Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Siegerwein vom Weingut Winkelmann: Wie die Winzer aus Duttweiler ticken

Alle haben im Familienbetrieb Winkelmann eine Aufgabe: (von links) Heike, Bernd, Mark, Eva, Werner und Helga Winkelmann.
Alle haben im Familienbetrieb Winkelmann eine Aufgabe: (von links) Heike, Bernd, Mark, Eva, Werner und Helga Winkelmann.

Der beste Weißburgunder der Pfalz kommt aus Duttweiler vom Weingut Winkelmann. Ein Gespräch mit der Familie über die Aufgabenverteilung auf dem Hof, ihr Verständnis von Nachhaltigkeit und die Perspektiven für den Betrieb.

Familienweingut – diese Bezeichnung verwenden viele Winzer gerne. Vermittelt sie doch Bodenständigkeit und Zusammenhalt. Auch im Gespräch mit den Winkelmanns in der Vinothek in Duttweiler fällt das Stichwort ziemlich schnell. Und doch spürt man gleich: Familienweingut wird nicht einfach so gesagt, hier in der Dudostraße wird das gelebt. Denn rund um den gemütlichen Tisch versammeln sich drei Generationen: die Großeltern Werner und Helga, die Eltern Bernd und Heike sowie der Nachwuchs Mark und Eva. Alle haben ihre Aufgaben, damit das Weingut, das rund 20 Hektar bewirtschaftet, funktioniert. „Hier arbeiten von 17 bis 76 alle zusammen“, erklärt Tochter Eva Winkelmann.

Anlass fürs Gespräch ist eine besondere Auszeichnung: Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz hat einen Wein der Winkelmanns zum „Siegerwein“ gekürt. Das heißt, dieser Tropfen ist der beste Wein eines Anbaugebiets: Für die Pfalz ging der Titel in der Kategorie Weißburgunder an eine 2023er Spätlese trocken nach Duttweiler. Das freue ihn sehr und mache ihn auch stolz, sagt Bernd Winkelmann. Er sei seit über 30 Jahren im Betrieb tätig. Mit seinen Weinen nehme er immer an Prämierungen teil – und nun habe es tatsächlich mit dem ganz großen Wurf geklappt. Er freue sich auch deshalb, „da wir uns jedes Jahr anstrengen – und das fruchtet“. Seine Frau Heike, die sich mit der Oma und der Tochter um Verkauf und Büro kümmert, bestätigt: Es kommen seit der Bekanntgabe des Preises auch neue Kunden auf den Hof, die gezielt nach dem „Siegerwein“ fragen. Tochter Eva betont dazu umgehend: „Das ist nur eine Momentaufnahme. Im Prinzip geht es für uns normal weiter. Wir machen unsere Arbeit und wollen damit unsere Kunden immer wieder überzeugen.“

Piwis im Sortiment

Die Winkelmanns verkaufen zu 95 Prozent an Privatkunden. Dass die Weine in ganz Deutschland an die richtigen Adressen kommen, ist die Aufgabe von Werner Winkelmann. Der Seniorchef ist immer noch gerne unterwegs und liebt die Gespräche beim Ausliefern. „Manche Kunden kenne ich seit 40 Jahren, mit vielen bin ich per Du. Das ist ein Pfund. Denn es ist ungleich schwieriger, neue Kunden zu gewinnen.“ Seine Enkelin Eva umschreibt die Weingutsphilosophie so: „Wir lieben den Kontakt zu unseren Kunden. Wir wollen sie kennen und mit ihnen plaudern. Denn wir wollen wissen, für wen wir arbeiten und wer unseren Wein trinkt.“

Bernd Winkelmann führt den Betrieb in vierter Generation. Den Schwerpunkt bilden die Burgundersorten und Riesling. Aber auch Piwis kommen inzwischen dazu – also die pilzwiderstandsfähigen Neuzüchtungen, die mit weniger Pflanzenschutzmitteln auskommen. Bernd Winkelmann ist froh, dass mit seinem 17-jährigen Sohn Mark die nächste Generation schon in den Startlöchern steht. Mark absolviert gerade seine Winzerlehre. „Aber in der Freizeit arbeite ich so viel wie möglich mit“, meint der 17-Jährige. Er ist ein Technikfan und sorgt dafür, dass im Weinberg möglichst die neueste Technik eingesetzt und optimal eingestellt wird. „Mein Vater lässt mir da auch freie Hand und lässt mich machen“, lobt er. Auch im Keller sammelt Mark Winkelmann schon fleißig Erfahrung und ist stolz, das er mit dem Piwi Donauriesling schon bei einem internationalen Wettbewerb bis in die Gold-Kategorie kam. Schwester Eva studiert zwar Lehramt, will aber auch dem Weingut treu bleiben: „Das ist mein Hobby.“ Aktuell ist sie Duttweilers Weinprinzessin und folgt damit ebenfalls einer Familientradition. Denn auch zwei Tanten und ihre Mutter hatten schon die Ortskrone auf. „Man wächst da eben so rein. Es macht Spaß und man kann auch etwas für den Ort machen, das ist schön“, betont die 20-Jährige. Sie ist zudem auch im Keller aktiv, hat einen Sommersecco gemacht und bastelt gerade an einem Prinzessinnenwein.

Flaschen werden wiederverwendet

Den Winkelmanns ist eines wichtig: möglichst nachhaltig zu arbeiten. „Die Böden sind unsere Existenz, ohne sie geht nichts“, sagt Mark. Sie arbeiten im Weinberg möglichst naturnah und mit viel Begrünung. Außerdem: Kunden können die Flaschen ebenso zurückgeben wie unversehrte Kartons. Flaschen werden gespült und Kartons dann neu verpackt. „Man muss sich doch nur mal den Produktionsprozess anschauen: Da ist das Spülen von Flaschen und das Wiederverwenden viel nachhaltiger“, betont Mark Winkelmann. Ähnliches gelte mit Blick auf Kartons: „Dinge erneut zu verwenden, ist immer besser, als sie immer neu produzieren zu müssen“, ist Bernd Winkelmann überzeugt.

In der sechsköpfigen Runde über drei Generationen werden übrigens in der vor ein paar Jahren gebauten neuen Vinothek auch alle Weine abgestimmt und besprochen. Mit Blick auf die Zukunft will Eva Winkelmann auf jeden Fall das Thema Onlineshop in Angriff nehmen. „Auch wenn wir gerne den Kundenkontakt haben, manche wollen auch einfach einen Warenkorb bestücken und sich Wein liefern lassen. Darauf wollen wir uns noch besser einstellen.“ Da in der Familienrunde niemand widerspricht, kann man davon ausgehen: Die Internetseite dürfte bald etwas umgestaltet werden. Denn das Weingut soll sich kontinuierlich weiterentwickeln, betonen alle sechs.

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