Neustadt
Solar- und Gründachkataster für Neustadt gehen online
Je roter desto besser, heißt es, vereinfacht ausgedrückt, wenn es um potenzielle Solaranlagen auf Neustadter Dächern geht. Denn im ab sofort verfügbaren Solarkataster zeigen Farben von Blau bis Rot an, wie gut sich ein Dach für Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen eignet. Blau bedeutet, eine Anlage wäre wenig sinnvoll, zum Beispiel, weil ein Dach der Sonne abgewandt ist oder Bäume es verschatten. Die Daten als Basis dieser Farbdarstellung hat die Verwaltung vom Land: Bei Flügen über die Stadt wurden unter anderem die Gebäudeschrägen und -höhen sowie Bäume als mögliche Schattenspender per Laser erfasst. Zudem greift der Dienstleister, der das Kataster bereitstellt und pflegt, auf Sonneneinstrahldaten aus der Meteorologie zurück.
Bestandteil von Klimaschutzkonzept
Das Onlinekataster ist eines von 24 Projekten aus dem Klimaschutzkonzept der Stadt. „Wir hatten zwei Systeme zur Auswahl und haben uns letztendlich für dieses entschieden, weil es sehr viele Möglichkeiten für den Nutzer birgt und ständig aktualisiert werden kann“, erklärt die Umweltdezernentin Waltraud Blarr (Grüne). Die Umsetzung habe so lange gedauert, da es nur wenige Anbieter für Solarkataster und gleichzeitig eine große Nachfrage gebe. Von den knapp 20.000 Euro Kosten haben die Stadtwerke 5000 Euro übernommen, berichtet Marcel Schwill, einer der beiden städtischen Klimaschutzmanager.
Nutzer kann selbst Daten eingeben
„Das System ist ziemlich selbsterklärend“, versichert er bei der Vorstellung des Angebots, das über die Internetseite der Stadt zu erreichen ist. Wer möchte, kann sich zunächst ein Erklärvideo ansehen. Dann gilt es, sich mit Namen und Adresse anzumelden. Die Stadt schaltet den Zugang frei, und schon geht’s los mit den Eingaben: Handelt es sich um einen Privat- oder einen gewerblichen Haushalt? Wie viele Personen leben oder arbeiten darin? Soll über die Photovoltaik zur Stromerzeugung hinaus auch Solarthermie für Warmwasser oder Heizen genutzt werden? Möchte ich vielleicht noch eine Ladestation für mein E-Auto oder E-Bike? Soll die Anlage möglichst wirtschaftlich oder möglichst autark vom Stromnetz sein? Will ich grundsätzlich alle Dachflächen ausstatten? Und wie hoch ist der Stromverbrauch im Schnitt? Wer letztere Frage nicht ad hoc beantworten kann, für den springt das System ein, indem es auf durchschnittliche Marktpreise zurückgreift. Darüber hinaus kann der Nutzer auf einer Skala selbst angeben, wie sich sein Stromverbrauch im Lauf des Tages verändert.
Schwill: Denkmalschutz und Solaranlagen oft vereinbar
Am Ende wird berechnet, was eine Anlage in der Erstbeschaffung und auf 20 Jahre hochgerechnet kosten, wie viel CO2 sie einsparen würde und wie groß sie sein müsste, um wirtschaftlich zu sein. Zudem wird angezeigt, wann sich die Anlage amortisiert hat.
Auch die Stadt profitiere von dem Kataster, schließlich könne die Verwaltung prüfen, für welche kommunalen Liegenschaften Photovoltaik in Frage komme, so Schwill. In den Ortsteilen müsse jedoch über die Angaben des Katasters hinaus in die Ortsbildsatzungen der Ortsteile geschaut werden. „Wir müssen das noch mal intern klären, inwieweit die Satzungen angepasst werden müssen, da Denkmalschutz und Solaranlagen mittlerweile an vielen Stellen vereinbar sind“, sagt Schwill.
Infoveranstaltung am 6. März
Das Solarkataster wird noch einmal ausführlich bei der Infoveranstaltung vom Bezirksverband Pfalz und der Stadt, „Sonnenschein – Solarstrom und Naturschutz für private Haushalte“, am Freitag, 6. März, ab 17.30 Uhr im Rathaussaal vorgestellt. Dort wird auch erklärt, weshalb eine Südausrichtung der Dächer nicht zwingend notwendig ist für eine funktionierende Solaranlage. Unter anderem wird eine Vertreterin der Sparkasse Rhein-Haardt über Finanzierungsmöglichkeiten von Solaranlagen referieren, ein Stadtwerke-Mitarbeiter über Stromproduktion. Im Anschluss können die Besucher Fragen stellen.
Im Internet
klimaschutz.neustadt.euZur Sache: Gründachkataster startet
Das sogenannte Gründachpotenzialkataster der Stadt zeigt – nach dem gleichen Prinzip wie das Solarkataster – anhand einer Farbskala, inwieweit sich ein Dach für eine Begrünung aus Naturschutzgründen oder zur Regenrückhaltung anbietet. Anders als beim Solarkataster braucht es dort keine Anmeldung – Hausbesitzer können mit ein paar Klicks auf der Klimaschutz-Homepage der Stadt nachvollziehen, ob auf ihrem Gebäude eine extensive Begrünung zum Beispiel mit Moosen oder Sukkulenten oder eine intensive Begrünung mit Büschen, Bäumen oder Stauden möglich ist.
„Die Homepage gibt jedoch nur einen vorläufigen Hinweis, ob ein Gründach möglich ist, was es kosten und an Schadstoffen binden kann“, betont Umweltdezernentin Waltraud Blarr. Es brauche zusätzlich eine statische Berechnung, ob das Dach das Gewicht aushält. Wer bereits Kies auf seinem Flachdach habe, könne meist extensiv begrünen, so Klimaschutzmanager Marcel Schwill. Dächer mit einer Neigung bis zu 15 Grad könnten noch relativ einfach bepflanzt werden, darüber hinaus funktioniere das auch noch – bei entsprechendem Untergrund.
Hilfreich für alle, die ihr Dach grüner machen wollen, aber wenig Ahnung von Pflanzen haben, ist das im Gründachkataster hinterlegte Pflanzenlexikon.