Weidenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stand-Up-Paddeln der TuS Lachen-Speyerdorf in Weidenthal

Sie haben den Dreh schnell raus: Amaya Ullrich sowie Hannah, Lennart, Christian und Nicole Sowa (von links) paddeln auf einem ri
Sie haben den Dreh schnell raus: Amaya Ullrich sowie Hannah, Lennart, Christian und Nicole Sowa (von links) paddeln auf einem riesigen Brett über den Weidenthaler Badeweiher.

Ein Paddelbrett so groß, dass eine gesamte Familie darauf stehen kann. Paddel. Und der Weidenthaler Naturbadeweiher. Mehr braucht es nicht für die inklusive Stand-Up-Paddling-Aktion der TuS Lachen-Speyerdorf. Auch Menschen mit Handicap machen mit und werden aus ihrer Komfortzone geholt.

Unter einem karibisch-blauen Himmel wagen die Teilnehmer bei den inklusiven Abenteuer- und Erlebnissporttagen der TuS Lachen-Speyerdorf ein neues Experiment: Auf dem Naturbadeweiher in Weidenthal sind Kinder und Erwachsene erstmals auf Stehpaddelbrettern unterwegs. Sogar einige zufällig vorbeikommenden Motorradfahrer lassen sich zu einem Abstecher aufs Paddelbrett überreden.

Nach Aktionen auf dem Trampolin und mit Seilkonstruktionen im Ordenswald hat sich die TuS Lachen-Speyerdorf jetzt dem Element Wasser und einer neuen attraktiven Sportart zugewandt. Angeschafft wurden mit Hilfe von Sponsoren und aus dem Preisgeld eines von der BASF ausgelobten Inklusionspreises 14 normale Stand-Up-Paddling-Bretter sowie als besondere Attraktion zwei große und sogar rollstuhlgeeignete Geräte im Wert von rund 8000 Euro.

Waterpolo zu anspruchsvoll

Ausgerüstet werden alle Teilnehmer mit Schwimm- oder Auftriebswesten. Zur Sicherheit sind Mitarbeiter mit einem DLRG-Rettungsschein vor Ort. „Ihr müsst aber keine Angst haben, der Weiher ist am Rand ziemlich flach“, beruhigt Karin Schellenberg, als sie allen den Umgang mit dem Paddel auf dem Brett zeigt. So gehen die Kinder vor Ort ihr teilweise feuchtes Abenteuer an. Lediglich ein gebrochenes Paddel ist auf der Negativseite zu registrieren. Es habe allen Spaß gemacht, auch wenn es gegen Abend auf dem Wasser doch etwas kühl geworden sei und das angebotene Wasserpolo-Spiel sich noch als zu anspruchsvoll für die Anfänger erwiesen habe, war das einhellige Betreuer-Fazit am Eröffnungstag.

Erstes Wochenende ausgebucht

Etliche interessierte Einwohner auf dem Weg zum Kerwe-Frühschoppen und der Kerwerede auf dem Sportplatz nebenan blickten auch am Sonntag auf das für sie ungewohnte Bild auf ihrem Weiher, der erstmals bei den Abenteuer- und Erlebnissporttagen ganz den Familien gewidmet war. „Wir hatten bei unseren bisherigen Aktionen für Kinder immer auch Nachfragen, ob man nicht auch Jugendliche und Erwachsene einbinden könne“, erzählt Mia Hemmer. „Wir wussten aber nicht, ob sich dann auch tatsächlich genügend Teilnehmer melden.“ Diese Befürchtung erwies sich als unbegründet, denn alle Termine am ersten Wochenende sind letztlich ausgebucht.

Neue Bewegungsreize

„Es ist etwas Besonderes, dass man als ganze Familie zusammen etwas unternehmen kann. Und vor allem inklusive Angebote sind nur ganz selten zu finden“, freut sich mit Nicole Sowa eine der ersten Teilnehmerinnen über die Aktivitäten auf dem Wasser. Mit Ehemann Christian, Tochter Hannah und dem gehandicapten Sohn Lennart wagt sie sich mit dem ungewohnten Brett in der familiengerechten Größe von 4,80 mal 1,52 Metern auf den Weiher. Der Wassergang klappt auf Anhieb.

Wettkampf auf dem Wasser

Die erste Runde um die Insel ist schnell gedreht. Danach übt sich Familie Sowa mit Unterstützung der jungen Haßlocherin Amaya Ullrich am Slalomfahren um die ausgelegten Bojen. „Und jetzt wollen wir natürlich auch gewinnen“, kündigt Nicole Sowa vor dem Wettkampf mit einer anderen Familie an, die auf dem zweiten Brett unterwegs ist. Gegen Dirk, Tanja, Annina und Matteo Hiegle sowie Alica Ullrich geht es darum, möglichst viele der im Weiher verteilten Tennisbälle einzusammeln.

Dazu lässt Lennart zwischendurch immer wieder seine Hände fasziniert durch das Wasser gleiten, was Karin Schellenberg als weiteres Plus herausstellt: „Bei unseren Angeboten geht es gerade für die gehandicapten Teilnehmer immer auch um neue Bewegungs- und Wahrnehmungsreize. Alle können sich so bewegen, wie sie es gerade wollen.“

Ungezwungener Umgang

Für diesen Ansatz gibt es Lob von Nicole Sowa, die auch aus der Erfahrung vorheriger Aktionen den Umgang der TuS-Mitarbeiter mit ihren Schützlingen als vorbildlich herausstellt: „Sie gehen ganz toll mit allen um und auf alle unterschiedlichen Anforderungen sehr gut ein. Gleichzeitig fordert man die behinderten Jugendlichen aber auch und holt sie damit aus ihrer oft gepflegten Komfortzone.“ Nicht zuletzt aber sei der ungezwungene Umgang in der Gruppe ein ganz wichtiger Pluspunkt der Abenteuer- und Erlebnissporttage, betont Nicole Sowa, „denn sie nehmen von anderen Kindern oft mehr an als von den Eltern“.

Einer dieser Gleichaltrigen ist Matteo Hiegle, für den besonders wichtig ist, „dass hier alle Kinder fast alles machen können“. Und es sei „ganz cool, dass man auch mit Lenny richtig Spaß haben kann“. Lennart zählt mittlerweile eifrig die von ihm aus dem Wasser gesammelten Bälle und freut sich, als das Ergebnis bekanntgegeben wird: Mit 71:60 gewinnt die Familie Sowa. Und passend erklingen Böllerschüsse vom Schützenhaus herüber.

Kontakt/Termine

Auch am Wochenende sind noch Plätze frei beim Stand-Up-Paddling in Weidenthal: für Kinder am Samstag, 11. September, und für Familien am Sonntag, 12. September. Auch Rollstuhlfahrer können den Weiher auf dem Wasser erkunden. Erforderlich ist eine Platzreservierung im Internet unter www.tus1910.de, die ausgefüllt unter anmeldung@tus1910.de zurückgesendet wird. Sollten während des Reservierungsprozesses Probleme oder Fragen auftreten, ist eine Kontaktaufnahme per E-Mail an abenteuer@tus1910.de oder telefonisch unter 06327/5068951 möglich.

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