Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Stadt könnte zum Vorbild für Bauen mit Holz werden

Ein Beispiel für Holzbau in Neustadt: das 2015 errichtete Haus der Artenvielfalt des Naturschutzverbands Pollichia in der Erfurt
Ein Beispiel für Holzbau in Neustadt: das 2015 errichtete Haus der Artenvielfalt des Naturschutzverbands Pollichia in der Erfurter Straße.

Bauen mit Holz liegt im Trend. Nach dem Willen des Stadtrates soll Neustadt bei eigenen Projekten künftig vorangehen und eine Vorreiterrolle einnehmen, wenn möglich sogar mit Holz aus dem Pfälzerwald. Die Kommunalpolitiker diskutieren bereits über Grenzen und Chancen.

Schon vor drei Jahren machte Umwelt- und Schuldezernentin Waltraud Blarr (Grüne) den Vorschlag, bei einem möglichen Neubau der Realschule plus im Böbig auf Holzbauweise zu setzen. Ein Gesetzentwurf aus Mainz könnte diesem Vorhaben behilflich sein.

Bislang erlaubte die Landesbauordnung nur Holzgebäude bis zu einer Höhe von 13 Metern. Künftig soll die Grenze bei 22 Metern liegen. „Holz ist ein besonders nachhaltiger, umweltschonender Baustoff, der für die Erreichung unserer Klimaziele eine wichtige Rolle spielt“, begründete Bauministerin Doris Ahnen (SPD) die Initiative. Davon könne zudem die regionale Waldwirtschaft profitieren.

Antrag der CDU

Der Vorstoß der Landesregierung war bei der Neustadter CDU noch gar nicht bekannt, als die Fraktion im April den Antrag für den Stadtrat stellte, künftig Holzbauweise bei städtischen Projekten in Erwägung zu ziehen. „Ich musste schmunzeln, als ich davon gehört habe. Das kam wie gerufen“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Clemens Stahler: „Egal ob Lagerhalle, Kindertagesstätte oder Schulbauten, aus unserer Sicht sollte immer geprüft werden, ob wir das nicht mit Holz machen können. Schließlich sind wir auch eine sehr waldreiche Kommune.“ Der im Holz enthaltene Kohlenstoff bleibe langfristig gebunden, und die CO2-Emissionen würden deutlich gesenkt.

Im Stadtrat gab es in der Sitzung am 2. Juni viel Unterstützung für den Vorschlag. Andreas Böhringer (SPD) bezeichnete Bauen mit Holz nicht nur aus wirtschaftlichen, technischen und ökologischen Aspekten für erstrebenswert, sondern auch aus städtebaulichen Gründen. Allerdings gab sein Parteikollege Werner Schreiner zu bedenken, dass es aus Wettbewerbsgründen schwierig sein könne, bauen mit Holz bei einer Ausschreibung vorzuschreiben.

Schon Bauten mit 40 Meter Höhe

Joachim Becker, Mitglied des Bauausschusses für die CDU und Architekt aus Haardt, sieht darin kein Problem: „So wie es viele Ausschreibungen gibt, bei denen Betonbauweise vorgegeben ist, lässt sich das mit Holz auch praktizieren.“ Er verweist auf zwei Projekte seines Büros: die neuen Einzelhäuser des GDA-Wohnstiftes und ein Wohnheim für Studierende in Mannheim. Beispielhaft für den Südwesten sei unter anderem das von der Autobahn A 67 aus zu sehende Verteillager der Naturkost-Kette Alnatura in Lorsch bei Darmstadt. Er selbst habe vor kurzem ein 40 Meter hohes Holzgebäude in Wien besichtigt. „Da läuft gerade eine Art Rekord-Wettbewerb: Wer kann höher mit Holz bauen?“

Die Idee von Blarr, einen Neubau der Realschule aus Holz zu erstellen hat für Becker „viel Charme“. Aber auch einen sogenannten Hybridbau mit Beton und Holz kann er sich vorstellen.

Brandschutz wohl kein Problem

Baudezernent Bernhard Adams (parteilos) bringt nach eigener Aussage „viel Sympathie für Bauen mit Holz“ auf. Er denke in dem Zusammenhang an zwei anstehende Kita-Neubauten, die sich dafür anbieten würden. Beim Neubau einer Schule gebe es die relativ engen Grenzen des Raumprogramms des Landes für die Schulen zu berücksichtigen, was sich auch auf die Zuschüsse auswirke. „Da müssten wir mit dem Land sprechen und schauen, was auch finanziell umsetzbar ist“, so Adams.

Der Brandschutz, früher oft das Argument, bei Schulen nicht mit Holz zu bauen, spielt in dem Zusammenhang keine so große Rolle mehr. „Klar ist das etwas aufwendiger, aber stets auch in den Griff zu bekommen“, sagt dazu Fachmann Joachim Becker.

Was wohl bei europaweiten Ausschreibungen aus rechtlichen Gründen nicht möglich sein wird: der Baufirma vorzuschreiben, dass das Holz auch aus dem Pfälzerwald kommen muss.

Einwurf: Lernen über Holz

Wenn der Antrag zum Bauen mit Holz im Stadtrat über ein Symbol hinausgehen soll, dann müssen auch Nägel mit Köpfen gemacht werden. Soll heißen: Die Bauverwaltung legt künftig bei allen Projekten die Priorität auf den Baustoff Holz. Wenn sich in der Planungsphase herausstellt, dass es nicht möglich ist, kann immer noch konventionell geplant werden. Und ja: Der Bau einer Schule aus Holz wäre gleich doppelt nachhaltig. Schüler, die fast täglich in einem solchen Gebäude lernen, entwickeln einen ganz anderen Bezug zu dem natürlichen Baustoff. Lernen fürs Leben.

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