfesten Botschaftertochter Laura, die auf den ersten Blick zwar bieder daherkommt, es aber faustdick hinter den Ohren hat, was Eva Berlejung wunderbar überspitzt darstellt. Marc Zech hat dabei keine leichte Aufgabe zu bewältigen, aber diese meistert er souverän. So verwandelt er sich blitzschnell mittels roter Perücke, Tupfenkleid oder grünem Bademantel in Julia, Lauras beste Freundin, auf die es sofort der Botschafter abgesehen hat. Herrlich absurd wird dadurch die von der Titanic-Titelmelodie „,My Heart will go on“ begleitete Szene, bei der er, während er schüchtern an den roten Haarsträhnen zupft, versucht, sich den Botschafter vom Leib zu halten. Auch als Marc Anthony, dem falschen Bruder des Butlers, macht Zech eine gute Figur, setzt gekonnt Mimik und Gestik ein, und hat daher stets das Mitgefühl der Zuschauer auf seiner Seite. Ein Meister der Gesichtsausdrücke ist wieder einmal Tim Poschmann, der seinen englischen Butler brillant schrullig anlegt und dabei ein feines Gespür fürs Timing zeigt. Wie er als verliebter „Pinguin“ mitsamt dem dazu passenden lüsternen Blick um das naive Blondchen Biggi schleicht und sich dabei genüsslich Zeit lässt, ist zum Schreien komisch. Mit einem unerwarteten Problem hat Theaterleiter Boris Stijelja zu kämpfen: seinem Bart, der sich ständig selbstständig macht. Improvisation ist alles, und so bestellt er kurzerhand einfach den nötigen Spezialkleber, den ihm Butler James auch flugs bringt – eine nicht vorgesehene Szene, die aber für pure Erheiterung sorgt und charmant eingebaut wird. Stijelja zeigt mit der neuen Komödie, dass er nicht nur auf der Bühne brillieren kann, sondern auch als Regisseur. Er hat das Stück von Michael Parker liebevoll überarbeitet, dabei eine ordentliche Portion Pfälzer Humor hinzugefügt und die Charaktere wunderbar schräg angelegt. Die drei Auftritte der nervigen Nachbarin Inge Janus (Didi Smolenga), vor der sich sogar der liebestolle Botschafter fürchtet, sorgen für Abwechslung im turbulenten Chaos, das den Namen „Halli Galli“ wahrlich verdient hat. Die gelungene Inszenierung ist auch dem gut harmonierenden Ensemble zu verdanken, das das Publikum zurecht mit tobendem Applaus feiert. Termine Weitere Vorstellungen von „Halli Galli: In geheimer Mission“ sind am 20. und 25. November und am 17. Dezember geplant. Am 1., 2., 3. und 4. Dezember wird das Stück als „Theater und Menü“ im Restaurant Honigsäckel in Bad Dürkheim gezeigt. Karten (14,30 –18,70 Euro) unter 0172-4008201 oder www.reservix.de.