Zimmer frei RHEINPFALZ Plus Artikel St. Martin: Vinotel Schreieck setzt auf nachhaltigen Tourismus

Wolfgang Schreieck
Wolfgang Schreieck

Im Vinotel Schreieck in St. Martin setzt man auf gute Weine und nachhaltigen Tourismus – eine Vermarktungsstrategie, die nicht neu ist, aber mit modernem Konzept gelingt. Die Ursprünge des Familienunternehmens reichen zurück ins 17. Jahrhundert.

Zwei Damen in sportlicher Kleidung stehen vor der modernen Vinothek in St. Martin. Jetzt ein Gläschen Sekt wäre sicher kein Fehler. Neugierig betreten sie das Vinotel Schreieck, wo Wein und Tourismus seit 2013 eine Verbindung eingehen. Das ist keine Seltenheit in der Pfalz. Hier ist die Verknüpfung besonders gelungen.

Die Anfänge des Weinguts Schreieck reichen zurück ins Jahr 1698, als ein Schreieck den Weg aus Südtirol in die Pfalz antrat. In St. Martin fand er gute Bedingungen für den Weinanbau vor – und blieb. Einige Generationen später begann Helmut Schreieck 1958 nach Jahren des Fassweinverkaufs, Flaschenwein an Privatpersonen zu verkaufen. Um Kunden zu gewinnen, reiste er von Tür zu Tür und stellte seine Weine persönlich vor. Seine Methode war erfolgreich, er gewann zahlreiche Stammkunden.

Erste Gästezimmer

Der Urlaub in der Pfalz nahm an Bedeutung zu. Auch für die Schreiecks. Auf dem Weingut entstanden erste Gästezimmer, deren Zahl in den 1970er-Jahren auf 15 Zimmer anstieg. „Ihre Einrichtung ist individuell, so wie sie gewachsen sind“, sagt Wolfgang Schreieck, Enkel von Helmut. Vor zwei Jahren hat er den Betrieb von seinem Vater Michael übernommen. Wolfgang studierte nach seiner Winzerlehre in Geisenheim Weinbau und Oenologie. Seine Bachelorarbeit befasste sich mit Wein und Tourismus. Schon früh beschäftigte er sich intensiv mit dem Konzept Weinhotel, also Vinotel. Als er die Gelegenheit bekam, an prominenter Stelle auf St. Martins Flaniermeile zwei Gebäude zu kaufen, griff er zu. Damals ein gewagter Schritt für einen jungen Mann. Hier konnte er sein Vorhaben eines modernen Hotels mit guter räumlicher Anbindung an das Weingut realisieren. Der Gästebetrieb ist die logische Fortführung der gelungenen Vermarktungsstrategie seines Großvaters: Weine sichtbar und bekannt machen in angenehmer und schöner Atmosphäre.

Die beiden Bestandsgebäude riss er ab und errichtete sein Vinotel mit 17 Zimmern. Das Haus und die Einrichtung der Zimmer folgen dem Konzept der modernen Architektur mit Merkmalen der Region wie dem Buntsandstein, Holz und immer wieder Anlehnungen an den Wein. Das Vinotel gehört zur Kategorie Boutique-Hotel und erhielt 2016 die Auszeichnung „Urlaubshof des Jahres“ der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz.

Vinotel gibt Schub

„Das Vinotel hat dem Weingut einen enormen Schub gegeben“, sagt Schreieck. Hotelgäste würden zu Weinkunden und umgekehrt. „Immer wieder hören wir, dass uns auch langjährige St.-Martin-Touristen erst jetzt entdeckt haben.“ Seine Gäste sind hauptsächlich Urlauber, die sich für Wein, aber auch für den naturnahen Aktivurlaub interessieren. Das seien laut Schreieck die sogenannten Best Ager. Doch zunehmend werde die Zielgruppe deutlich jünger. Den Grund dafür sieht er im Interesse an guten Weinen auch bei jüngeren Menschen, aber auch im Trend des nachhaltigen Urlaubs innerhalb Deutschlands, der durch die Beschränkungen in der Pandemie verstärkt worden sei. Darauf stellte sich Schreieck mit Arrangements und Serviceangeboten ein.

Das Radhaus, in dem die hochwertigen E-Bikes untergestellt und geladen werden können, ist regelmäßig gut belegt. Das Vinotel bietet einen Radverleih in Zusammenarbeit mit einem örtlichen Dienstleister an. Weil es zu Engpässen kam, schaffte er auch eigene E-Bikes für den hausinternen Verleih an. Mit der Golfanlage Dreihof kooperiert das Vinotel und schnürt Arrangements mit Greenfee für eine 18-Loch Runde, Weinproben, Wellness und Menüs, die in Kooperation mit der Gastronomie in St. Martin angeboten werden. Auch Wanderarrangements kann der Gast buchen, wobei Schreieck die Touren teilweise selbst führt oder mit Dienstleistern vor Ort zusammenarbeitet.

32 Zimmer im Vinotel

Der Gästebetrieb läuft gut, nicht nur an den Wochenenden. Neben den 32 Zimmern im Vinotel und Gästehaus stehen 17 Stellplätze für Reisemobile zur Verfügung. Das bedeutet, dass an einem vollen Buchungstag rund 90 Gäste bewirtet werden.

Die typische Urlaubssaison in der Pfalz im September und Oktober hat sich deutlich ausgeweitet. „Ein Sommerloch kennen wir nicht mehr“, bestätigt Schreieck, wenngleich die Zeit rund um die Weinlese eine Attraktion geblieben sei. Je nach Wetterlage kämen die ersten Touristen bereits im März, sicher sei jedoch der Start im April/Mai.

Gibt es Pläne für die Zukunft? Ja, die gibt es: Das Gästehaus im Weingut soll den Komfort der Vinotel-Zimmer widerspiegeln. „Modernisiert worden sind zum Beispiel schon die Bäder. Nun werden die Zimmer mit hochwertigen auf Maß gefertigten Schreinermöbeln modern eingerichtet und ausgestattet“, sagt Schreieck. Die Nachfrage nach dieser Kategorie sei hoch. Dafür sei der kommende Januar eingeplant, so dass ab März nächsten Jahres die Saison im neuen Look starten könne.

2023 zehntes Jubiläum

Im nächsten Jahr feiert das Vinotel sein Zehnjähriges. Schreieck erinnert sich noch an den ersten Gast. Am Abend vor der Eröffnung verließen die Handwerker das gerade errichtete Hotel. Sein Team ging als Reinigungstrupp in einem gemeinsamen Kraftakt durch das Haus, als auffiel, dass noch Restarbeiten in der Vinothek erledigt werden mussten. Es nützte nichts: Die Handwerker rückten erneut an. „Überall stand Werkzeug, und es war wieder staubig. Als der erste Gast kam, gab es zunächst Diskussionen. Doch ich konnte ihn überzeugen, zu bleiben und abends an unserer Eröffnungsfeier teilzunehmen“, erzählt Schreieck. Der Gast kam und war einer der letzten, die wieder gingen. Noch heute erzählt er davon – mittlerweile ist er ein Stammgast des Hauses.

Die beiden Damen haben übrigens ihren Sekt sehr genossen und gleich eine Visitenkarte des Hotels eingesteckt. Für ihren nächsten Aufenthalt in St. Martin.

Anlehnungen an den Wein finden sich in den Zimmern des Vinotels.
Anlehnungen an den Wein finden sich in den Zimmern des Vinotels.
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