Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Steinzeit und Wurzelbehandlung

Bis zu 432 Vertiefungen auf dem Golfball sorgen für einen stabilen Flug. Der Golf Club Pfalz verbraucht rund 12.000 Bälle im Jah
Bis zu 432 Vertiefungen auf dem Golfball sorgen für einen stabilen Flug. Der Golf Club Pfalz verbraucht rund 12.000 Bälle im Jahr.

Der Golfsport kommt aus Schottland. Ob er schon in der Steinzeit oder bei Hirten gespielt wurde, ist nicht überliefert. Allerdings hat Golf etwas mit Zahnärzten zu tun.

Golfspieler mit Sinn für Humor behaupten, dass die Wurzeln ihres Spiels in der Steinzeit liegen. Ein Urzeitmensch habe mit seiner Keule einen Stein in die Ferne geschlagen. Archäologische Beweise für diese Theorie gibt es nach wie vor noch nicht. Wahrscheinlicher waren es ohnehin Hirten, die mit ihrem Stab Steine von der Weide geschlagen haben. Als wissenschaftlich belegt gilt Schottland als Ursprung des modernen Golfsports.

Immerhin ist damit die Historie des modernen Spiels bestens dokumentiert. Und demnach ist der Golfsport untrennbar mit Zahnärzten verbunden, denn erst das Guttapercha, der eingetrockneten Milchsaft des malaiischen Gummibaums, machte das Spiel ab 1848 zum heute noch geläufigen Zeitvertreib. Ein Material, das in der Zahnmedizin als provisorisches Füllmaterial, zur Herstellung von Abdrücken, sowie zum verfüllen der Wurzelkanäle bei Wurzelbehandlungen verwendet wurde. Als harter Überzug auf Golfbällen ermöglichte das Guttapercha die ersten industriell und in großen Stückzahlen herstellbaren Bälle und sorgte durch einen gewissen Härtegrad auch für einige Veränderungen im Schlägerbau.

Bis dahin hatten die Golfbälle schon eine lange Reise hinter sich. Zum ersten golfähnlichen Spiel, dem seit 1297 gespielten „Kolven“ aus den Niederlanden, wurden nämlich noch Schläger und Kugeln aus Holz verwendet. Buchsbaumholz genau genommen, die von Bogenmachern in Form gebracht wurden. Aus diesem Grund verbot der schottische König Jakob II. im Jahr 1457 auch das Golfspiel: Die schottischen Bognerhandwerker sollten durch die Herstellung von Golfbällen nicht von der Kriegsvorbereitung abgelenkt werden.

Später wurde der Holzball durch den sogenannten „Featherie“ ersetzt, ein Ledersäckchen in das gekochte Federn oder Haare gestopft, vernäht und ausgehärtet wurden. Als maximale Schlagweite wurden damit nachweislich immerhin 180 Yard (165 Meter) erreicht. Die aufwendige Herstellung dieser Bälle, ein hervorragender Handwerker konnte maximal sechs Feathery-Bälle pro Tag herstellen, machte die Bälle und damit auch das Spiel als solches teuer.

250 Meter Gummifaden

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam dann der erste Guttapercha-Ball, „Gutty“ genannt, bis Coburn Haskell war auf die Idee gekommen, einen bis zu 250 Meter langen Gummifaden um einen harten Kern zu wickeln und mit einer Guttapercha-Schale zu versehen Dieser zunächst glatte Ball erhielt durch den Gebrauch Scharten und Dellen auf der Oberfläche und findige Spieler stellten fest, dass diese „beschädigten“ Bälle weiter und vor allem stabiler flogen als ihre glatten Kollegen. So begann man damit, die Balloberflächen zunächst mit Rillen zu bearbeiten, mittlerweile sorgen bis zu 432 Vertiefungen, die „Dimples“, im Idealfall ruhige und stabile Flugkurven schreibt. Der sogenannte „Haskellball“ veränderte Golf zu dem Spiel, das wir heute kennen, auch wenn der „Gutty“ mittlerweile noch moderneren Materialien Platz gemacht hat.

Urethan, Ionomer und, weiterhin, Kautschuk, sind die Mittel der Wahl, wobei Urethan für mehr Spin und große Haltbarkeit steht, Ionomer, aus dem bei sehr guten Golfbällen die mittlere Schicht besteht, sind hingegen weniger fest. Polybutadien Kautschuk, ein synthetisches Material, ist hingegen der Kern, aus dem alle derzeit erhältlichen Golfbälle bestehen. Der erste Verwendungszweck dafür waren Autoreifen, womit auch erklärt wäre, warum einige Golfballanbieter ihre Wurzeln in der Reifenindustrie haben.

Für die Größe gilt lediglich ein Mindestmaß. Weil kleinere Bälle weniger Luftwiderstand aufweisen, muss die Kugel mindestens 42,67 Millimetern im Durchmesser aufweisen. Bälle mit Übergröße (43,69 bis 44,20 Millimeter) weißen eine geradere Flugbahn auf und sind vollkommen legal. Beim Gewicht ist hingegen ein Höchstmaß von 45,93 Gramm vorgeschrieben. Der „Royal & Ancient GC of St. Andrews“, welcher 1834 aus der 1754 gegründeten „Society of St. Andrews Golfers„ hervor ging, wacht dabei ständig über die Einhaltung von Regeln und Etikette.

Bis zu 200 Stundenkilometer

Ein Schlagtempo von bis zu 200 Stundenkilometern wird von Profispielern problemlos erreicht. Die größte bislang gemessene Schlagweite von 700 Metern, erreicht bei den Texas Open 1992, kam allerdings zustande, weil Carl Hoppers Abschlag auf einem abschüssigen Asphaltpfad landete und dort gemütlich seines Weges hoppelte. Damit hätte er beim einzigen Par 7–Loch der Welt, der Bahn sechs des Koolan Island Golf Club in Australien, eine passable Annäherung geschafft, denn hier liegen zwischen Abschlag und Loch 782 Meter. Die Spielbahn wird auch von Flugzeugen für Start und Landung genutzt.

Beim Golf Club Pfalz in Neustadt sind die Bahnen nicht so lang. Dafür hier sind rund 12.000 Bälle pro Jahr im Umlauf. Wie viele davon auch im täglichen Betrieb sind, sei unmöglich zu beantworten, so die Antwort aus dem Club. Dabei handelt es sich um Range-Bälle, also die etwas günstigere, weil nicht so aufwendig produzierten Trainingsbälle für Abschlagübungen auf der Driving Range. Im Korb liegen dabei 24 Bälle, die von Mitgliedern für 1,50 Euro erworben und zu Übungszwecken in die Landschaft geschlagen werden. Die Anzahl der Bälle, die von den Spielern mit auf die Anlage gebracht, und im besten Fall auch wieder mit nach Hause genommen wird, sei hingegen völlig spekulativ. Der Kostenpunkt für die vor allem auf der Driving Range eingesetzten Kugeln liegt bei etwa 30 Cent pro Stück und die Spieler erhalten am Automaten jeweils gleich 20 Bälle zum Einschlagen. Die eigentlichen Spielbälle sind hochwertiger und Preise von bis zu 16,25 Euro pro Stück sind keine Seltenheit.

Der älteste dokumentierte Golfball der Welt aus dem Jahr 1452 ist im Übrigen aus Holz und im Golfmuseum Regensburg zu bestaunen.

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