Ringen
Stargast für den guten Start
Zu seinem Tag der offenen Tür im Sportzentrum Böbig begrüßte der RSV Olympia Neustadt einen besonderen Gast: Annika Wendle. Die 27-jährige Ringerin, Olympiafünfte in Paris, leitete eine Gruppe von etwa 30 Jungen und Mädchen bei einer Trainingseinheit an. Der Verein, im August gegründet, hat einen erfolgreichen Start hingelegt.
Vorstandsmitglied Irena Belov fasst zusammen: „Wir sind ein neuer Verein hier in Neustadt, der erste Ringerverein, bisher gab es nur die Ringerabteilung der TSG Haßloch. Beide Vereine hängen eng zusammen, sind eigentlich eine Ringerfamilie. Viele Mitglieder kommen aus Neustadt und der Platz in Haßloch hat nicht mehr ausgereicht. Außerdem wollten wir den Sport hier präsenter machen und das funktioniert ja nur, wenn man einen Verein gründet. Seit Ende August sind wir ein eingetragener Verein, und um uns bekannter zu machen, gibt es diesen Tag der offenen Tür, des offenen Trainings.“
Klassische Bilder
Auch wenn der Verein guten Zuspruch erfahren hat, sind gerade die Mädchen in der Jugend doch deutlich unterrepräsentiert. Die Gründe dafür erläutert der Stargast der Veranstaltung: „Ganz oft liegt das am klassischen Bild, das man vom Ringen hat. Manche haben Sumo-Ringen im Kopf, andere einen Kampfsport, der brutal sein soll. Oft sagen Eltern: Ja, mein Sohn kann zum Ringen, aber meine Tochter? Das will ich nicht.“
Jasmin Rimmer, selbst früher erfolgreiche Ringerin und heute Trainerin und Vorstandsmitglied des RSV, erklärt: „Ich glaube, viele Mädchen haben Angst vor dem Kampf. Die glauben, da wird gekämpft, da kann man sich verletzen. Und viele Eltern haben Angst davor, dass ihre Töchter das Ringerohr bekommen, das sieht ja nicht schön aus, obwohl das nur ganz wenige Frauen haben. Und es gibt die Angst, dass man durch Krafttraining zu männlich aussieht. Dabei hat der Sport alles: Ausdauer, Krafttraining. Und er formt einen schönen Körper.“
Zum Glück sagt Annika Wendle Ja
Rimmer stellte den Kontakt zur sechsfachen deutschen Jugendmeisterin Annika Wendle her. Die beiden kennen sich noch aus Rimmers aktiven Zeiten: „Ich habe sie immer mal wieder auf Wettkämpfen gesehen. Man hat schon ein bisschen zu ihr aufgeschaut, weil sie den Adler auf der Brust trug und wegen ihrer Erfolge. Wir sind fast im gleichen Alter, deshalb haben wir uns bei den Meisterschaften getroffen. Ich habe sie kontaktiert und gefragt, ob sie Lust hätte. Zum Glück hat sie Ja gesagt. Es hat uns sehr gefreut, dass sie dazu bereit war. Sie war Fünfte bei Olympia. Das kriegt schließlich nicht jeder hin.“
Die 27-jährige vom ASV Altenheim in der Nähe von Offenburg ist selbst das beste Beispiel dafür, dass erfolgreiche Ringerinnen sehr weiblich sein können. Schließlich kämpft sie mit 1,59 Meter Körpergröße in der Gewichtsklasse bis 53 Kilogramm und ist eher klein und zierlich.
Gegnerprofile erstellt
Ihr Trainingsprogramm beschreibt sie so: „Ich mache mindestens zwei Mal pro Woche Krafttraining, dann Ausdauereinheiten, mit intensiven und explosiven Anteilen. Und beim Mattentraining werden die Basics wiederholt und Kampfsituationen durchgegangen.“
Zur Vorbereitung auf ihre Wettkämpfe beschäftigt sie sich mit ihren potenziellen Gegnerinnen: „Man weiß immer schon ungefähr, mit wem man es zu tun bekommt, man sieht die Anmeldungen vorher. Zusammen mit meinem Trainer habe ich Gegnerprofile erstellt, und so bereitet man sich intensiv auf den jeweiligen Gegner vor.“
Grundlegende Dinge
Die jugendlichen Trainingsteilnehmer am Tag der offenen Tür sind von solch akribischer Vorbereitung noch ziemlich weit entfernt. Zunächst geht es für sie um die ganz grundlegenden Dinge, wie Irena Belov erläutert: „Wir wollen viele Kinder motivieren, die vielleicht nicht wissen, was sie mit ihrer Freizeit anfangen sollen. Meistens hängen die ja am Handy oder schauen YouTube. Wir versuchen, so viele wie möglich zu uns zu bekommen. Wir wollen aber auch den Leistungssport voranbringen und erfolgreiche Sportler kreieren.“
Der erste Schritt in diese Richtung wurde am Samstag gemacht. Im Idealfall lässt sich auch das ein oder andere Mädchen von der Olympiafünften Annika Wendle dazu inspirieren, in Zukunft dem Ringen eine Chance zu geben.