Neustadt Späte Emanzipation

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DEIDESHEIM. Das Boulevardtheater Deidesheim zeigt am 18. April die Premiere des neuen Stücks „Die heilige Johanna der Einbauküche“ in pfälzischer Mundart.

Wenn bei der Probe nicht alles klappt, gelingt die Premiere. So oder ähnlich lautet das gute Omen in Schauspielerkreisen für die erste Aufführung, wie die der Broadway-Komödie „Die heilige Johanna der Einbauküche“, das der Intendant vom Boulevardtheater Deidesheim, Boris Stijelja, für die Theaterbühne in Kurpfälzisch produziert hat: Mundgerecht mit Assistenz von Schauspielerin Ute Zuber, die in dem „Ein-Frau-Stück“ die Rolle de Helga Obermeier übernimmt. Premiere ist am 18. April. Eigentlich wollte das Team hinter den Kulissen die auf der Bühne gebrutzelten Pommes nach dem Durchlauf des ersten Aktes futtern. Helga Obermeier hatte versprochen, sie zu servieren: frische, handgeschälte und geschnittene Kartoffelbalken. Köstlich, wie der Duft während der Probe versprach. Doch die Pommes waren in ihrem Monologeifer am Ende ein bisschen zu braun geworden. „Macht nix, ist ja nur Probe“, meint sie und bestellt pragmatisch im Restaurant der Stadthalle Pizza. „So ist sie“, sagt Stijelja. Der 32-jährige Kroate ist Schauspieler hatte Engagements an großen Bühnen und war vom Bayerischen Fernsehen für das Stück Pension Schöller ausgewählt. Er ist seit 2013 Leiter des Boulevardtheaters Deidesheim und hat Ute Zuber die Rolle, die als frustrierte Helga Obermeier ein Leben in der schönen Einbauküche führt, auf den Leib geschneidert. Zuber, im Hauptberuf Lehrerin an der Realschule „Waldschule“ in Mannheim, ist bekannt von der Mannheimer Freilichtbühne, auf der sie seit Jahren spielt. Helga Obermeier – Ende 40, die Kinder sind aus dem Haus, aus der Ehe ist ein Dienstleistungsverhältnis geworden – ist auf der Suche nach Selbstfindung. Vielleicht könnte man es späte Emanzipation nennen. Das Essen steht nicht mehr auf dem Tisch, wenn Ehemann Hans die Haustür aufschließt. Mit ihrer Freundin Claudia, die sich schon als Freudenmädchen verwirklicht hat, beschließt Helga in Griechenland Urlaub zu machen. „Er werd sich jo mol zwee Woche allä versorge kenne“, spricht sie sich Mut zu, die Reise zu machen. Für die Versorgung als Strohwitwer hat er offenbar Erklärungsbedarf. „Net, dass die Sogg uff em Toschder landen“. Überhaupt: Hans scheint von vorgestern zu sein, so wie Helga über ihren Angetrauten plaudert. „Der kriggt schun en Kulturschock, wann er vun Mannhem noch Deidesheim fahre soll“, erklärt sie dem Publikum. Ihre Selbstgespräche wirken spontan, sind pikant und amüsant, so dass das Team während der Probe immer wieder lauthals lacht. Obermeier lächelt, greift ständig zum Glas mit Rotwein und erklärt, dass man, respektive Frau, heutzutage beim Kochen Wein trinkt. Nach dem ersten Akt ist die Flasche leer. Und Ute Zuber ist total nüchtern – mit Erdbeerwein.

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