Neustadt Spitzenweine in der „Kanne“

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Nach vielen Jahrzehnten wird es mit Ablauf des Pachtvertrags und dem Weggang des derzeitigen Gastronomen-Ehepaars Florian und Karin Winter aus dem wohl ältesten Gasthaus der Pfalz, der „Kanne“ in Deidesheim, dort keine Vollgastronomie mehr geben. Das inzwischen wieder gänzlich der Familie Bürklin-von Guradze gehörende Gebäude, Eigentümer des Weinguts Bürklin-Wolf in Wachenheim, soll zu einer Vinothek und Weinbar werden (wir berichteten). Die Eröffnung ist für das Spätjahr geplant.

„Es wird ein neues Kapitel in der Geschichte der ,Kanne’ geben.“ Mit diesen Worten kommt Bettina Bürklin-von Guradze auf die künftige Nutzung der „Kanne“ zu sprechen. Das seit rund zwölf Jahren von Florian und Karin Winter geführte „Kanne“-Restaurant wird demnach nach dem 12. Juni geschlossen sein. Das Gastronomen-Ehepaar übernimmt im kommenden Jahr ein neues Restaurant im Weingut Klein in Hainfeld. Die um 1160 aus einem Pilgerhospiz der Zisterzienser-Abtei Eußerhal entstandene Herberge gilt bis heute als eines der bekanntesten Gasthäuser bundesweit. Mit einem neuen Konzept will Bürklin-Wolf an diesem historischen Ort im Herzen Deidesheims einen Treffpunkt für Liebhaber gereifter Spitzenrieslinge des eigenen Weinguts wie auch von Spitzenweinen befreundeter Winzer aus aller Welt entstehen lassen. „Wir gehen hier neue Wege und sind zuversichtlich, dass dieses Konzept erfolgreich sein kann“, sagt Bürklin-von Guradze. Den Gästen solle die Möglichkeit geboten werden, neben dem Kauf von Weinen, die Rieslinge des Weinguts auch in einer Weinbar genießen zu können. „Wir wollen damit auch einen Ort der Kommunikation und des Genusses schaffen“, betonen Bürklin-von Guradze und deren Geschäftsführer Steffen Brahner. Nach dem Auszug der Familie Winter solle mit ersten kleineren Renovierungen unter Leitung des Stuttgarter Architektenehepaars Naumann begonnen werden. Die Naumanns haben auch die ehemalige Wachtenburg-Weinstube in Wachenheim stilvoll renoviert. Hierfür investiert das Weingut Bürklin-Wolf laut Bettina Bürklin-von Guradze einen sechsstelligen Betrag. „Der Charme der ,Kanne’ soll dabei erhalten bleiben. Es wird auch keine Hochglanzarchitektur entstehen. Wir werden die denkmalgeschützte Substanz bewahren“, versichert Brahner. Die Geißbockstube solle dabei zur Vinothek umgebaut und die bisherige Kannenstube zur Weinbar umgewidmet werden. Zudem solle der kleine Innenhof im Sommer zu einem zentralen Element der Gastlichkeit werden. Entsprechende Pläne gab es bereits länger. „Wir waren schon seit Jahren auf der Suche nach einem geeigneten Objekt in Deidesheim, um einen zweiten zentralen Verkaufsstandort für unsere Weine etablieren zu können“, sagt Bürklin-von Guradze. Bislang allerdings ohne Erfolg. Als der bisherige Miteigentümer der „Kanne“, Carl-Horst Brune, seine Anteile aus Altersgründen zurückgegeben habe und die Immobilie damit wieder vollständig in den Besitz der Familie Bürklin übergegangen sei, habe sich mit dem Auslaufen des Pachtvertrags mit dem Ehepaar Winter nun die Möglichkeit ergeben, neue Überlegungen zur Nutzung des Gebäudes anzustellen. „Als wirtschaftlich geführtes Unternehmen müssen wir auch schauen, dass unsere Immobilien sinnvoll genutzt werden“, sagt Bürklin-von Guradze. Da Deidesheim ein attraktiver Standort geworden sei, habe man sich dazu entschieden, dort präsent sein zu wollen. Da der Fokus in der neuen Vinothek und Weinbar auf den Weinen liege, sollten diese auch von einem erfahrenen Sommelier geführt werden, verrät Bürklin-von Guradze. Gleichzeitig schließt sie einen Wechsel der beiden Sommeliers Tom Benns und Regina Görg von Wachenheim nach Deidesheim aber aus. „Wir gehen davon aus, dass wir die Person, die kommen wird, in den nächsten Wochen vorstellen können“, so Bürklin-von Guradze. Wenn es auch kein Restaurant mehr geben werde, sei eine kleine, aber feine Auswahl an kalten Speisen doch geplant. „Und Gastköchen wollen wir bei besonderen Gelegenheiten zudem die Möglichkeit geben, in unserer großen und gut ausgestatteten Küche ihr Können unter Beweis stellen zu können“, fügt Bürklin-von Guradze hinzu.

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