Neustadt „Spannender als ein Krimi“

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„Das Buch ist spannender als ein Krimi“, sagte Karl Schäfer bei der Vorstellung eines neuen Buchs von Hans-Ulrich Kroszewski im Rathaus von Maikammer. Der Verbandsbürgermeister las bereits in den Tagen um den Jahreswechsel in dem gut 400 Seiten starken Band „In alten Zeitungen der Pfalz geblättert ... von 1823 bis 1848“ und war gefesselt.

Bei der Lektüre komme man durch viele Pfälzer Orte und Landesteile, sagte Schäfer, so dass ein Teil Heimatgeschichte lebendig werde. Auffallend sei, dass weniger politische Themen behandelt worden seien, sondern vor allem Vorfälle des täglichen Lebens. Das konnten streunende Hunde sein, die, wenn sie nicht nachts in Zwinger oder Haus gehalten worden seien, von Amts wegen erschlagen worden seien, oder Straftaten wie Diebstahl und Mord. Der Autor und Verleger Kroszewski las einige Passagen aus den Zeitungen vor, die aus heutiger Sicht teils nachrichtlich, teils belehrend und kommentierend waren. Auf jeden Fall waren sie ausführlich. Der zum Tode Verurteilte Johann Wirsching, der den königlich-bayerischen Administrations-Kommissionär Franz Xaver Palm ermordet hatte etwa, verzehrte am Abend vor der Hinrichtung „Hasenbraten, gebratene Tauben und Endivien-Salat nebst einer Bouteille Wein“, lehnte geistlichen Zuspruch zunächst ab und sollte morgens um halb sechs, nachdem er Kaffee und einen Schoppen Bier getrunken hatte, den Verbrecherkittel anziehen. Ihm wurden an Brust und Rücken schwarze Tafeln befestigt mit der Aufschrift: „Raubmörder: geschärfte Todesstrafe“. Genau beschrieben ist auch, wie der Scharfrichter, damals ein angesehener Beruf, die Hinrichtung vorbereitete. „Nur noch ein Augenblick – und Johann Wirsching hatte aufgehört zu seyn“, schließt die Beschreibung. Die Strafen waren damals von einer unvorstellbaren Härte, bemerkte der Jurist Schäfer. Sie sollten nach Kroszewskis Worten abschrecken und warnen. So hätten auch die Zeitungen damals berichtet, was heutzutage die Bild-Zeitung hauptsächlich aufgreift: Verbrechen aus Habgier und Rache, Brandstiftung, Mütter, die ihre Neugeborenen aus Armut oder Verzweiflung vernachlässigen. Ausführlich wurden auch das Wetter sowie Auswirkungen auf die Menschen und die Wirtschaft dokumentiert: Im Februar 1830 sei der Rhein bei Speyer 58 Tage lang zugefroren gewesen, Thermometerstand am Morgen des 4. Februar 1830: minus 18 Grad. Der Bodensee war so weit zugefroren, dass man von Fußach und Rorschach zu Fuß nach Lindau kommen konnte. Zur gleichen Zeit wurden in München minus 23,5 Grad, in Würzburg minus 24 Grad gemessen. Am 25. Mai 1830 ging über Haardt, Gimmeldingen und Lobloch ein Unwetter nieder: „Der ganze Himmel schien in Feuer zu stehen ... Hagelkörner so groß wie Hühnereyer ... in Gärten, Weinbergen und Feldern ist alles vernichtet.“ |stgi

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