Neustadt
Stabwechsel beim „Hambacher Musikfest“
In ihre Aufgabe als „graue Eminenz“ des Hambacher Musikfests war Erika Buße eher durch Zufall hineingewachsen: Der erste Kontakt zu Jörg Sebastian Schmidt, dem Vater dreier Mitglieder des „Mandelring Quartetts“, entstand, als der ihrer Tochter Geigenunterricht gab, und intensivierte sich, als sich die anfängliche Bekanntschaft allmählich zur Freundschaft auswuchs. 1996 entstand daneben eine geschäftliche Verbindung, als sie von Schmidt in Kenntnis ihrer beruflichen Qualifikation als Bankkauffrau gebeten wurde, das Schatzmeisteramt für den neu zu gründenden „Förderkreis Hambacher Musikfest“ zu übernehmen.
„Das Hambacher Musikfest war ihr Leben“
Drei Jahre später folgte der nächste „Karrieresprung“. An den für sie überraschenden Besuch von Sebastian Schmidt, dem ersten Geiger des „Mandelring Quartetts“, erinnert sich Buße bis heute lebhaft: „Er fragte mich damals, ob ich bereit wäre, die Nachfolge von Hermann Josef Lenz als Organisatorin des Musikfestes anzutreten. Zwei Jahre später fing ich dann an, sämtliche Arbeiten für das Hambacher Musikfest, von den Finanzen über die Werbung bis hin zum Ticketverkauf zu übernehmen.“ Entsprechend betrachtet die 72-jährige Hambacherin die Stabübergabe an Dörthe Heber , zu der sie sich nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen gezwungen sah, eher mit einem weinenden als einem lachenden Auge.
„Das Hambacher Musikfest war ihr Leben, sie war jeden Tag des Jahres ansprechbar, hat mit einer akribischen Genauigkeit und einer ungeheuren Intensität gearbeitet“, sagt Jörg Sebastian Schmidt über Erika Buße. Als organisatorisches Allround-Genie hat sie in den letzten 20 Jahren maßgeblich zum Erfolg des Festivals beigetragen, auch wenn im letzten Jahr Corona der Sache einen Strich durch die Rechnung machte. Dabei entpuppte sich die Anfangszeit des Festivals nicht zuletzt aufgrund finanzieller Unwägbarkeiten als nicht gerade einfach, betont Schmidt rückblickend. Aber auf Erika Buße konnte er bauen: „Sämtliche Anträge und Abrechnungen waren so perfekt, dass nie eine Reklamation kam. Da stimmte alles bis aufs i-Tüpfelchen“. Ihre größte Gabe bestand allerdings seiner Ansicht nach vor allem darin, sämtliche Wünsche der Konzertbesucher zu erfüllen, „es allen recht zu machen und dabei gleichzeitig gerecht sein.“ Auch habe sie für die Corporate Identity des Festivals gesorgt. „Das fing von der Gestaltung des Briefumschlags an und endete bei der perfekten Faltung des Flyers“.
Das Familienleben hat schon ein bisschen gelitten
Mit dem Jahr 2010 ging dann eine weitere Vergrößerung ihres Arbeitsbereiches einher. Jörg Sebastian Schmidt trat damals mit der weiteren Bitte an sie heran, noch zusätzlich zu den Konzerten des Hambacher Musikfestes die in Kooperation mit der Stadt Neustadt ins Leben gerufene vierteilige Klassik-Reihe im Saalbau zu betreuen. „Auch wenn der Förderkreis nicht ganz damit einverstanden war, setzte ich meine Bedingung durch, die Klassik-Reihe organisatorisch in das Hambacher Musikfest zu integrieren.“ Der Erfolg gab ihr Recht: „Mit der Einbindung der Reihe hat sich der Kartenverkauf beträchtlich gesteigert“, freut sie sich.
Konflikte mit dem „Mandelring Quartett“ und dem Hause Schmidt habe es nie gegeben, sagt sie: „Wir waren immer ein Herz und eine Seele.“ Dass allerdings ihr Familienleben unter dem leidenschaftlichen Einsatz für das Musikfests gelitten habe, gibt sie heute offen zu. Umso dankbarer ist sie ihrem Mann Wolfgang, der sie immer unterstützt habe und gerade „in den hektischen heißen Phasen, wenn ich oft unterwegs war, zu Hause den Kartenvorverkauf übernahm“. Zwischenzeitlich wuchsen ihre Kinder heran, die allesamt in das Festival eingebunden wurden und mit großer Begeisterung mithalfen.
Dörthe Heber ist geradezu prädestiniert für die Aufgabe
Auch für ihre Nachfolgerin Dörthe Heber hat letztlich der persönliche Kontakt zur Familie Schmidt den entscheidenden Impuls für ihr Musikfest-Engagement gebracht: Sie lebt mit ihrem ihrem Ehemann, dem Geigenbauer Clement Heber, in Haardt sogar Tür an Tür mit den Schmidts. Ein Instrument beherrsche sie zwar nicht, sagt sie, aber Konzerte besuche sie sehr gerne, nicht nur auf klassische. Aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit als Eventmanagerin bei der BASF scheint die 58-Jährige geradezu prädestiniert für ihre neue Aufgabe.
Seit Jahren verbindet sie zudem eine Freundschaft mit Nanette Schmidt, der zweiten Geigerin des „Mandelring Quartetts“. „Unsere Töchter waren miteinander befreundet, und so sprach mich Nanette vor eineinhalb Jahren an, ob ich nicht den Platz von Frau Buße einnehmen wolle. Die Anfrage kam zu einem sehr günstigen Zeitpunkt. Gerade hatte ich nach 29 Jahren Tätigkeit bei der BASF in gütlicher Einigung mit meinem Arbeitgeber beschlossen, ein paar Jahre früher in Rente zu gehen“, erläutert Heber.
„Meine beruflichen Erfahrungen im Visitor-Service der BASF, die unter anderem die Erarbeitung, Organisation und Durchführung von Besucherprogrammen forderte, kommen mir bei meiner neuen Tätigkeit zugute“, freut sich die in Duisburg geborene, zunächst in Südamerika aufgewachsene und mit acht in den Taunus gezogene Wahl-Haardterin, die sich selbst als einen sehr kommunikativen Menschen bezeichnet. So wird es ihre auch nicht schwerfallen, den Ratschlag ihrer Vorgängerin zu beherzigen, die dringend empfiehlt, bei aller Digitalisierung, allen voran der kompletten Umstellung auf Online-Technik, niemals die persönliche Schiene zum Publikum zu vernachlässigen. „Wichtig ist mir immer die enge Bindung zu den Konzertbesuchern gewesen, die weit über den bloßen Ticketverkauf hinausging, sondern auch häufig mit einer persönlichen Beratung bezüglich Konzerttipps in Abstimmung auf die individuellen Wünsche der Kundschaft einherging“, so Erika Buße.
Zum Abschied eine ganz besondere Ehre
Was ihr bei aller Trauer über den Rückzug immer in guter Erinnerung bleiben wird, ist die hohe Anerkennung, die ihr entgegengebracht wurde, angefangen mit dem „Mandelring Quartett“, welches ihr sogar als einzige Person eine Ernennungsurkunde zum Ehrenmitglied ausgestellt hat und in der zu lesen steht: „Aufgrund ihrer außerordentlichen und in jeder Hinsicht herausragenden Verdienste rund um das Hambacher Musikfest ernennen wir hiermit Frau Erika Buße zum Ehrenmitglied des Mandelring Quartett. Die Mitgliedschaft schließt leider jegliche Form musikalischer Mitwirkung aus“. Als Konzertbesucherin wird sie dem Hambacher Musikfest jedoch treu bleiben. Vorgesorgt hat in dieser Hinsicht schon Jörg Sebastian Schmidt, indem er ihr ein Abo auf Lebenszeit geschenkt hat.