Neustadt
Stefan Krumm-Dudenhausen kandidiert für die Freien Wähler
Es gibt diese alte Weisheit, dass Niederlagen entscheidender sind als Siege. Dass man stärker wird, wenn man wieder aufsteht. Dabei war sie eigentlich keine Niederlage für Stefan Krumm-Dudenhausen, die Wahl zum Ortsvorsteher von Diedesfeld, 2019. Wenn man ihn darauf anspricht, lacht er. „Ich hab’ das Ding gewonnen, mit rund 60 Prozent.“
Erstaunlicherweise erst nach der Wahl dämmerte es allen Beteiligten, dass der vermeintliche Sieger das Amt gar nicht antreten durfte: Weil Stefan Krumm-Dudenhausen – mittlerweile seit 20 Jahren – als Veranstaltungstechniker bei der Tourist, Kongress und Saalbau GmbH arbeitet, und weil die eine „Tochter“ der Stadt Neustadt ist, darf er, Angestellter im Öffentlichen Dienst, kraft Gesetzes in Neustadt nicht Ortsvorsteher sein. „Ich hatte vorher beim Wahlamt gefragt, und die sagten, es gebe da keine Probleme“, schildert Krumm-Dudenhausen. Natürlich sei er schwer enttäuscht gewesen, habe den Fehler aber erst mal bei sich gesucht. „Aus Fehlern lernt man“, sagt er und: „Ich habe meine Mitte gefunden.“
Seit 2012 politisch tätig
Ein Gespräch mit ihm über Politik und sonstige Dinge des Lebens kann sehr intensiv sein, impulsiv und humorvoll. Er ist 49, wurde im Sauerland geboren. Er wirkt authentisch, optimistisch und pragmatisch. Er hat Werkzeugmechaniker gelernt, Abitur auf dem Abendgymnasium gemacht und in Heidelberg Medizin studiert. Dass es im Beruf des Werkzeugmechanikers auf Bruchteile von Millimetern ankommt, wie auch in der Medizin, erwähnt er sicher nicht zufällig. Während seiner Heidelberger Zeit studierte seine Frau Architektur in Kaiserslautern, „da lag Neustadt in der Mitte“. So wurde die Stadt zur neuen Heimat. Drei Kinder hat das Ehepaar.
Zum ersten Mal mit Politik in Berührung kam er 2012 „als Bürger“, wie er betont, als es in Diedesfeld um Funkmasten ging. „Mich hat geärgert, dass viele Menschen Angst vor Veränderung haben und bei der Digitalisierung zuerst an gefährliche Strahlung denken“, klagt er. Dann ging es um den Ausbau von Straßen. Alles Dinge, die sich sehr handfest an der Basis abspielen, beim Bürger.
Rückenwind durch Landtagswahl?
„Ich bin bodenständig“, so beschreibt er sich, „ich will wissen, wo die Menschen der Schuh drückt, und dann muss man Lösungen finden, gemeinsam.“ Am liebsten im persönlichen Gespräch. Den Ausbau erneuerbarer Energien nennt er – neben „bezahlbarer Wohnraum“, „steuerliche Begünstigung von Familien“ und „Stärkung der Pflegeberufe“– zuvorderst bei seinen politischen Zielen. Aber Windräder im Biosphärenreservat Pfälzerwald will er sich partout nicht vorstellen.
Er wolle in seinem Leben nicht nur Politik machen, bekundet er. Als es darum ging, wer Direktkandidat der Freien Wähler bei der Bundestagswahl wird, „hab’ ich dann aber schon den Finger gehoben“. Natürlich erst, nachdem seine Familie ihr Okay gegeben hatte. Bei Umfragen liegt seine Partei noch klar unter der Fünf-Prozent-Hürde, „aber das war vor der Landtagswahl ja auch so.“ Der Einzug ins Mainzer Parlament beflügele die Freien Wähler.
Die Serie
Zehn Kandidaten bewerben sich im Wahlkreis Neustadt-Speyer, der neben den beiden kreisfreien Städten den Kreis Bad Dürkheim und Teile des Rhein-Pfalz-Kreises umfasst, um das Direktmandat bei der Bundestagswahl am 26. September. Die RHEINPFALZ stellt sie vor.