Neustadt „Solange Kraft reichte, haben wir sogar geführt“

BERLIN (auw). Wer erst zur Halbzeit in die Schöneberger Schwimmhalle in Berlin kam, wo die SG Neukölln ihre Heimspiele austrägt, traute seinen Augen nicht. 4:4 zeigte die elektronische Anzeigetafel – und der Spielverlauf bis dahin war sogar noch deutlich besser für die Gäste vom SC Neustadt gewesen. Die verloren aber schließlich doch mit 6:11.
In den Vorschauen war zuvor von einer „auf dem Papier für die Pfälzer fast unlösbaren Aufgabe“ die Rede gewesen. Und SCN-Coach Davorin Golubic hatte mit einem Anflug von Galgenhumor gemeint: „Wir können mindestens neue Erfahrungen sammeln.“ Dass das Understatement war, konnte man am Spielverlauf gut ablesen. Zwar ging Favorit Neukölln durch den Serben Petar Markovic, in der Vorsaison noch mit Spandau 04 Meister und Pokalsieger, standesgemäß mit 1:0 in Führung. Aber die Neustadter waren keineswegs geschockt. In der Abwehr packten sie zu, Torwart Luka Sucic, neben Tim Hornuf sicher der Beste des Abends mit SCN-Badekappe, hielt, was zu halten war. Und siehe da: Nach Treffern von Tim Hornuf, Kevin Oliveira und Ersatz-Kapitän Martin Görge (Matthias Held fehlte aus Berufsgründen, Fernando Mongrell war für ein Spiel gesperrt) binnen anderthalb Minuten stand es kurz vor Ende des Startviertels 3:1 für die Gäste. Neukölln verkürzte auf 2:3, kam aber auch danach im zweiten Abschnitt nicht an den Neustadtern vorbei und mühte sich zum 4:4. Die Pause freilich bekam den Gäste nicht sonderlich gut, der Gastgeber dagegen legte nun zu. 3:0 hieß es im dritten, 4:2 im Schlussviertel – das ergab ein 6:11 aus SCN-Sicht und den Tabellensturz auf Rang sieben mit 2:8 Punkten. Soweit die nackten Zahlen, die viel, aber nicht alles über den Status quo von Neustadts Wasserballern sagen. Sichtbar ist die vor der Saison personell stark veränderte Truppe immer noch dabei, sich zu finden. Gute Einzelspieler müssen noch zum Team werden. Neuköllns Co-Trainer Carsten Oestreich, einst ein gefürchteter Center, hatte „schwimmerische Defizite“ bei den Pfälzern bemerkt, die „wir als Gastgeber allerdings nur unzureichend ausgenutzt haben“. „Wir sind ohne Sechs nach Berlin gekommen - vier davon zählen zu den Top Sieben im Kader -, konnten kaum wechseln. Dafür sind mehrere Junge ins Team gerutscht, die sich gar nicht schlecht geschlagen haben“, bilanzierte Gästetrainer Golubic. „Solange wir Kondition hatten und die Kraft reichte, haben wir mitgehalten und sogar geführt. Auch einige taktische Experimente gingen auf. Dass sich im Laufe der Partie die Fehler gemehrt haben, war fast logisch“, lautete die erste Traineranalyse am Beckenrand. Aber ebenso stellte Golubic fest: „Auf der Habenseite bleibt, dass wir wieder ein Stückchen weiter gekommen sind. Das muss auch in Zukunft das Wichtigste auf unserem Weg bleiben – sich von Spiel zu Spiel Stück für Stück zu verbessern. Dann kommen auch die Ergebnisse. Seit dem verkorksten 4:11-Saisonauftakt beim SC Wedding (dank 10:9-Auswärtssieg beim OSC Potsdam jetzt B-Gruppen-Spitzenreiter – d. Red.) ist das weitgehend gelungen.“ Weitere Schritte nach vorn sind auch dringend nötig, denn die beiden nächsten Spiele sind für die Neustadter Schlüsselpartien. Am 5. Dezember reist der SCN zum Gruppenfünften SV Cannstatt (4:6 Punkte), am 12. Dezember empfängt man den Tabellenletzten Wasserfreunde Fulda. So spielten sie SC Neustadt: Sucic – Tim Hornuf (2 Tore), Oliveira (2), Glaser, Härtel, Tummings, Hummel, Erak (1), Berger, Mosashvili, Martin Görge (1), Weigert, Ulrich.