Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Serie Familiensache Politik: Die Lechners – Regierung und Opposition unter einem Dach

Plauderstunde in der Diedesfelder Ortsverwaltung: Volker (links) und Elias Lechner.
Plauderstunde in der Diedesfelder Ortsverwaltung: Volker (links) und Elias Lechner.

Die Diedesfelder Volker und Elias Lechner sind begeisterte Politik-Fans. Beide mischen daher gerne in der Ortspolitik mit. Doch während der Vater (FWG) Ortsvorsteher ist, gehört der Sohn der CDU-Opposition an. Wie es dazu kam – und wie das zu Hause funktioniert.

Wer mit Volker (52) und Elias (26) Lechner spricht, hört zwei sehr ähnliche Geschichten. Da ist viel von politischem Interesse die Rede, das von klein auf da war, das vom Elternhaus vorgelebt wurde – und das dann zum eigenen politischen Engagement geführt hat. Soweit nichts Ungewöhnliches. Schließlich ist der Papa ja der Ortsvorsteher von Diedesfeld und Mitglied des Stadtrats, und der Sohn gehört ebenfalls seit 2019 dem Ortsbeirat an. Perfekte Eigenwerbung – könnte man meinen. Doch damit liegt man falsch. Denn Volker Lechner engagiert sich für die FWG und Elias Lechner für die CDU, gehört damit also der Opposition im Ortsbeirat an.

Für beide ist das aber keine große Sache. „Etwas für den Ort bewegen“ ist vielmehr eine Formulierung, die beide immer wieder einstreuen. „Man ärgert sich höchstens mal“, meint Volker Lechner schließlich. Denn er habe sich in seinem Heimatort Mörlheim anfangs auch in der CDU engagiert. „Ich hatte da vor 30 Jahren die Chance, etwas zu verändern.“ Als er später nach Diedesfeld zog, war der örtliche TuS zunächst sein „Spielfeld“, wo er sich intensiv im Vorstand engagierte. „Und über die Vereinsarbeit bin ich zur Politik gekommen.“ Lechner spricht von einem „Marc-Weigel-Effekt“, der ihn zur Neustadter FWG geführt habe. 2019 wurde Volker Lechner erstmals in den Ortsbeirat gewählt. Im Herbst 2019 wurde er dann sogar Ortsvorsteher, da der eigentlich gewählte Stefan Krumm-Dudenhausen (FWG) wegen seines Jobs bei der TKS das Amt nicht antreten durfte. Im Juni 2024 wurde Lechner als Ortsvorsteher bestätigt und zog zudem in den Stadtrat ein. „Als Ortsvorsteher wollte ich dort Mitspracherecht für meinen Ort haben“, sagt Volker Lechner.

Frotzeleien müssen sein

Nun zu seinem kleinen Ärger. Sohn Elias stand 2019 ebenfalls zum ersten Mal auf einer Liste für den Ortsbeirat. Aber eben bei der CDU. „Der damalige Ortsvorsteher Roland Henigin hatte mich gefragt. Ich habe Ja gesagt, da unser Haushalt ja durchaus CDU-nah ist.“ Elias Lechner zog auch gleich in den Ortsbeirat ein und verteidigte 2024 sein Mandat. „Ich habe mich aber nicht geärgert, dass Elias zu CDU ging, sondern dass wir nicht auf die Idee gekommen waren, ihn anzusprechen“, verrät der Vater. Insgesamt spiele die Parteipolitik im Ortsgeschehen keine große Rolle. „Da gibt es maximal mal zwei, drei Differenzen bei Themen. Aber nichts, bei dem ich Papa danach nicht mehr in die Augen schauen könnte“, sagt der 26-Jährige. Volker Lechner fasst es so zusammen: „Daheim und am Küchentisch gibt es viele Frotzeleien, aber es ist nie böse gemeint.“

Beide sind sich einig, dass es sehr wichtig sei, wenn Bürger sich engagieren – egal ob in Politik, Verein oder Kirche. „Und ganz wichtig ist, dass die Jungen wie Elias dabei sind“, betont der 52-Jährige. Elias kann das nur bestätigen. Ihm habe die Arbeit im Ortsbeirat sehr geholfen, um Zusammenhänge zu verstehen und Abläufe einordnen zu können. „Dann lernt man, warum eine Straße nicht mal eben gebaut wird. Einfache Lösungen gibt es in der Politik nicht, auch wenn Populisten das gerne sagen“, so Elias Lechner. Gemeinsam schauen sie daheim auch gerne politische Talkshows. In der Regel herrsche Konsens. Das gelte auch für die meisten Themen im Ort. Sei es mal anders, „können wir unterschiedliche Meinungen akzeptieren“, sagt Volker Lechner. Ortsbeiratssitzungen seien daheim dann kein Thema mehr. „Da gehen wir gut miteinander um“, betont Elias Lechner.

Der Ortsvorsteher als Kümmerer

Was beide in den vergangenen fünf Jahren gelernt haben: Das politische Engagement kostet auch viel Zeit. Man müsse sich in die Themen einarbeiten, wolle verstehen, was zu beschließen ist – denn Beschlüsse haben ja Konsequenzen. Wobei Elias Lechner dann zur Seite schaut und offen sagt: „Wobei der Zeitaufwand für Papa als Ortsvorsteher schon enorm ist. Da kommen täglich Anrufe.“ Er verstehe sich eben als Kümmerer, sagt Volker Lechner. Daher sei er nach einem Anruf an Heiligabend auch losgezogen und habe sich um ein offenes Hoftor gekümmert. Seine pragmatische Lösung? „Ich habe einen Stein als Befestigung hingelegt.“ Ihm sei es wichtig, Dinge im Ort zu gestalten. Das motiviere. Und wenn sich dann eine Gruppe von Engagierten finde, motiviere ihn das doppelt und sporne ihn weiter an. „Das Feedback der Bürger ist auch ein wichtiger Aspekt. Ihr Lob entschädigt für vieles, das mal nicht so läuft.“ Er könne seinen Mitstreitern daher nicht genug danken. „Denn von diesem Engagement profitiert der ganze Ort.“ Bei allem Idealismus habe er aber doch unterschätzt, wie viel Zeit er für sein Ehrenamt aufbringen müsse: „Wichtig ist, dass die Familie nicht leidet und das unterstützt. Dennoch: Daheim bleibt an Arbeit einiges liegen. Aber der Zeitaufwand muss eben sein für Kontakte und um Themen mitzubekommen.“

Bei den Lechners wird viel gelacht und sich gegenseitig auf den Arm genommen. Doch Papa Volker kann auch anders. Daher sagt er zum Ende des Gesprächs ganz in Ruhe: „Ich bin stolz, so wie es ist.“ Beim Sohnemann kommt das an, daher antwortet er direkt: „Und auf ihn kann man auch richtig stolz sein.“ Für einen Moment sind beide gerührt.

Die Serie

Die Kommunalwahlen im Juni haben gezeigt. Es wird für Parteien und politische Gruppen immer schwieriger, politisch Engagierte zu finden. Auffällig ist dabei: Aus manchen Familien kommen gleich mehrere Mandatsträger. In dieser Serie stellen wir sie vor und zeigen auf, wie Politik als Familiensache so funktioniert.

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