Neustadt Stefano Molardi spielt beim Orgelsommer

Spielt in Neustadt: Stefano Molardi.
Spielt in Neustadt: Stefano Molardi.

Der in Cremona geborene und als Professor für Orgel in Lugano tätige Stefano Molardi ist einer der weltläufigen Künstler, die am Wochenende dem Neustadter Orgelsommer erneut internationales Gepräge verleihen.

Er ist ein unstreitig reisefreudiger Interpret: Ottobeuren, Padua, Solothurn, Salamanca, Bratislava, Bern, Venedig, Avignon – die Liste der gerade aktuellen Konzertlokalitäten quer durch die europäische Orgel-Landschaft ließe sich ohne Not fortsetzen. Am 13. und 14. Juli freilich, da macht Stefano Molardi, Professor an der Musikuniversität in Lugano und einer der Star-Organisten beim Festival Neustadter Orgelsommer, Station in der Pfalz. Nach Portugal und Spanien ist das zweite der Orgel-Kompaktwochenenden im thematischen Flow „Sterne des Südens“ mit drei Konzerten nochmals Portugal und vor allem dem Adrialand Italien gewidmet.

Wer wie Molardi, auch als gefragter Cembalist, gelegentlich in der New Yorker Carnegie Hall, dem Amsterdamer Concertgebouw, in Los Angeles, dem Theatro de Fenice, Venedig, oder auch dem Wiener Musikverein konzertiert – ist für den eine Einladung nach Neustadt, in die bescheidene pfälzische Kleinstadt, überhaupt eine Option? Lautet die zugegeben provokante Frage an den sympathischen, äußerst eloquenten Interview-Partner. Und er wehrt prompt und entschieden ab. Er habe sich sehr gefreut über die Einladung, sei auch gespannt auf die Instrumente, die er kennenlernen werde.

Gerne in Deutschland unterwegs

„Wissen Sie, ich bin neugierig; auf wunderbare Orgeln, auf Menschen, denen ich neu begegne, und auf neue Repertoireimpulse, die sich immer, auch an scheinbar pittoresken Orten ergeben.“ Im Übrigen sei er sehr gerne in Deutschland unterwegs, habe unzählige Freunde hier. Und natürlich: Es sei das Land Frobergers, Buxtehudes und vor allem Johann Sebastian Bachs, der für ihn der wohl wichtigste Fixstern im musikalischen Kosmos sei.

In der Tat – wer Molardis eindrucksvolle Discographie Revue passieren lässt, wird unschwer die Gewichtung auf das Werk des Thomaskantors und seines Umfelds übersehen. „Und natürlich betrachte ich als Italiener die formbildenden Ursprünge in der Renaissance, wie sie im Frühbarock allmählich nach Süddeutschland überschwappten – Frescobaldi ist da ein ganz wichtiger Name – und schließlich in die norddeutsche Schule – Buxtehude – eingeflossen, weiterentwickelt wurden. Die Toccata etwa oder das Ricercar, die Fuge - uritalienische Formate. Die erfuhren bei Bach etwa grandiose Erweiterung, will sagen Vollendung.“

Unterrichten als Herzenssache

Wenn man ihm so zuhört – und das tue ich mit zunehmender Begeisterung – wird auch gleich klar, dass Molardis zweites Standbein, das Unterrichten als Professor in Luzern und auf regelmäßige Einladungen für Meisterklassen in Como, Mailand, Cremona, Sevilla, Budapest und auch Dresden, kein Statussymbol, sondern vielmehr Herzenssache ist. „Ich lerne von meinen Studenten“, fasst er das lapidar zusammen und meint damit den Diskurs, die vitalen Impulse, die das Arbeiten mit jungen, talentierten Nachwuchsmusikern aus der ganzen Welt und auf Augenhöhe auch für ihn ertragreich gestalten.

Geboren ist Stefano Molardi 1970 in Cremona, in der Stadt, in der 1567 Claudio Monteverdi zur Welt kam, wie er gleich anmerkt. Und die Amatis, Guarneris und Stradivaris ihre Geigenbau-Dynastien errichteten. Studiert hat Molardi ebenda, außerdem in Como und Wien, unter anderem beim „Orgel-Papst“ Michael Radulescu; und interessanterweise mit einer musikwissenschaftliche Dissertation über ein zeitgenössisches Gipfelwerk promoviert, Olivier Messiaens „ Nativité du Seigneur“. „Ja, ich spiele natürlich viel Alte Musik, aber ebenso gerne auch Liszt, Reger, Schönberg, Werke der französischen Orgelschule – Cesár Franck etwa - oder der Moderne“, stellt er nachdrückliche klar.

Auf dem gesamten Globus unterwegs

Als Organist, Cembalist, Kammermusikpartner – u. a. mit den Geiger Gian Andrea Guerra - und auch Orchesterleiter ist Stefano Molardi praktisch auf dem gesamten Globus unterwegs, hat sich zahlreiche Preise erspielt und unzählige Festivals bespielt, wird auch immer wieder gerne in Jurys internationaler Wettbewerbe geladen.

In der Neustadter Stiftskirche wird er am Samstag während der langen Orgelnacht zusammen mit drei weiteren Interpreten zu hören sein. Da soll es mit Toccaten der Meister Claudio Merulo, Marco Antonio Cavazzoni, Girolamo Frescobaldi und Alessandro Poglietti ein italienisches Programm aus dem Urquell der musikalischen Renaissance geben. Am Folgetag in der Lambrechter Klosterkirche stehen zwei Kompositionen Sebastian Bachs, die sich thematisch auf Werke der tief verehrten italienischen Vorläufer Corelli und Vivaldi beziehen, im Mittelpunkt.

Info

Festival „Neustadter Orgelsommer“: Freitag, 12. Juli, 18 Uhr, Stiftskirche, Matteo Venturini und Rui Paiva; Samstag, 13. Juli, 19 Uhr, Stiftskirche, Orgelnacht mit Weinlounge und Stefano Molardi, Matteo Venturini, Rui Paiva, Simon Reichert; Sonntag, 14. Juli, 19 Uhr, Klosterkirche Lambrecht, Stefano Molardi, Simon Reichert; Tickets www.ticket-regional.de/neustadter-orgelsommer, Buchhandlung Trotzkopf, Tabak Weiss und Touristen-Information Neustadt.














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