Ludwigshafen / Mannheim / Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel So wird die 27. Ausgabe des Festivals „Enjoy Jazz“ in der Rhein-Neckar-Region

Auch der tunesische Oud-Virtuose Anouar Brahem ist beim 27. „Enjoy Jazz“-Festival im Herbst mit von der Partie.
Auch der tunesische Oud-Virtuose Anouar Brahem ist beim 27. »Enjoy Jazz«-Festival im Herbst mit von der Partie.

Erstmals ist auch Neustadt als Veranstaltungsort im Boot.

Trompeter Ibrahim Maalouf wird im Oktober das 27. Festival „Enjoy Jazz“ in Ludwigshafen eröffnen, Oud-Virtuose Anouar Brahem in der Mannheimer Christuskirche den Abschluss bilden. Das fünfwöchige Programm dazwischen nimmt ebenfalls Formen an.

Rainer Kern war ausgesprochen erfreut, an diesem Morgen im BASF-Feierabendhaus zu sein. Dabei galt es gar kein Jazzevent im großen Konzertsaal des geschichtsträchtigen Kulturhauses zu eröffnen. Der Festivalleiter wollte nur über den Stand seiner Programmplanungen informieren. Aber dann sagte er gleich zu Beginn einen weit darüber hinaus zielenden Satz: „In einer Zeit, in der Bildungsministerien abgeschafft werden, ist es gut, einen solchen Ort der Bildung und Kultur zu haben.“ Kern bezog sich damit auf aktuelle Auswüchse der US-Politik und nannte Festivals wie „Enjoy Jazz“ ausdrücklich „demokratiestiftende Veranstaltungen“.

Eröffnung im Feierabendhaus

Im Feierabendhaus wird das Festival am 2. Oktober auch eröffnet. Regelmäßig sind hier die spektakulärsten Festivalprojekte zu Gast und seit in Heidelberg, wo „Enjoy Jazz“ 1999 gegründet wurde, kein passender Saal zur Verfügung steht, meist auch die Eröffnung. Dass die BASF langjähriger Sponsor und Partner ist, spielt da sicher auch eine Rolle. Ein spektakuläres Großprojekt bringt zum Auftakt auch der in Beirut geborene und in Frankreich zum Publikumsliebling gewordene Trompeter und Komponist Ibrahim Maalouf nach Ludwigshafen. Das heißt „Trumpets of Michel-Ange“, wird vom Sound gleich vierer Trompeter geprägt und versprüht jede Menge Lebensfreude. Wie immer bei dem libanesisch-französischen Musiker verbinden sich Jazz, Pop, Rock und Bossa mit arabischer Musik. Um letztere mit ihren typischen Mikrointervallen spielen zu können, hat Maaloufs Vater und erster Musiklehrer seinem später auch klassisch ausgebildeten Sohn eine Trompete mit zusätzlichem Vierteltonventil gebaut.

Beim Abschlusskonzert am 8. November in der Mannheimer Christuskirche spielt der tunesische Oud-Virtuose Anouar Brahem mit einem hochkarätig besetzten Quartett. Dazu gehören die deutsche Cellistin Anja Lechner, der britische Pianist Django Bates und der ebenfalls aus England stammende Kontrabassist Dave Holland, einst Mitglied in Bands von Miles Davis, Chick Corea und John Abercrombie und seit vielen Jahren ein Weltstar mit eigenen Ensembles. Bei „Enjoy Jazz“ wird Brahem die Musik seines neuen Albums „After the Last Sky“ vorstellen, das gerade erschienen ist. Es sind kammermusikalische, oftmals elegische Stücke, die um den spröden Klang von Brahems arabischer Laute kreisen.

Fünf Wochen Musik

Diese beiden Konzerte bilden den Rahmen der 27. Festivalausgabe, etliche der Konzerttermine der fünf Wochen dazwischen stehen auch schon fest. Im Ludwigshafener Pfalzbau ist einmal mehr der südafrikanische Pianist Abdullah Ibrahim zu erleben, diesmal mit seinem Trio. In der Ludwigshafener Friedenskirche trifft die griechische Pianistin Tania Giannouli auf den norwegischen Trompeter und Soundmagier Nils-Petter Molvaer. Und im BASF-Gesellschaftshaus spielen in einem weiteren Duo der New Yorker Pianist Vijay Iyer und der eine Generation ältere Avantgarde-Trompeter und AACM-Veteran Wadada Leo Smith. Damit soll auch an die vor 60 Jahren gegen die Diskriminierung schwarzer Musiker gegründete Musikerinitiative AACM erinnert werden.

Weitere bereits feststehende Festivalkünstler sind die amerikanische Avantgarde-Harfenistin Brandee Younger, der Schweizer Pianist und Minimal-Jazzer Nik Bärtsch und sein Ensemble „Ronin“, der aktuell stark beachtete amerikanische Saxophonist James Brandon Lewis, der französische Akkordeonspieler Vincent Peirani und die spannende deutsche Saxophonistin Angelika Niescier. Eines Meilensteins der elektronischen Musik gedenkt das Festival für Jazz und anderes mit den österreichischen Elektro-Pionieren Kruder & Dorfmeister, die schon 1999 beim allerersten Festival „Enjoy Jazz“ dabei waren. Im neuen Congress-Center in Heidelberg kann man sie erleben.

Auch Neustadt wird zum „Enjoy Jazz“-Standort

Und auch die Stadt Neustadt ist in diesem Jahr erstmals Gastgeber eines Konzerts bei „Enjoy Jazz“. Zu hören ist hier im Saalbau am Montag, 3. November, ab 20 Uhr der armenische Jazzpianist Tigran Hamasyan mit seinem Trio. In seiner Musik verbindet der 1987 geborene Musiker, der in zartem Alter im Jahr 2000 beim internationalen Jazzfestival in Jerewan von Chick Corea und Stéphane Kochoyan entdeckt wurde, Jazz mit Post-Rock und der reichen musikalischen Tradition seines Heimatlandes. Beispielhaft hierfür steht sein im vergangenen Jahr erschienenes elftes Studioalbum „The Bird of a Thousand Voices“, das auf einem armenischen Volksmärchen basiert.

Noch Fragen?

Karten für alle genannten Konzerte und noch etliche weitere gibt es ab sofort unter www.enjoyjazz.de.

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