Neustadt Sprache und Kultur vermitteln

Der neue französische Austauschlehrer an der Deidesheimer Grundschule für dieses Schuljahr heißt Jacques Rogue und kommt aus Caen in der Normandie. Er unterrichtet ein Jahr lang die bilingualen Klassen, teils alleine, mal mit einer Kollegin im Team.
Dieser Lehreraustausch des deutsch-französischen Jugendwerks wird von Berlin aus gesteuert. Von dort werden die Austauschlehrer auf die einzelnen Bundesländer verteilt. Unter den neun von insgesamt 41, die derzeit in Rheinland-Pfalz eingesetzt sind, ist Rogue der einzige Mann. Die Deidesheimer Grundschule bietet seit sechs Jahren den bilingualen Zweig an, derzeit für 85 Schüler in vier von zehn Klassen. „Wir haben mehr Anträge als Plätze“, berichtet Schulrektor Bernhard Oberhettinger. Dabei gehe es bei dieser Art Unterricht nicht nur um das Erlernen der französischen Sprache, sondern um das Kennenlernen der Kultur des Nachbarlandes. Oberhettinger bezeichnet dies als eine große Bereicherung, denn der „europäische Gedanke greift im kleinen Bereich“. Der französische Kollege unterrichtet nicht nur die Sprache, er gibt auch Sachunterricht und Sport mit der Fachbereichsleiterin Daniela Reich, die Romanistik studiert hat. Dabei lernen die Kinder durch Zuhören, mit Reimen und Liedern, während sich das aktive Sprechen peu à peu entwickeln kann. Der Muttersprachler unterrichtet in der ersten Klasse sieben Wochenstunden, in der zweiten acht, in den dritten und vierten Klassen zehn Stunden anteilig. Die nicht bilingualen Klassen bekommen eine Stunde pro Woche Englischunterricht. Einmal pro Woche geht Jacque Rogue in den Kindergarten St. Martin in Ruppertsberg und bringt den Kleinen die französische Sprache näher. Für die Grundschulabgänger des französischsprachigen Zweiges bietet sich als weiterführende Schule das Leibniz-Gymnasium in Neustadt an, das Französisch als erste Fremdsprache lehrt. Es gibt eine Partnerschule in Frankreich, die „Ecole Voisin“ in Illkirch, wo die ehemalige Deidesheimer Austauschlehrerin Aline Heinrich arbeitet. Innerhalb deutsch-französischer Projekte werden demnächst die Baumeister von Kathedralen entlang des Rheins in Museen vor Ort ein Thema sein, die mit den französischen Partnern besucht werden. Rogue bemerkt Unterschiede im Schulsystem zu seinem Heimatland. Die Schüler lernten hier selbstständiger, während in Frankreich der Unterricht zentralisierter und mehr am Lehrer orientiert sei. Als Nachteil hier sieht er die vier Grundschuljahre gegenüber fünf in Frankreich, wo generell Ganztagsunterricht stattfindet. Für einige Kinder seien vier Jahre zu wenig, um sich für den weiteren Schulweg zu entscheiden. Die Pfalz findet Rogue super, er genießt die Weinkultur und Geselligkeit, die er bereits auf dem Wurstmarkt kennengelernt hat und fiebert bereits der nächsten Weinfestsaison entgegen. Als passionierter Triathlet erscheint ihm der tägliche Weg zwischen Arbeitsplatz in Deidesheim und seinem Wohnort in Bad Dürkheim-Grethen mit dem Fahrrad als ein Katzensprung. Und mit seinem Chef Oberhettinger, dem ehemaligen Marathonläufer, könne er wunderbar fachsimpeln. (piw)