Neustadt Stadt will Partner, kein Mitglied sein

Der bisherige Willkomm-Vorstand mit dem Vorsitzenden Gerd Wacker, seinem Stellvertreter Dieter Gust und Kassenwart Andreas Mai zog hat sich auf eigenen Wunsch zurück. Neuer erster Mann der Händler- und Unternehmervereinigung ist Stephan Solomon, Koordinator für Studieninformationen an der Universität Mannheim, der im Moment eine Elternzeit einlegt. Der Vorsitzende der Hambacher CDU war seit Januar bereits Schriftführer. Diesen Posten übernimmt nun Martin Laible, Geschäftsführer der Hambacher Schloss-Kellerei. Zum zweiten Vorsitzenden wurde Winfried Walther, Geschäftsführer der Autovermietung Mattern, gewählt. Der neue Schatzmeister Andreas Böhringer führt eine Immobilienverwaltungsfirma und sitzt für die SPD im Stadtrat. Bei den offenen Wahlen gab es jeweils deutliche Mehrheiten mit nur wenigen Enthaltungen. Solomon sagte, in Anspielung auf die Aussage von Oberbürgermeister Hans Georg Löffler, die Willkomm könne mit ihrem Wachstumskurs nicht die ganz Stadt umarmen: „Wir sitzen alle in einem Boot und schlagen keine Hand aus, die man uns reicht.“ Andreas Böhringer machte im Hinblick auf das Angebot der Stadt, das Krasemann-Gelände in Erbpacht zu übernehmen, deutlich, dass es nicht Aufgabe der Willkomm sei, ein Parkhaus zu bauen. Er kenne allenfalls Unternehmer, die sich vorstellen könnten, sich an einem Genossenschaftsparkhaus zu beteiligen. Oberbürgermeister Hans Georg Löffler gab dem neuen Vorstand mit auf den Weg, Probleme intern anzusprechen. „Wir wollen alle die Ware Neustadt verkaufen. Deshalb müssen wir positive Signale setzen. Marketing hat viel mit Psychologie zu tun“, sagte der OB, ehe er ankündigte, dass die Stadt den Wunsch der Willkomm, per Satzung geborenes Mitglied zu werden, ablehnt. „Neustadt hat 120 Vereine, da müssen wir neutral bleiben. Wir sind Partner der Vereine, aber bis auf wenige Ausnahmen nicht Mitglied“, so seine Begründung. Die Neustadter Wirtschaftsförderung sei nicht schlechter als die von Speyer oder Landau. Als Beispiel nannte Löffler die Probleme der Post-Galerie in Speyer, „der ich alles Gute wünsche“. Wie schwer Ansiedlung sei, verdeutliche die Anfrage eines Konzerns für den Bau eines Fünf-Sterne-Hotels in Neustadt: „Die suchten 10.000 Quadratmeter zum Preis von einem Euro. Als wir mit dem Grundstücksbesitzer verhandelten, wollte der 300 Euro den Quadratmeter. Das kann sich eine mit über 80 Millionen Euro verschuldete Stadt nicht leisten.“ Löffler bot der Willkomm einen „fairen Dialog“ an, der am 9. April bei einem Treffen mit dem Vorstand aufgenommen werden soll. Als neues Willkomm-Mitglied wurde der französische Sportartikelhändler Decathlon begrüßt, der eine Filiale im Quartier Hornbach eröffnet hat. Die Kooperation von Innenstadt-Handel und grüner Wiese sei nahezu einmalig für einen Unternehmerverein, erklärte Solomon: „Der gemeinsame Feind ist der Internet-Handel.“ Christian Tuscher, Geschäftsführer des Media-Marktes, arbeitet an einem Konzept für eine bessere Kooperation der Gewerbegebiete mit der Innenstadt. Als Immobilienbesitzer ist Stefan Rouven in die Willkomm eingetreten. Der BASF-Ingenieur ist Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen den B 39-Tunnel. Beiratsmitglied Dieter Gust kündigte für das Bürgerforum zur B 39 eine Präsentation der Willkomm an. Der Vertrag von Willkomm-Berater Karl Eggers ist nach Auskunft der Stadtverwaltung ausgelaufen. Ob er verlängert wird, entscheidet sich laut OB Löffler nach dem Gespräch mit dem neuen Willkomm-Vorstand. (wkr)