Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Seine Angestellten liebten ihn: der Unternehmer Conrad Freytag

Bewundert Conrad Freytag für seinen unternehmerischen Mut und sein soziales Wirken: Axel Rehe.
Bewundert Conrad Freytag für seinen unternehmerischen Mut und sein soziales Wirken: Axel Rehe.

Conrad Freytags Todestag hat sich am 2. Juli zum hundertsten Mal gejährt. Immer noch ist das Vermächtnis des engagierten Unternehmers in Neustadt allgegenwärtig. Der Neustadter Axel Rehe hat sich auf Spurensuche begeben.

„Er war ein Visionär, der es schaffte, mit Mut und Menschlichkeit eine kleine Neustadter Firma zu einem international tätigen Unternehmen zu entwickeln.“ Axel Rehe beschäftigt sich intensiv mit dem Leben von Conrad Freytag. Dessen Unternehmergeist habe die Stadt geprägt, sein soziales Engagement habe Spuren hinterlassen.

Spät Blut geleckt

Conrad Freytag habe es gewagt und geschafft, von Joseph Monier die Patentrechte für das sogenannte Monierverfahren für Süddeutschland, und später für Norddeutschland, zu bekommen. Freytag habe sich mit fähigen Köpfen umgeben und die Forschung vorangetrieben, wodurch er zum Pionier eines neuen Bauens wurde. „Das Besondere war, dass er die Forschungsergebnisse nicht für sich behielt, sondern allen zugänglich machte und somit der Entwicklung Deutschlands einen entscheidenden Schritt ermöglichte“, sagt der Historiker. Zudem habe er seine Angestellten am Erfolg beteiligt: „Wer gut gearbeitet hat, dem ging es gut bei Freytag.“

Axel Rehe hat seine Leidenschaft für Neustadts Geschichte erst spät entdeckt. Sie führte den Biochemiker nach seiner Pensionierung zunächst zur Stiftskirche. Dort bewarb er sich als Turmführer und wurde prompt genommen. „Wer sauber und exakt arbeiten will, muss sich informieren“, ist einer seiner Grundsätze. Zur Vorbereitung auf sein neues Amt verbrachte er viel Zeit im Stadtarchiv in Neustadt und im Landesarchiv in Speyer. Er wurde zum Spezialisten, sodass er die ihm nachfolgenden Turmführer „mit meinem Wissen bereichern konnte“.

Von Stadtbach bis Kloster

Die Geschichte Neustadts, auf die er während seiner Forschung stieß, faszinierte ihn. Rehe avancierte zum Stammgast des Stadtarchivs. Neue Fakten führten ihn zu weiteren Fragen und ungeklärten Punkten. Er sammelte immer mehr Informationen, die er thematisch in Broschüren und Büchern veröffentlichte. Ob Stadtbach oder Kloster, Rehe fand Zugang, interessante Details und Wissenswertes dazu.

Rehe traf durch Antonie Fillibeck auf die Forschung Freytags. „Als Kind wohnte ich in der Waldstraße. Das Mausoleum der Familie Freytag im Römerweg und der Conrad-Freytag-Blick gehörten dazu. Als Jugendlicher habe ich beim Bau des Gebäudes Ecke Maxburg-/Waldstraße geholfen, das im Volksmund das Indische Grabmal genannt wird. Es ist ebenfalls Teil des Freytag-Vermächtnisses“, erzählt er von seiner besonderen Beziehung zum Werk des Unternehmers.

Kernstadt im Fokus

Wenn er durch die Talstraße geht, wo ohne Unterbrechung die Zentrale der Firma angesiedelt war, oder in Branchweiler das Ibag-Gelände betrachtet, spürt Rehe die Neustadter Geschichte, die eng mit Freytag verbunden ist. „Das ehemalige Demeta Gelände in der Amalienstraße gehörte zur Firma Wayss & Freytag, ebenso wie der Holzplatz in der Sauterstraße, der ein Dampfsägewerk beherbergte.“ Spaziert er durch Neustadt, so spaziert er durch seine Bücher. Dabei beschäftigt er sich ausschließlich mit der Kernstadt: „Ich muss mich auf eine Region und einen Zeitraum konzentrieren.“

Seine akribische Suche führt ihn von einer Frage zur nächsten. Da wäre zum Beispiel die älteste Tochter Freytags, Emilie, die 1911 in Todtmoos im Schwarzwald in einem Sanatorium starb. „Nach meinen Informationen litt sie an Tuberkulose“, erzählt Rehe. Schon vor ihrem Tod kaufte Freytag das Gelände für den Bau des Mausoleums.

Entscheidender Tipp

„Diese Pläne machte er jedoch auch mit Rücksicht auf seine Tochter nicht öffentlich“, vermutet der Historiker. Da es sich um ein privates Bauprojekt handelte, fänden sich dazu wenige Informationen. Eine Meldung zum Tod und zur Einäscherung der Tochter fand Rehe, der mittlerweile die zeitintensive Recherche gemeinsam mit seiner Frau Petra bestreitet, nur in einer Mannheimer Zeitung von 1911.

Jetzt aber hat der Neustadter Hobbyhistoriker einen entscheidenden Tipp zur Herkunft des damaligen Architekten erhalten, der in München ansässig war. Dort hat er nachgefragt und will vielleicht nach München reisen, um weitere Hinweise zu erhalten.

Zur Person: Conrad Freytag

Conrad Freytag (1846-1921) entstammt einer Lachener Bauernfamilie. Er war ein Neustadter Bauunternehmer, der als Pionier des Eisenbetonbaus entscheidend die Entwicklung Deutschlands geprägt hat. Er gründete mit seinem Schwager Carl Heidschuch die Baustoffhandlung Freytag & Heidschuch OHG in der Neustadter Talstraße 15.

Früh erkannte er neue Chancen in der Baubranche. Bereits 1885 reiste Freytag nach Paris, wo er die Eisenbeton-Patente des Franzosen Joseph Monier erwarb. Das Monierverfahren erlaubte bis dahin ungeahnte Stabilität im Hochbau, womit er die Bauentwicklung in Deutschland vorantrieb.

Conrad Freytag war Gründungsmitglied des 1898 gegründeten Deutschen Betonvereins, gehörte dessen Vorstand bis 1905 an und wurde 1918 Ehrenmitglied. 1905 wurde er zum königlich-bayerischen Kommerzienrat ernannt. 1918 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Darmstadt.

Freytag war von 1895 bis 1920 Mitglied im Neustadter Stadtrat. 1916 ernannte man ihn zum Ehrenbürger der Stadt. Die Spuren seines Wirkens sind bis heute sichtbar. Er starb fast 75-jährig am 2. Juli 1921 nach längerer Krankheit in Wiesbaden.

Das Freytag-Mausoleum im Römerweg, eine Etappe der Gedenkfeier der Stadt am 4. Juli.
Das Freytag-Mausoleum im Römerweg, eine Etappe der Gedenkfeier der Stadt am 4. Juli.
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