Neustadt Start mit einem ganz Großen der Szene

Neustadt. Ihre bereits vierte Auflage erfährt im November die Reihe „Kultur im Kelterhaus“, die bis April 2016 mit insgesamt sieben Musikshows in unregelmäßigen Abständen im Mußbacher „Weinland Meckenheim“ aufwartet. Wie gewohnt setzt der Veranstalter auf eine interessante Mischung aus altbewährten und neuen Programmpunkten.
Nachdem die Organisation bisher ausschließlich in den Händen des Neustadter Konzertbüros Christoph Schmid lag, beteiligen sich nun erstmalig auch der Duttweilerer Promoter Gunther Metz (23. Januar) und der Neustadter Kulturverein „Wespennest“ (7. November) mit jeweils einem Konzert an der Konzertserie. Die „Wespen“ treibt es ab Ende des Jahres auch verstärkt in größere Lokalitäten, wobei ihr Beitrag im Mußbacher Kelterhaus sozusagen als Startschuss für das Kommende geplant ist (wir berichteten am 22. Juli). Metz, der früher schon Konzerte in Neustadt veranstaltet hat, möchte nach einer längeren Pause wieder verstärkt in der Szene mitmischen. Die „Kultur im Kelterhaus“ startet gleich mit einem ganz Großen des Business: Gitarrero Tony „Wild T“ Springer kommt mit seiner Band „The Spirit“ während seiner Europatournee aus Toronto/Kanada in die Pfalz und stellt hier gitarrenbetonte, von Blues/Rock/Funk und Reggae inspirierte Songs aus seinen bisher sechs veröffentlichten Alben vor. „Wild T“ wird aufgrund seiner Fingerfertigkeit von Kennern oft mit Jimi Hendrix verglichen, der bekannte Gitarrist Jeff Healey hat ihn sogar einmal als sein persönliches Vorbild bezeichnet. Einer, der sich auf der Bühne gerne wortkarg gibt, mit minimalistischem technischen Aufwand auskommt, es dafür aber mit handwerklicher Finesse, riesiger Spielfreude und voller Aufmerksamkeit auf das musikalische Geschehen trotzdem schafft, seine Fans total für sich zu vereinnahmen, ist der in München lebende Brite Nick Woodland. Donna Summer, The Clash oder Westernhagen haben seine Dienste als Gitarrist schon in Anspruch genommen. Heute, mit 64, konzentriert er sich jedoch mehr auf eigene Musik. Mit seiner hervorragenden Band hat er 2014 schon einmal im Kelterhaus gespielt – der Erfolg war damals so überwältigend, dass er erst nach mehreren Zugaben von der Bühne gehen durfte. Der wahrscheinlich nicht ganz ernst zu nehmende Kommentar des wie immer mit Sakko und Zylinder auftretenden Künstlers dazu: „Ich hatte nicht erwartet, dass die Sache hier so sehr in Arbeit ausartet.“ Während sich Woodland auf der Bühne zurückhaltend und schon beinahe schüchtern präsentiert, gibt Steve Walley eher die typische Rock-Rampensau. Kein Wunder, denn 16 Jahre seines Lebens verbrachte der Gitarrist und Sänger damit, als Frontmann der Rockband Slade durch die Welt zu ziehen. Heute lässt er es etwas ruhiger angehen und tritt neben seinen sonstigen Aktivitäten zusammen mit seinem Sohn Tat auf. Die beiden splitten ihre Auftritte meist in drei Teile: Auf ein akustisches Slide-Set folgt ein Mandolinen-begleiteter Blues-Rock-Part, wie man ihn vermutlich vorher so noch nie gehört hat, der schließlich in einem Feuerwerk aus Electric-Rock, Reggae und Soul-Elementen endet. Im Vorprogramm der beiden tritt der Speyerer Pop-Rock-Newcomer Fabian Schreiber mit seiner Band auf. Mit Titus Wolfe kommt ein Interpret ins Weinland Meckenheim, der es künftig vielleicht nicht mehr auf die Reihe bekommt, vor gerade einmal zweihundert Zuschauern – für viel mehr ist im Kelterhaus kein Platz vorhanden – aufzutreten. Der in Frankfurt aufgewachsene Wolfe hat gerade mit Musikern der Band Mink deVille ein Album in einem Studio in New Jersey aufgenommen, das ihm – mit etwas Glück – zum großen internationalen Durchbruch verhelfen könnte. Der bei den Aufnahmen in den USA zufällig anwesende ehemalige Deep Purple- und Rainbow-Sänger Joe Lynn Turner zeigte sich von der Sangeskunst des heute in Berlin lebenden Musikers so beeindruckt, dass er spontan den Little-Feat-Klassiker „Willin’“ als Duett mit ihm eingesungen hat. In der Vergangenheit hat sich Wolfe vorwiegend als erfolgreicher Filmkomponist einen Namen gemacht. Bis zum Auftritt im Januar in Mußbach wird sich das sicher bereits geändert haben. Selbstverständlich findet bei den Weinland-Konzerten auch wieder die längst zu einer festen Einrichtung gewordene „Pfälzer Bluesnacht“ statt. Wie bisher immer ist die Landauer Band Sixpack dabei, die in den mehr als 30 Jahren ihres Bestehens auf über 500 Auftritte zurückblicken kann. „Beinahe“ zum ersten Mal im Kelterhaus dabei sind die Monatones, ein authentisches Blues-Quintett aus dem Rhein-Neckar-Delta, das mit Sängerin Simone Stöckler eine charismatische Frontfrau vorweist. „Beinahe“ deshalb, weil die Gruppe früher schon mal – mit anderer Besetzung – einen Gig hier abgeliefert hat, damals allerdings noch unter dem alten Gruppennamen Eve Rose Blues Band. Gitarrist der Mannheimer Combo ist der ursprünglich aus Mußbach stammende Pit Schell. Ähnlich wie Sixpack haben auch die Aschaffenburger Rockabilly-Veteranen Boppin’ B drei Jahrzehnte Bühnenerfahrung auf dem Musikantenbuckel. Das Quintett, das normalerweise traditionell am Rosenmontag im Weinland für ausgelassene Stimmung sorgt, hat diesmal seinen Auftritt etwas vorgezogen und verwandelt bereits am Freitag zuvor das Kelterhaus in ein Tollhaus. Mit ihm Gepäck hat es sein neues, zwölftes Album, das schlicht und einfach den Titel Boppin’ B trägt. Zu einem garantierten Höhepunkt der neuen Kelterhaus-Saison wird dann wieder einmal die Show von Elliott Murphy und seiner Band und Olivier Durand werden. Der heute 66-jährige in Paris lebende Amerikaner wurde zu Beginn seiner Karriere oft mit Bob Dylan verglichen. Seit dieser Zeit verbindet ihn auch eine tiefe Freundschaft mit Bruce Springsteen, mit dem er ab und zu auch gemeinsam auf der Bühne steht. Seine Musik ist vielseitig, seine Stimme markant, sein Gitarrenspiel hervorragend. Begleitet wird er von den Normandy Allstars, seiner langjährigen Tourband, zu deren Mitgliedern auch der Ausnahmegitarrist Olivier Durand gehört, mit dem sich Murphy nicht nur auf der Bühne blind versteht, sondern mit dem er auch viele Songs zusammen schreibt. Noch Fragen —Alle Konzerte im Weinland Meckenheim, Mußbach, An der Eselshaut 76, beginnen um 20 Uhr. —Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, in Neustadt bei Tabak Weiss, Telefon 06321 2942, im Media Markt und im Weinland Meckenheim. Außerdem sind die Tickets erhältlich über RTS RHEINPFALZ-Ticket-Service und unter www.reservix.de, sowie an der Abendkasse. Die Eintrittspreise schwanken zwischen sechzehn Euro und zwanzig Euro. —Für den Auftakt der Musikreihe mit der Formation Wild T. & The Spirit ist auch im Neustadter Wirtshaus „Konfetti“ eine Vorverkaufstelle eingerichtet, Telefon 06321 355545.